Pfarrei - Stadtkurier vom 11.11.2016      

Die Leiche gab's zum Dessert!

Weihnachtsbuchausstellung: Autor Daniel Holbe liest aus denem fünften Franz-Krimi „Der Fänger“ – 70 Durant Fans im Pfarrheimvom

 Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Frankfurt A5, Autobahnraststätte Taunusblick, - Zollbeamte beschlagnahmen einen litauischen Laster. Er soll Karosserieschrott geladen haben, nur ist die Fracht ist nicht mehr vorhanden. Dafür entdeckt die Polizei einen dunklen Geheimraum hinter einer Trennwand. Das trostlose Gefängnis mit notdürftiger Sanitäreinrichtung lässt die Kriminalbeamtem vor Ort erahnen: Hier geht es um menschliche Fracht, um Handel mit Teenagern aus Osteuropa. Und der Fahrer des LKW? Ist er ein Strohmann des organisierten Verbrechens? Fragen über Fragen. In einem entfernten Waldstück taucht dann noch die grausam verstümmelte Leiche eines Mannes auf, der zwar mehrfach wegen Sexualdelikten angezeigt, doch nie verurteilt wurde. War es Selbstjustiz? Ein Puzzlespiel mit vielen Irrwegen und überraschenden Wendungen beginnt.

Daniel Holbe hat Heimspiel, bereits zum dritten Mal liest der in Dorn-Assenheim lebende Autor während der Weihnachtsbuchausstellung im Pfarrheim. Nach seinem Debut 2008 und der Premiere Nachfolger des Erfolgskriminalisten Andreas Franz vor vier Jahren stellt er seinen fünften Roman um die Frankfurter Hauptkommissarin Julia Durant vor: Der Fänger. Die Protagonistin wird wie das Publikum gleich mit einem Markenzeichen der Holbe-Durant Reihe konfrontiert: Spannende, mitreißende Abläufe gepaart mit den Abgründen menschlicher Brutalität. Denn Durant hat es mit einer Menge Störfaktoren zu tun. Es geht um Menschenhandel und Sexsklavinnen, Suizid und Erpressung spielen ebenfalls eine Rolle. Und: „Kein Krimi ohne Mord“, so Holbe, doch der „kommt erst zum Dessert“ und dann umso brutaler.

. Holbe liest locker und authentisch, man merkt, hier lebt jemand mit seinen Themen und Figuren. Zudem bindet er das Publikum mit Hintergrundwissen ein. Ein neuer Stadtteil in Frankfurt? Klar doch, dass auf dem Riedberg Stoff für ein Verbrechen ist. Eine Frau wurde vergewaltigt und hat versucht sich die Pulsadern aufzuschneiden. Dann die Szene im LKW. Sie erinnert ihn an den Erstickungstod von 71 Flüchtlingen in einem Kühlwagen auf der Balkanroute. Holbe schrieb gerade daran, als das Thema durch die Medien ging. „Schockiert von den Umständen musste ich das Buch immer wieder zur Seite legen. Diese Schicksale holten mich immer wieder ein.“ Dabei geht Holbe auch intensiv auf Recherche, pflegt Kontakte zu Polizei und Justiz, entlockt diesmal dem Zoll nützliche Details. „Wissen Sie, was man in einem LKW alles verstecken kann?, und verrät: „Rauschgift in den Achsen.“ Dubiose Verstrickungen leitender Beamter, beklemmende Geheimbünde mit uhrwerk-präzisen Kontroll- und Bestrafungsritualen erinnern zudem an Mobbingaffären in Frankfurter und Wiesbadener Polizeipräsidien.

Holbe plaudert vor 70 Zuhörern aus dem Nähkästchen, viele kennt er persönlich. Nach dem Tod von Andreas Franz erhielt er die Chance, das Erbe des großen Kriminalisten anzutreten. Dessen Ehefrau hat immer noch das letzte Wort. „Bis heute liest sie all meine Manuskripte und sagt mir ungeschminkt ihre Meinung. Das ist sehr wichtig für mich“ Am Ende gibt es viele Fragen. Wie lange schreibt man ein einem Kriminalroman? „Drei bis vier Monate“, die Antwort. Wie kann man sich in die Köpfe jener Menschen versetzen, die mit Frauen handeln? Holbe: „Selbst, wenn man große Teile der Handlung und viele Figuren erfindet, schleppt man diese Gedanken, die Handlung, doch noch eine Zeit lang wie einen Rucksack mit sich herum.“

Dem Publikum gefiels. Auch weil das Privatleben der Charaktere gut dosiert eingeflochten wird. Heuer kommt Durants Vorgesetzter Berger nicht damit klar, dass er bald in Pension geht. Und Julia Durant erhält ein Gesicht: „Stellen Sie sich einfach Ex-Tatort Star Andreas Sawatzki oder Brigitte Nielsen vor.“

Foto: Daniel Holbe liest ...

... und signiert seinen neuesten Krimi