Pfarrei - WZ vom  9.11.2016      

Fängst Du noch oder mixt Du schon?

Weihnachtsbuchausstellung: Daniel Holbe liest aus dem Fänger und Thermomix-Gerichte sind voll im Trend

 Vorwort: Da die WZ keinen separaten Holbe Artikel orderte, erscheint hier ein Bericht über die gesamte Ausstellung. Der Artikel über die Lesung wurde anderweitig veröffentlicht und findet sich hier.

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Frankfurt A5, Autobahnraststätte Taunusblick, Zollbeamte beschlagnahmen einen litauischen Laster. Er soll Karosserieschrott geladen haben, nur ist die Fracht ist nicht mehr vorhanden. Dafür entdeckt die Polizei einen dunklen Geheimraum hinter einer Trennwand. Das trostlose Gefängnis mit notdürftiger Sanitäreinrichtung lässt die Kriminalbeamtem vor Ort erahnen: Hier geht es um menschliche Fracht, letztendlich sind es Sexsklavinnen aus Osteuropa. Und der Fahrer des LKW? Ist er ein Strohmann des organisierten Verbrechens? Fragen über Fragen. In einem entfernten Waldstück taucht dann noch eine grausam verstümmelte Leiche auf. War es Selbstjustiz?

Ein Puzzlespiel mit vielen Irrwegen und überraschenden Wendungen beginnt im Pfarrheim. Autor Daniel Holbe hat Heimspiel, bereits zum dritten Mal liest er auf der Weihnachtsbuchausstellung der Pfarrei. Der Fänger ist sein fünfter Roman um die Frankfurter Hauptkommissarin Julia Durant. Holbe liest locker, man merkt, hier lebt jemand mit seinen Themen und Figuren. Zudem bindet er das Publikum mit Hintergrundwissen ein. Ein neuer Stadtteil in Frankfurt? Klar doch, dass auf dem Riedberg Stoff für ein Verbrechen ist. Eine Frau wurde vergewaltigt und hat versucht sich die Pulsadern aufzuschneiden. Dann die Szene im LKW. Sie erinnert ihn an den Erstickungstod von 71 Flüchtlingen in einem Kühlwagen auf der Balkanroute. Holbe schrieb gerade daran, als das Thema durch die Medien ging. „Schockiert von den Umständen musste ich das Buch immer wieder zur Seite legen.“

Holbe plaudert vor 70 Zuhörern aus dem Nähkästchen. Dass er die Serie in der Tradition von Andreas Franz weiter führte ist offensichtlich, dessen Ehefrau hat noch heute das letzte Wort: „Sie liest all meine Manuskripte und sagt mir ungeschminkt die Meinung.“ Am Ende gibt es viele Fragen. Wie lange schreibt man an einem Kriminalroman? „Drei bis vier Monate“, die Antwort. Wie kann man sich in die Köpfe von Menschenhändlern und Zwangsprostitution versetzen? Holbe: „Selbst, wenn man große Teile der Handlung und viele Figuren erfindet, schleppt man diese Gedanken noch eine Zeit lang wie einen Rucksack mit sich herum.“ Und letztendlich erhält Julia Durant ein Gesicht: „Stellen Sie sich einfach Tatort Star Andreas Sawatzki oder Brigitte Nielsen vor.“

Dabei zeigte die Buchausstellung abseits von Krimis und aktuellen Beststellern einen ganz anderen Trend. „Der Thermomix ist in aller Munde“, verrät Büchereileiterin Andrea Stiefmeier. Damit das Gerät auch optimal zum Kneten, Mixen und Kochen genutzt werden kann, „werden die Menüs als Kochbuch oder Kalender geordert“ Sie lacht: „Offensichtlich mixt es sich neben einem Buch besser als bei Chip und Laptop.“ Gesundheitsbewusst geht es auch bei den Ackerhelden zu, wie die neuen Biogärtner charmant genannt werden. Bleibt abzuwarten, ob in den heimischen Gärten demnächst vermehrt Gemüse, Obst und Beeren gesät und geerntet werden.

Und die Kinder ? Sie lieben fiktive Welten. Die Jungs mögen Starwars, bauen die fiesen Bösewichter der Galaxien mit Legosteinen nach, während die Mädchen sich von den Mythen der Ninjas inspirieren lassen. Groß war auch das Rahmenprogramm für die Kleinen. Star der Knirpse war diesmal die Heule-Eule beim Bilderbuchkino mit Andrea Stiefmeier, zudem wurden Eulen, Sterne oder kleine Krippen gebastelt. Tatjana Balser stieß einmal mehr das Tor zur Erlebniswelt zwischen Buch und Musik mit viel Witz und tollen Bildern weit auf.

Und dass am Sonntagabend auch das Tagebuch der im Jahr 2000 Heilig gesprochenen polnischen Ordensschwester Faustina auf so manchem Bestellzettel stand, hat einen aktuellen Hintergrund: Zwei Nonnen des Ordens werden demnächst in der Pfarrei Ihren Dienst tun.

Fotos: Daniel Holbe signiert seinen neuesten Krimi, die Kleinen hingegen lauschen Büchereileiterin Andrea Stiefmeier beim Bilderbuchkino. / Foto hh.