Landwirtschaft - WZ vom 9.6.2018      


Die Worte geht nicht, kennt er nicht

Landwirtschaftsmeister Gerhard Rack aus Dorn-Assenheim beteiligt sich seit vielen Jahren an Agrar-Umweltmaßnahmen

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) „Da oben fliegt eine Lerche, die ihr Revier markiert“, zeigt Gerhard Rack gen Himmel und deutet gleich auf eine freie Stelle in seinem Weizenfeld: „Da finden sich die Weibchen im Gehege. Seit fast zehn Jahren legt der Landwirtschaftsmeister so genannte Vogel- oder Lerchenfenster an und ist stolz darauf: „Die Population von Grauammer, Feldlerche und Schafstelzer hat sich verdoppelt.“ Denn inmitten des hochwachsenden Getreides finden die Vögel so Schutzzonen, um ihre Jungen großzuziehen. Es sind kleine Biotope, die vor krabbelndem und kriechendem Leben nur so wimmeln. Noch bis Mitte Oktober bleibt das Korn stehen stehen, um den bedrohten Arten Unterschlupf zu bieten.

Dabei verzichtet Rack auch auf so manchen Quadratmeter ertragreicher Ackerfläche, indem er über 200 „kleine Start- und Landebahnen“ für die Vögel in der Gemerkung frei hält. "Das macht kaum Arbeit“, sagt der Dorn-Assenheimer, „ich muss beim Aussäen nur kurz die Maschine anheben, damiteine Saatlücke entsteht." Pro Hektar sollen es drei bis fünf Fenster sein, akribisch hakt er diese in einer Liste ab.

Seit rund 20 Jahren beteiligt sich Rack an Agrar-Umweltmaßnahmen, kombiniert so Landwirtschaft und Artenschutz.. „Die Wörter geht nicht, kennt er nicht“, erzählt Ute Heinzerling von der Fachstelle Agrarförderung des Wetteraukreises. Er habe von ähnlichen Initiativen in England gelesen und war sofort dabei, als vergleichbare Programme in Hessen starteten, outet sich Rack auch als Naturliebhaber. Mittlerweile hat er rund acht Hektar als ökologische Vorrangfläche ausgewiesen. Neben den Lerchenfenstern sorgen Blühstreifen, Grünwiesen und Hamster- und Rebhuhnstreifen für biologische Vielfalt. Derzeit beobachtet er zwei Rebhuhnfamilien mit 22 Jungtieren, auch ein Fasan mit mehreren Hennen hat sich hinzugesellt.

„Auch Ralf Eichelmann, Leiter der Fachstelle Agrarförderung lobt Rack. „Da steckt Idealismus und Leidenschaft drin.“ Die Wetterau mit ihren hochproduktiven Lößböden benötige einen Ausgleich für deren „aufgeräumte Bewirtschaftung“. Der Lebensraum für die Tiere sei eingeengt, Felder mit Hackfrüchten finden sich seltener. Rack steuere dem mit punktuellen, aber hochwirksamen Maßnahmen entgegen, bekräftigt Eichelmann, „ich kann jeden Tag sehen, dass die Felder wie ein Magnet wirken.

Dabei steht der Landwirt auch neuen Projekten offen und flexibel gegenüber. Seit 2017 werden so genannte Honigbrachen als ökologische Vorrangflächen gefördert. „Wir haben jahrelang für eine spätere Einsaat gekämpft, im Mai hat er sich die passenden Pflanzenmischungen besorgt, die Witterung verfolgt und pünktlich eingesät. Profitieren sollen hiervon die Bienen, aber auch weiterer Insektenreichtum soll sich hier entfalten und quasi um die Wette summen. Und wo gesummt wird, finden Lerche und Grauammer einen reich gedeckten Tisch.

Den sollen Sie dem Wunsch von Eichelmann und Rack demnächst auch demnächst auf derzeit begrünten Feldwegen finden. „Wir prüfen die Aussaat von Wiesenblumen auf diesen Wegen“, sagt Eichelmann und Rack ergänzt: „Ein solches Pilotprojekt schließt eine Lücke, denn dann können die Vögel quasi gangjährig Nahrung finden. Bei alledem geht es ihm letztendlich auch um seinen Berufsstand. „Landwirte haben manchmal zu Unrecht ein negatives Image, dem will ich entgegenwirken.“

Foto: „Gerhard Rack war einer der ersten, der Agrarwirtschaft und Artenschutz kombiniert hat“, lobt Ralf Eichelmann den Dorn-Assenheimer Landwirt in einem der Lerchenfenster

Feldvogelfenster & Co.

Seit den 1970er Jahren nehmen die Bestände der Feldlerchen und anderer Bodenbrüter in der Kulturlandschaft ab. Mittlerweile stehen viele Arten auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands. Die Intensivierung der Landwirtschaft bringt höhere Saatdichten mit sich, so dass geeignete Brutplätze verloren gehen, die Vögel finden zudem in den dichten Beständen keine Nahrung mehr.

Vor Jahren kamen Landwirte in Großbritannien Landwirte auf die Idee, innerhalb von Getreideschlägen künstliche Fenster von jeweils ca. 20 qm anzulegen. Diese dienen dabei als „Anflugschneise“, die Nester werden direkt im umliegenden Getreide angelegt. Durch die fehlende Vegetation bieten die offenen Stellen einer Vielfalt von Insekten Lebensraum.

Nach ersten Fördermaßnahmen in 2009 habe sich die Kombination weiterer Module wie Blühstreifen, Nachernte- oder Hamsterstreifen und Honigbrachen bewährt. Diese wirken sich wie die Feldvogelfenster auch auf andere Tiere wie Goldammer, Wachtel, Schafstelze, Rebhuhn, Feldhase und viele Insekten positiv aus.