Concordia - WZ vom 23.07.2014

„Kein Ende in Sicht und das ist auch gut so“

Concordia feiert 150-jähriges Jubiläum mit Kommersabend – Vereinsarbeit breit aufgestellt – Kurzweilige Unterhaltungsrevue

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) „150 Jahre, das muss man erst mal bringen,“ freute sich Günther Herzberger vom Deutschen Sängerbund am Kommersabend des Gesangvereins Concordia. Im Gepäck hatte er die Ehrenurkunde des deutschen Chorverbandes als Anerkennung für das kulturelle Engagement des 1964 gegründeten Vereins. Zur Vorsitzenden Ilona Böhm gewandt resümierte er: „Gesangvereine sind fester Bestandteil des Gemeinwesens, wir sind die kreativen Kräfte.“ Es sollte nicht die einzige Auszeichnung sein. Schriftlichen Dank gab es vom Wissenschaftsminister aus Wiesbaden, nützliches hatte Herzberger vom heimischen Sängerbund mitgebracht: Er schenkte Böhm einen Chorsatz-Gutschein.

Mit „Klängen der Freude“ startete die Concordia unter Dirigent Tobias Lipka festlich in eine kurzweilige Unterhaltungsrevue. Doch ob jung oder alt, klassich oder modern - die Sänger mußten hierzu keine Gaststars verpflichten, druckten ihre Visitenkarte quasi selbst. Das Programm war Eigenproduktion pur und zeigte eindrucksvoll, wie breit der doch kleine Verein mittlerweile mit Stamm- und Kinderchor, seinen Solisten und der Jugendgruppe B.o.B. aufgestellt ist. Selbst die Festdamen waren in der einen oder anderen Gesangsformationen zu finden.

Dennoch zog sich die Frage nach der Zukunft des Chorgesangs wie ein roter Faden durch die Beiträge der Festredner. Bürgermeister Bertin Bischofsberger: „Die Angebote haben stärker zugenommen als die Freizeit selbst, der Trend geht weg von der Freizeit mit Pflichtterminen hin zum ungebundenen und spontanen.“ Doch der Rathausschef machte auch Mut, sieht Anzeichen für einen Meinungswandel: „Immer mehr Menschen wird der Unterschied zwischen Musik aus der Retorte und live erlebter Musik bewußt. Sein Fazit: „Noch ist kein Ende des vor 150 Jahren gemachten Anfags in Sicht und das ist auch gut so.“ Und Stadtverordnetenvorsteher Holger Strebert konstatierte: „Es sind einige junge Sänger dabei, das finde ich lobenswert.“

Moderator Axel Finkeldey stellte zunächst Peter McMillan vor. Mit seiner gefühlvollen Tenorstimme und Melodienauswahl zog der Neu-Concordianer die Zuhörer in seinen Bann. McMillan, der eine klassische Gesangsausbildung absolvierte, brillierte mit dem populären Madrigal Amarilli mia bella von Antonio Caldera. Unter Klavierbegleitung folgte mit dem Rudolf-Schock-Klassiker "Ach ich hab in meinem Herzen“ ein lupenreines Opernarrangement.

Sind das Jogi Löws Nachwuchskicker, dachte so mancher, als der Kinderchor im Deutschland-Dress auf die Bühne stürmte. Yvonne Adelmann verstand es, die kleinen Sänger zu begeistern, ihre aufmunternde Weltreise fand viel Applaus. Ob mit Buschtrommel im Kongoboot, einer ohrwurmverdächtigen Känguru-Safari oder dem „Ich mag den Sommer“-Bekenntnis, selbst die Soloparts sangen Aliyah Reichenbächer und Celia Lesczenski aus dem „Effeff“. Poppig und einfühlsam trug die Jugendgruppe B.o.B. das lyrische Someone like me vor. Das Septett zeigte sich stimmlich und instrumental prima aufeinander eingespielt, ein Konzertbesucher riet gar zur Namensänderung: B.o.C. – Best of Concordia.

„Ihr habt das hammer-, hammer-gut gemacht“ schwärmten auch Patricia Lesczenski und Daniela Reichenbächer vom ihren Festdamen. Diese wirbelten zunächst zu Songs von Helene Fischer über die Bühne. Allerdings nicht „Atemlos“, wie der Titelsong vermuten ließ. Die neun jungen Damen setzten gleich noch einen fetzigen Rock drauf und versprühten später lockeren Beachparty-Charme.

Bares hatten die Gratulanten Mitgebracht. „Die Concordia hat eine Zukunft, wenn sie den Mut hat, Neues umzusetzen, ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen“, ergründete CDU-Stadtverbandsvorsitzender Holger Hachenburger den Spagat zwischen Moderne und Tradition. Grünen-Sprecher Martin Welti („Singen, das ist gelebte Gemeinschaft.“) und Helmut Weitz für die Ortsvereine („Einzeln sind wir Töne, zusammen gibt’s ein Lied“) folgten.

Ebenso originell wie gekonnt zusammengestellt: Ein Zusammenschnitt vom Mundartabend im Januar und die Filmrevue mit den Höhepunkten der vergangenen 60 Jahre. Ehrenmitglied Heinz Würz machte sein Hobby zur Leidenschaft und begleitet seit Super-8 Schmalfilmzeiten die Concordia bei Ausflügen, Auftritten und Jubiläen. Jürgen Röse packe das ganze in eine vergnügliche Fassung und ließ den Kommers mit schönen Erinnerungen ausklingen. Und bevor die Uffspill-Kapell für Stimmung sorgte, machte Böhm noch Werbung in eigener Sache: „Ich sehe hier viele, die bei uns mitsingen können. Mittwochs haben wir Singstunde.“

Große Auszeichnung: Concordia-Vorsitzende Ilona Böhm nimmt von Günther Herzberger, Vorstandsmitglied im Deutschen Sängerbund die Ehrenurkunde entgegen.

Soli auf hohem Niveau: Umrahmt von der Concordia begeistern Antonia Finkeldey und Peter McMillan mit „Good Night“

Der Jugendchor B.o.B. mit Annalena Finkeldey (Klavier), Clara Bommersheim, Michelle Faulstich, Davina Münch, Madlin Böhm, Antonia Finkeldey und Maren Guckelsberger

Fotos: hh.