Pfarrei - WZ vom 21.4.2016    

„Wie Fernsehen - nur ohne Strom“

Katholische Öffentliche Bücherei präsentiert dich der Öffentliuch keite - Neue EDV

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) „Das war ein sehr mühsamer Prozess, der fast ein Jahr gedauert hat“, zigt sich Teamleiterin Andreas Stiefmeier erleichtert. Seit wenigen Tagen ist die Katholische Öffentliche Bücherei elektronisch auf dem neuesten Stand, das Ausleihsystem mittels Karteikarten Geschichte. Während eines Empfangs gab es nicht nur Sekt und Häppchen, das Büchereiteam nutzte auch die Gelegenheit zur Eigenwerbung und präsentierte aktuelle Projekte einer breiterten Öffentlichkeit.

Neuester Trend ist ein Kamishibai. Das kleine Erzähltheater löse besonders bei den Kitakindern eine ganz eigene Faszination aus. Stiefmeier klappt die Flügeltüren auf. Es erscheint ein Stapel von Bildern, die nacheinander aus dem Rahmen gezogen werden. Im zweiwöchigen Turnus lauschen die kleinen Zuhörer und Zuschauer dem zugrunde liegenden Bilderbuchtext, ihre Aufmerksamkeit wird so auf den bildlichen Kern der Worte gelenkt. „Das ist wie Fernsehen - nur ohne Strom“, kommentiert ein junger Gast.

„Dies sind derzeit ganz begehrte Kinderbücher“, zeigt Stiefmeier auf eine Kiste. Das besondere daran: Man beginnt von hinten zu lesen, denn die Schrift ist arabisch. Angestoßen hatte die Aktion das Goethe-Institut. Die Dorn-Assenheimer beteiligten sich, um syrische Flüchtlingskinder vor Ort mit heimatsprachlichem Lesestoff zu versorgen. Dies diene der Sprachkompetenz, den Kindern solle zu Hause vorgelesen werden. Deshalb werde das Angebot auch demnächst dem Runden Tisch in Reichelheim vorgestellt.

Leseförderung sollte, so Stiefmeier, ohnehin lange vor der Schule beginnen. Dabei stehen zwei weitere Projekte im Fokus. So beteiligt sich die Bücherei am frühkindlichen Förderprogramm "Lesestart“. Auf den Tischen lagen knallig gelbe Taschen, darinnen ein Leseset mit altersgerechten Bilderbüchern und Leseempfehlungen. „So können Eltern mit ihren Kids gemeinsam in die Welt der Bücher und Geschichten eintauchen“, wirbt das Büchereiteam ebenso wie für den Biblioteksführerschein. Denn auch die Aktion „Bibfit“ soll Lust aufs Schmökern machen, hier wird den Kleinen die kostenlose Ausleihe nahe gebracht.

Stiefmeier konzentriert sich daneben auf Buchbestellungen, deren Katalogisierung und hält Kontakt zu Verlagen. Eine gut ausgestattete Bücherei ist in Zeiten knapper Kassen keine Selbstverständlichkeit, weiß das Team, das Werben neuer Leser ist daher ein absolutes Muss. Denn das Finanzierungsmodell über den kirchlichen Borromäusverein basiert auf einem einfachen Prinzip: Je höher die Anzahl der Ausleihen oder Buchbestellungen, desto mehr Bonuspunkte und damit Mittel für Neuanschaffungen.

„Lesekompetenz im Kitaalter ist heute wichtiger denn je“, lobte Stadtrat Horst Wagner besonders das Netzwerk mit den Kitas im Stadtgebiet. Und dies basiere zu 100 Prozent auf ehrenamtlichem Engagement. „Viele Kunden sehen nur die Ausleihe, aber nicht die Arbeit davor und danach“, danke er dem 15-köpfigen Damenteam,deshalb unterstütze der Magistrat diese einzige Einrichtung im Stadtgebiet auch finanziell.

Die Bücherei startete 1958 mit 180 Exemplaren, heute finden sich über 3500 unterschiedliche Medien in den neu gestalteten Regalen. Neben Literatur für jung und alt sind auch CDs, DVDs und Spiele im Angebot. Für Stiefmeier und ihr Team wird es allerdings langsam eng: „Wir haben schon überlegt, uns auszuweiten. Denn eine Bücherei sollte auch eine Stätte der Kommunikation und Begegnung und nicht nur ein Raum zur Ausleihe sein.“

Foto: Das Team der katholischen Bücherei mit Stadtrat Horst Wagner, Leiterin Andrea Stiefmeier zeigt das neue Erzähltheater Kamishibai