Runder Tisch - WZ vom 21.9.2015   

Große Augen wegen großer Kiste

Aktion Zusammenspiel: Runder Tisch überreicht Spielepaket an Flüchtlingskinder

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) „Das sind alles neue Spiele, die man ohne große Anleitung benutzen kann“, freut sich Dr. Sabine Tschischka vom Reichelsheimer Runden Tisch, während die Augen von zehn Flüchtlingskindern immer größer werden. Diese packten gerade eine Kiste mit Puzzles, Büchern oder Memorykarten aus und probierten diese mit sichtlichem Spaß auch gleich aus. „Wir dachten, hier werden Schulen bevorzugt, war sich Tschischka zunächst unschlüssig, doch das Bundesfamilienministerium antwortete unbürokratisch, „da wo Kinder sind, die spielen wollen, da helfen wir - und dann kam dieses große Paket.“

Der Hintergrund: Vereine und Organisationen waren anläßlich der Woche des bürgerschaftlichen Engagements zur Aktion Zusammenspiel aufgerufen. Im Mittelpunkt steht die Begegnung mit Flüchtlingskindern, über 450 Spielzeugpakete wurden dabei von Unternehmen zur Verfügung gestellt.

Auf die Frage, warum der Runde Tisch mit der Aktion in Dorn-Assenheim die Einrichtung des Wetteraukreises und nicht die städtischen Initiativen unterstütze, konterte Tschischka: „Für uns ist dies irrelevant, wir können nicht sagen, das sind eure Flüchtlinge und das unsere.“ In den kommunalen Unterkünften gäbe ein einziges Kind, „ohne unser Engagement wäre das Spielzeugpaket verloren gegangen“

„Wo kann ich eure Sprache lernen“, fragt ein 14-jähriger Somalier. „Ich will Deutsch unterrichten, weil wir die Menschen integrieren wollen“, bietet sich Wulf Hein an, der seit kurzem beim Runden Tisch dabei ist.  Sprache sei der Schlüssel hierzu. Drei mal die Woche jeweils eins, zwei Stunden, stellt er sich vor. „Ich spreche ein wenig arabisch, das könnte von Vorteil sein.“. Auch denkt er an Freizeitangebote. Mal mit Flüchtlingen ins Kino zu gehen, so sein Vorschlag, denn es nütze nichts, wenn diese untereinander ihre Gesellschaft pflegten. Sein Plädoyer: „Integration ist eine Sache von zwei Seiten.“

Tschischka wirbt derweil für bürgerliches Engagement: „Wir übernehmen Wohnungspatenschaften, koordinieren Spenden, helfen bei Einkäufen, Arztbesuch und Formalitäten.“ Der Staat lasse die Menschen alleine, selbst eine Abschiebeandrohung komme auf Deutsch.“ Das größte Problem sei der Wohnungsmarkt. „Dass da mal jemand sagt, „ja ich habe eine Vierzimmer Wohnung, die ich der Stadt vermieten möchte‘, das fehlt.“

Nebenan zeigt sich eine andere Form der Hilfsbereitschaft, Bürger stapeln kistenweise Winterkleidung. „Ich sammele für das Flüchtlingswohnheim in Giessen, da kann ich etwas abgeben“, fragt eine Frau nach Organisatorin Christa Stolle und diese ergänzt: „Die Neuen hier haben nur Sommerklamotten, jetzt wird es kühl.“ Besonders die Jüngeren greifen zu und freuen sich über Jacken, Jeans und Pullover. Auch Stolle freut sich: „Ich bin überwältigt, was übrig bleibt fahre ich zum Roten Kreuz.“

Foto: Dr. Sabine Tschischka (links) und Christa Stolle (mitte) vom Runden Tisch haben mit Bürgermeister Bertin Bischofsberger ein großes Spielzeugpaket an die Kinder der Flüchtlingsunterkunft überreicht Foto: hh.


Interview mit zwei Syrern

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Nach Jahren des Krieges, nach einer anstrengenden Flucht sind Deyaa Alschammas und Malek Alachmad vor einem Monat mit vier weiteren Syrern in der Dorn-Assenheimer Flüchtlingsunterkunft angekommen. Wann sie ihre Familien wiedersehen, wissen sie nicht. Im Interview erzählen der 30-jährige Ingenieur und der 29-jährige Friseur über ihre Flucht. Auf arabisch, ein Freund übersetzt.

Von wo und wie sind Sie geflohen?

Deyaa: Aus As Suwayda bei Damaskus, die anderen aus Aleppo nahe türkischen Grenze. Im Juni haben wir Syrien verlassen, über die Türkei und den Balkan mit Bussen, Zügen und Autos. Es dauerte dreizehn Tage, um nach Griechenland zu kommen. Wir haben uns zu zwölft zusammengetan, denn die Flucht dann über Bulgarien und Serbien hat unheimlich viel Kraft gekostet.

Wie ist das Leben in ihrer Heimat?

Deyaa: Die Erinnerungen an Syrien belasten uns sehr. Mit Assad hatten wir kein Problem. Warum wir Syrien verlassen haben, kann man jeden Tag in den Nachrichten sehen. Wir sind vom Islamischen Staat bedroht, die bei uns aus dem Untergrund operieren. Und wir sind Christen. Als der Krieg anfing, waren wir in Damsakus sicher, aber der IS breitet sich immer mehr aus.

Wo befindet sich ihre Familie?

Malek: Meine Verlobte, Vater und Mutter sind in Syrien. Es geht ihnen gut, wir sprechen regelmäßig miteinander. Vor zwei Tagen wurde unsere Heimatstadt wieder bombadiert. Alle hätten die Flucht nicht geschafft. Aber ich bin hierher gekommen, damit meine Familie nachkommen kann.

Was wünschen sie sich in Deutschland?

Malek: Ich muss an die Zukunft denken. Jeder in Syrien weiss, dass hier die Perspektiven am besten sind. Wir versuchen Deutsch zu lernen, wir wollen arbeiten. In Deutschland haben wir Chancen, hoffen, dass wir akzepotiert werden. Und wir fühlen uns sicher.

Foto: Deyaa Alschammas und Malek Alachmad (links hinten) sind vor einem Monat mit vier weiteren Syrern nach Dorn-Assenheim gekommen. Foto: hh.