Kirchenkonzert - WZ vom 23.2.2017   

Klassisches mit Charme und Können serviert

Trude Schmitz-Folkmanis lädt Künstler zum Kirchenkonzert nach St. Maria Magdalena

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) „Ein eindrucksvolles Konzert, bei dem die Stimmen so richtig zur Geltung kamen“, zeigte sich ein Besucher mit Blick auf die kompakte Akustik in St. Maria Magdalena begeistert. Ihm ging es wie den Besuchern, die der Einladung von Trude Schmitz-Folkmanis gefolgt waren, um mit befreundeten Künstlern einen Blick in das Repertoire diverser Musikepochen zu werfen. Mit einer bestechend klaren Artikulation und präzisen Darbietungen erklangen Stilelemente vom Barock Händels bis zu moderner Literatur. Nun mag man dies von etablierten Solisten wie Heike von Blanckenburg oder Keith Ikaia-Purdy, die auf vielen Bühnen zu Hause sind erwarten. Doch auch die heimischen Vereine Concordia und Harmonie unterstrichen, dass sie den Profis in nichts nachstehen. Hinzu gesellte sich Schmitz-Folkmanis. Die ehemalige Opernsängerin setzte neben einem Gospelhymnus mit der Ballade The Rose romantische Akzente.

Es gab vieles an diesem Nachmittag, für das sich das Publikum begeisterte. Dabei zeigten die gemeinsamen Aufritte das harmonische Miteinander von Gesang und Instrumenten. Mit viel Charme und sinnlichem Timbre modellierte Sopranistin Heike von Blanckenburg zunächst die „Süßen Blumen Ambraflocken". Dabei wurde sie wie bei der Vertonung eines Psalms von Mendelssohn-Bartholdi von Annette Svat auf der Geige unterstützt. Wie durch ein unsichtbares Band aufeinander abgestimmt agierte später auch Rita Bayer im Sopran beim Agnus Dei aus Mozarts Krönungsmesse mit dem Orgelpart von Monika Müller. Mit Dr. Georg Hilfrich und Dr. Robert Paul hatten die Interpreten zudem am Piano zwei souveräne Begleiter, die virtuos die einzelnen Beiträge untermalten.

Nun war die Concordia an der Reihe. Die Sänger arbeiteten mit Dirigent Tobias Lipka die Dynamik ihrer Stücke präzise heraus. Einsam ist der Weg hieß das rhythmische Spiel zwischen Chor und Solo-Trompeter Andreas Schmidt. Als Kontrast hierzu erklang das chilenische Wiegenlied Senora Dona Maria geradezu hingebungsvoll und doch zuversichtlich. Auf Pauken und Trompeten wie bei Händels Feuerwerksmusik setzte die Harmonie mit Sascha Mistetzki. Als fröhliche Militärmusik gedacht ist der vierte Satz durchzogen von Trompetensignalen und Reitermarschmelodien. Die Musiker imitierten schönste orchestrale Barockklänge, wobei die einzelnen Register erfrischend zur Geltung kamen.

Klassische Musik vortragen und dabei gute Laune ausstrahlen, das kann Keith Ikaia-Purdy. Vielleicht hängt es an seiner hawaiianischen Herkunft, denn der auf allen internationalen Opernbühnen beheimatete Tenor überzeugte nicht nur stimmgewaltig, sondern auch mit enormem Ausdrucksvermögen. Entweder als Solist bei einer Ave Maria-Variante aus der Oper Cavalleria Rusticana oder im Duett mit Bariton Alex Winn bei Cruzifix, einer Melodie mit viel mystischem Flair.

Danach ging es Schlag auf Schlag, und dies englischsprachig. Man merkte: Die Künstler lassen sich von unterschiedlichen Genres inspirieren und zeigten ein Gespür für dynamische Gegensätze. Zunächst ein lyrischer Choral von Alex Winn, später machte Rita Bayer mit der Gänsehaut erzeugenden Ballade I dreamed a dream aus dem Musical Les Miserables Furore. Und wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Schmitz-Folkmanis und ihr Ensemble den Nerv des Publikums getroffen hatten, dann war es das Finale: Fröhlich und beswingt verabschiedeten sich die Interpreten mit dem Eurovision Song Contest Klassiker Halleluja.

Fotos:  


Heike von Blanckenburg und Annette Svat bei Panis Angelica in einer Vertonung von Cesar Franck  --  Spielt in der ersten Liga der Tenöre: Keith Ikaia-Purdy