KZV - WZ vom 22.9.2015   

Können, Geduld und ein guter Riecher

Meister: Große Auszeichnung für Ehrhard Waas vom Verband Deutscher Rassetaubenzüchter – Qualitätsstandards bei Hessenkröpfern gesetzt

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) „Danach kommt eigentlich nur noch der Nobelpreis“ scherzt Erhard Waas und zeigt stolz seine Urkunde. Kürzlich wurde er vom Bundesverband VDT zum Meister der Deutschen Rassetaubenzucht ernannt, der höchsten Auszeichnung, die einem Taubenzüchter zuteil werden kann. Für Waas war die Freude gleicht doppelt, fand der Festabend doch in der Bundeshauptstadt und zudem noch während einer abendlichen Schiffsfahrt auf der Spree statt. „Berlin war eine Reise Wert“, schwärmt der 75-jährige von dem für ihn außergewöhnlichen Ereignis.

„Meister wird man nur durch Leistung“, lobte ihn VDT-Vorsitzender Harald Köhnemann und Ausstellungserfolge verzeichnete der Geehrte in den vergangenen Jahrzehnten zuhauf. Früher auf vielen Kreis- und Lokalschauen präsent, konzentriert sich Waas heute auf wenige Großereignisse. Und seine Tiere sind immer ganz vorne mit dabei. Wie viele Prädikate, Preise und Titel dabei vergeben wurden, er hat sie nicht gezählt. Ob als mehrmaliger Bundessieger auf der nationalen Taubenschau in Dortmund, Deutscher Meister auf Groß- und Hauptsonderschauen oder die mitlerweile sieben Titel seit Einführung der Championate in 2002: Sie sind das Spiegelbild einer mit Erfolgen gespickten züchterischen Gesamtleistung, die mit dem nationalen Siegerband 2013 einen vorläufigen Höhepunkt fand. Auch in der Region ist der Hobbyzüchter eine feste Größe, 20 Landratsehrungen sprechen für sich.

Waas ist seit 1972 bei den Hessenkröpfern und prägte deren Zucht in vielerlei Hinsicht. Können, Geduld und vor allem ein guter Riecher zeichnen ihn aus, so hat er über Jahre viele Qualitätsstandards in Konstitution, Blaswerk oder Farbenschlag der Tiere mitdefiniert. Blau mit binden, Blau ohne Binden oder Blau gehämmert sind seine Zuchtrassen, wobei die Begriffe die Zeichnungen auf den Flügeldecken der Tiere beschreiben. Sei es in der Beurteilung von Kropftauben als Sonder-Preisrichter im gesamten Bundesgebiet oder in der Verbandsarbeit - sein Fachwissen ist noch immer gefragt. Im Vorstand des Sondervereins war er zwanzig Jahre lang 2. Vorsitzender, danach Beisitzer. Nach der Wende engagierte sich Waas in Ostdeutschland, stellte den dortigen Verbänden Jungpaare zum Aufbau einer eigenen Zucht zur Verfügung.

Die imposanten Tauben mit ihrem markanten Blaswerk hatte der Dorn-Assenheimer übrigens zum ersten Mal im elterlichen Hof gesehen, war bereits als Kind von den schönen Tieren begeistert. Sechzehn Jungtiere gurren derzeit in seinem Schlag, denn Waas konzentriert sich auf eine Rasse, überlegt gezielt, welche Tauben am besten verpaart werden können. Knapp drei Wochen nach der Anpaarung im April sind die ersten Jungen geschlüpft und nach einem halben Jahr bereit für die nächste Ausstellungssaison.

Noch sind seine Tiere in der Mauser, doch in zwei Monaten geht Waas mit seinen Tauben wieder auf Tour, unter anderem zur Hauptsonderschau der Hessenkröpfer nach Bayreuth. Zur Bezirksschau hingegen hat er es nicht weit. Diese findet im November für ihn quasi um die Ecke in der heimischen Sport- und Festhalle statt.

 

Foto: Erhard Waas ist bei Hessenkröpfern zu Hause, jetzt hat ihn der Bundesverband zum Meister ernannt.

Ein Champion von morgen? Die „Blau ohne Binden“ gehört zu den Lieblingstieren des Züchters

Fotos: hh.