Pfarrei - WZ vom 17.6.2015   

„Das ganze Auto wird nach Gehör gefahren“

Oldtimerschau des GTLF Fan-Clubs mit vielen Raritäten – Friedel Liedke stellt Motorräder vor

Reichelsheim- Dorn-Assenheim (hh.) Norbert Schneider hat keine Mühe, den perfekt restaurierten Ford T zu starten. Den Gashebel rechts am Lenkrad etwas verschieben, den Zündversteller ebenso, dann die Kurbel unterhalb des Kühlers zwei-, dreimal kräftig drehen. Tack-tack-tack und schon schnurrt der 16 PS Vierzylindermotor zufrieden vor sich hin. Bereits über 100 Jahre hat der Oldtimer aus dem Jahr 1909 auf den Achsen. „Das ganze Auto wird nach Gehör gefahren“, verrät der Dorheimer, der die Ausfahrt schon mal mit einem dieselgetrieben U-Boot vergleicht: „Das wackelt und rappelt, da müssen sie gucken, das sie nicht irgendwas verlieren.“

Der blau lackierte Blickfang mit dem goldenen Messingkühler wurde noch in Handarbeit gebaut, im Gegensatz zu den späteren Modellen aus der Fließbandproduktion. GTLF Vorsitzender Klaus Dönges eröffnete die Zeitreise in die frühen Tage des Automobils und konnte wieder einige rollende Schätze aus den Sparten, Kfz, Motorräder, Traktoren und Löschgerat präsentieren. Viele Fabrikate sind längst vom Markt verschwunden, doch sie alle pufften, zischten und ratterten nur so um die Wette.

„Die Standard Werke haben bereits in den 20er Jahren zeitgemäße Motorräder gebaut“, zeigt Dieter Kunze auf seine 1927 gebaute AT500. Die Maschine befindet sich im Originalzustand wie auch seine Schüttoff und Triumph-Modelle. Friedel Liedke garnierte die Ausstellung wieder mit technischen Details. An seinem neuesten Schmuckstück, einer 600er Horex von 1937 hat er 5 Jahre geschraubt. Mit der Spürnase eines Sherlock Holmes suchte er nach Fertigungsteilen, beschaffte Felgen, baute den Tank nach. Seine Raritäten wie die 1935er Ardi, eine DKW Zweitakter mit hochgezogenem Auspuff oder ein BMW-Seitenwagen bereicherten einmal mehr die Ausstellung.

In jeder Ecke gab es etwas zu entdecken, auch chromblitzende PS-Dinos stießen auf Neugier. „Was waren das Zeiten, als noch zählte, was unter der Haube steckt “, schweift der Blick der Passanten auf den Ford Capri von Frank Thurau. Der fertigte eine einzigartige Kombination von Motor und Karosserie, ganze 180 PS machen nun eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h möglich. „Das ist eine Turbo May Aufladung, da wird der Vergaser mit Turboluft beatmet“, erläutert Thurau, der einst zu seinem Sohn beim Anlassen eines schrottreifen Capri sagte: „Der lebt noch, den müssen wir jetzt restaurieren.“

Nebenan rattern neben schicken Opel und Mercedes-Modellen die bekanntesten Mini-Zweitakter aus Ost und West um die Wette: Mehrere Trabant und ein Goggomobil Coupe mit gerade mal 13 PS. Die bunten Flitzer sind ebenso tiptop in Schuss wie gegenüber die blitzenden Feuerwehrautos. Jürgen Büttner aus Pohl Göns zeigt auf ein TLF15 von 1948. „Der ist jahrelang dahinvegetiert, aus dem Motor wuchs sogar ein Baum heraus.“ Danach wurde restauriert, abgeschliffen, lackiert. „Heute werden diese Fahrzeuge gehegt und gepflegt“ ergänzt Wolfgang Bergens. Sein Tanklöscholdie TLF16 diente einst als Wasserreserve auf der Autobahn. Der Butzbacher „Der ist noch voll funktionsfähig, wir fahren nur kein Wasser mehr spazieren.“

 

Blau glänzender Lack, hellbraun schimmernde Speichen, goldener Messingkühler: Der Ford T von 1909

Tüftler, Sammler und Motorradliebhaber: Friedel Liedke zeigt seine frisch restaurierte 600er Horex / Fotos hh.