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Pfarrei - SK vom 7.11.2014

Die Magie der 70er Jahre wiederentdeckt

Buchausstellung auf musikalischer Zeitreise: Rotraut Mielke liest aus dem Roman Rentner-Disco

Reichelheim – Dorn-Assenheim (hh.) Bei einem Klassentreffen vierzig Jahre nach dem Abitur kommt von der zweifachen Oma Monika der Satz: „Ich hab noch nicht genug getanzt in meinem Leben.“ Altrocker Schorsch organisiert daraufhin in einem leer stehenden Gebäude eine Discoparty, die schnell zum regelmäßigen Treffpunkt tanzbegeisterter Senioren avanciert. „Wer sagt denn, das man ab einem bestimmten Alter keinen Spaß mehr haben darf?“ fragt Rotraut Mielke die über 50 Zuhörer im Pfarrheim, bevor Sie auf der Buchausstellung der katholischen Bücherei Episoden aus ihrem aktuellen Roman Rentner Disco liest.

„Ich war in Sachsenhausen der große Disco-Freak, Musik spielt eine große Rolle in meinem Leben“, verrät die in Niddatal lebende Autorin die Idee zur Handlung. Im dezenten Hippie-Outfit will sie nach dem Premierenroman Rentner-WG wieder mit einigen Klischees der heutigen 60Plus-Generation aufräumen. Die einstmals bunt geblümte Make-Love-Not-War-Generation nimmt Fahrt auf und entdeckt die „Magie der 70er Jahre“. Illustriert an der Musik dieser Zeit holen sie sich ein Stück ihrer Jugend zurück.

Tanzen, das können sie sowieso besser und Türsteher braucht es nicht, man hat ja Manieren. Von I can't get no satisfaction, über Stay'in Alive bis zur Luftgitarrennummer ist alles dabei. Humorvoll trägt Mielke ihre Passagen vor. Doch nicht nur die Senioren legen eine Scheibe nach der anderen auf. Umgeben von einer blinkenden Disco-Kugel versetzt ihre Freundin Saxmal (Ute Hermann) die Besucher mit ausdrucksstarken Saxophon-Intermezzi a la Freddy Mercury, Abba oder Aquarius aus dem Musical Hair in eine nostalgisch entspannende Stimmung.

Dabei beginnt die Geschichte trostlos im Hinterzimmer bei stampfendem Techno-Beat. Die bunt zusammen gewürfelte Truppe besteht aus interessanten Charakteren: Der knallharte Unternehmer Martin und Hans, dem Hausmeister mit Minirente. Altrocker Schorsch, die tanzfreudige Monika, die unter dem Daumen ihres alkoholkranken Mannes stehende Pauline, das heimliche Liebespaar Fred und Stefan. Da geht es mal um Zündstoff zwischen Mutter und Tochter, um das Outen von Homosexualität, den Umgang mit Alkohol. Oder die Panik, wenn man feststellen muss, dass man jetzt alt ist.

Geschichten, die das Leben schreibt, darauf fokussiert sich Mielke. Jede der Personen hat so ihre Leiche im Keller, aber sie alle eint die Idee, noch einmal etwas zu erleben. Ihre Quintessenz: Auch im fortgeschrittenen Alter kann man seine Einstellungen ändern, Neues in Angriff nehmen, „aus einem braungrauen Spatz einen bunten Paradiesvogel machen“. Die Autorin vermittelt die ganze Bandbreite der Emotionen, aber auch die stillen Momente, die dem Leser ans Herz gehen. Als Presse und Polizei Wind von dem nicht genehmigten Projekt bekommen, schließt Mielke: „Das dürfen Sie jetzt selbst in Erfahrung bringen!“

Planen Sie schon ein neues Buch? fragt das Publikum neugierig. „Eines?, schmunzelt Mielke,“ ich habe mehrere Projekte in der Schublade“. Etwas aus dem Genre Phantasy und Mystik schwebt ihr vor, aber auch die Best Ager-Reihe soll fortgesetzt werden: „ Die Ideen liegen auf der Straße, soll doch niemand glauben, dass heutige Senioren nur Kinder und Enkel im Kopf haben.“

Foto: Rotraut Mielke liest aus Ihrem Roman Rentner-Disco, Saxophonistin Ute Hermann illustriert den Abend mit der Musik der 70er. Foto: hh.