RMP Assenheim - Facebook vom 5.1.2015

Zwei Brüder, zwei Europameister, zwei Bundesligaspieler, zwei Sportarten

Zwei Brüder aus der Wetterau, die sportlich gleichermaßen erfolgreich sind, doch die Sportart und deren Popularität nicht unterschiedlicher sein können. Marcel Kempf Skaterhockey-Bundesligaspieler bei den IVA Rhein-Main Patriots und sein 20 Monate jüngerer Bruder Marc Oliver Fußball-Bundesligaspieler beim SC Freiburg.

Begonnen hat die Karriere für Beide beim heimischen Fußballverein TSV Dorn-Assenheim. Dort spielten sie gemeinsam bis ins Jahr 2005. Marcel hat zu diesem Zeitpunkt bereits seine sportlichen Prioritäten zum Inline-Skaterhockey verlagert. Seit 2002 steht er im Tor der Nachwuchsabteilung des Wetterauer Bundesligavereins IVA Rhein-Main Patriots, wo er schnell erste Erfolge feiert. Von der Schnelligkeit des Rollensports begeistert gewinnt er 2004 mit der U12-Mannschaft seinen ersten großen Titel. Deutscher Inlinehockey Meister 2004.

Marc setzt dagegen seine Fußballkarriere fort und wechselt 2005 zum SV Bruchenbrücken, dabei wird er noch von seinem älteren Bruder begleitet. 2006 trennen sich dann endgültig ihre sportlichen Wege. Marc zieht es zur JSG Bad Nauheim, die seinerzeit eine der besten Nachwuchsvereine des Wetteraukreises ist und Marcel steht nun nahezu ausschließlich im Tor des Niddataler Inlinevereines. Bei Beiden wohl die absolut richtige Entscheidung. Marc steht schnell im Visier der Eintracht-Scouts und wechselt 2007 in die U13 des Hessischen Bundesligisten. Marcel feiert im selben Jahr sein erstes Double. Mit der U15 der Rhein-Main Patriots wird er Deutscher Meister und Pokalsieger 2007.

Beide nehmen ihre jeweilige Lieblingsbeschäftigung überaus ernst und entwickeln sich überdurchschnittlich. Marcel bestreite 2009 mit gerade Mal 16 Jahren sein erstes Spiel in der 1.Mannschaft der Patriots, die in diesem Jahr mit der Mission Skaterhockey in der Regionalliga (3.Liga) begannen. Am Jahresende folgte für ihn und das Team die Meisterschaft und der direkte Aufstieg in die 2.Bundesliga, diese schloss man nur ein Jahr später ebenfalls mit dem Meistertitel ab und schaffte so den direkten Durchmarsch ins Skaterhockey-Oberhaus. Immer noch Nachwuchsspieler kam Marcel so 2011 zu seinem ersten Spiel in der 1.Bundesliga, welchem noch zahlreiche folgen werden. Mit dem Gewinn des EM-Titels mit der Deutschen Skaterhockey U19-Nationalmannschaft am 03.11.2011 setzte er dann seiner Nachwuchskarriere die Krone auf. Marc der die Erfolge seines großen Bruders erfreut Verfolgte nahm diese als Motivation und wurde nur ein halbes Jahr später mit der Deutschen U18 Fußball-Nationalmannschaft Vize-Europameister. Ein Meister und ein Vize-Meister des Kontinents im Hause Kempf, da hat man nicht viel falsch gemacht. Starke Leistungen bei EM und im Nachwuchs der Eintracht folgte im November dann der erste Profivertrag, und auch für Marc die daraus resultierende Bestätigung in seinem Sport zu den Besten zu zählen. Nur vier Wochen später dann das erste Spiel in der 1.Fußball-Bundesliga.

Die Parallelen sind also wieder da Beide mit ihrem Debüt in der jeweiligen höchsten Spielklasse ihrer Sportart und mit internationalen Erfolgen. Doch in Sachen Popularität geht die Schere nun etwas auseinander. Gibt es im Skaterhockey keine Profis, darf sich Marc nun Fußballprofi nennen. Hat auch Marcel in Sachen Erfolge die Nase noch leicht vorne, ist die Bekanntheit des kleinen Bruders, dank des populäreren Fußballs größer.

Ungerecht oder Schicksal? So ist der Sport, und die Tatsache sein gegebenes Talent sich nicht aussuchen zu können.

2012 dann die Teilnahme für Marcel mit den Patriots beim European Champions Cup. Mit einem tollen Ergebnis und der Gewissheit fünft beste Skaterhockey Vereinsmannschaft Europas zu sein, ging es dann wieder nach Hause. Marc hatte das Vergnügen Europacup zu spielen dann ein Jahr später. 2013 bestritt er mit Eintracht Frankfurt in Bordeaux sein Debüt in Europa. Zwar war er mit seinem Team nicht ganz so erfolgreich wie sein Bruder, aber das Medieninteresse war für den noch sehr jungen Dorn-Assenheimer wesentlich größer. Im Juli 2014 zog Marc dann in Sachen EM-Titel seinem Bruder gleich und wurde U19-Europameister. Während Marcel mit seinen Patriots 2014 im vierten Jahr in Folge in der 1.Bundesliga spielt und auch in der kommenden Saison in der Beletage vertreten ist, wechselt Marc zum SC Freiburg und steigerte seine Qualität als Fußballer zusehend, fest zum Stamm der Breisgauer gehörend untermauerte er mit seinem ersten Tor in der 1.Fußball-Bundesliga am 19.09. seine Ansprüche für eine noch junge aber ambitionierte Karriere als Fußballprofi.

Der nicht minder ambitionierte Marcel wird weiterhin als Amateur im Skaterhockey alles daran setzen weiterhin erfolgreich in der 1.Bundesliga aktiv zu sein um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Zusätzlich absolviert er sein Studium.

Beeindruckend daran ist wie gleiche Erfolge, aber diese von der Öffentlichkeit von Sportart zu Sportart unterschiedlich bewertet werden. Beide sind U19-Europameister und spielen in der jeweiligen 1.Bundesliga, doch in Sachen Popularität und Profistatus ein riesiger Unterschied und das nur allein der Sportart wegen. Der eine spielt in der größten Sportart der Welt und der andere in einer nicht minder interessanten- aber Randsportart. Doch diese Unterschiede machen die Brüder nicht. Stehen sich Beide nach wie vor sehr nahe, tauschen sich ob der Entfernung gegenseitig immer wieder aus und gönnen sich gegenseitig jeden Erfolg, welcher den anderen immer wieder zusätzlich positiv anspornt. Sport ist eben nicht immer Sport!!!!  

Foto: pv.