GTLF - WZ vom 6.8.2014

Kann man einfach mit einem Schraubenzieher knacken

Oldtimerfest des GTLF-Fan Clubs mit vielen historischen Fahrzeugen

Reichelsheim- Dorn-Assenheim (hh.) „Ein Leben ohne Unimog ist möglich, aber sinnlos“, scherzt Toni Tschuschke vor einem seiner Exemplare. Gleich vier Stück hat er in einer Weckesheimer Scheune geparkt, einen davon und zwei weitere VW-Käfer bringt er mit zum Oldtimerfest in den Nachbarstadtteil. „Das ist einfach Kult“, beschreibt er eine Leidenschaft, die ihn bis heute nicht verlassen hat: Fahrzeuge erwerben, auseinandernehmen und selbst restaurieren. Dieter Arabin hat andere Gründe: „Als 6-jähriger sagte der Arzt zu meinen Eltern, der Junge braucht frische Luft.“ Der Vater setzte ihn auf seinen Motorradtank „und dann sind wir losgefahren.“ Seitdem sammelt er die zweirädrigen Maschinen.

Die Anekdoten der Aussteller füllen ganze Bücher und immer ist viel Nostalgie im Spiel, denn so manche Marke ist längst vom Markt verschwunden. Zigtausende Jahre von Automobil-, Motorrad- Traktoren- und Feuerwehrgeschichte konnte GTLF Vorsitzender Klaus Dönges präsentieren und sein Resümee übertraf die Erwartungen: „Nach fünf Jahren Pause mussten wir uns wieder neu positionieren, um Besucher und Aussteller werben.“ Zumindest der Absatz von Speisen und Getränken waren rekordverdächtig, freut er sich mit Blick auf Thekenmannschaft und Küchenchef Martin Habram.

„Was hier steht, das ist die Motorradgeschichte der 20er und 30er Jahre“, blickt Friedel Liedtke stolz auf die 4-Takter-Schüttoff von Dieter Kunze. Die Maschine, Baujahr 1927 befindet sich im Originalzustand wie auch die aus seiner Sammlung beigesteuerten Räder. Sein Lieblingsgefährt, eine rote Standard Rex nennt er die schönste Maschine der Wetterau. Dazwischen steht eine Ardi von 1930, Liedtke erklärt die Funktion der Königswelle. Der Tüftler garniert die Ausstellung mit technischen Details, denn wenn es um historische Motorräder geht ist er der Experte zwischen all den Doppel- und Einsitzern der Marken Kreidler, KWS, DKW, BMW oder NSU.

In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, doch der Renner ist eine Halbketten-Zugmaschine, die Anfang der 40er Jahre im Kriegseinsatz die Nachschubversorgung unterstützte. Das Fahrzeug erreicht eine Geschwindigkeit von immerhin 70 km, was die Besucher zu einigen Spritztouren entlang des Sportplatzes nutzen. Auch die chromblitzenden PS Dinos stießen auf Neugier. „Was waren das Zeiten, als noch keine Klimadebatte gab und wo zählte, was unter der Haube steckt “, wirft ein Passant den Blick auf den Ford Capri von Frank Thurau. In der Kombination mit Motor und Karosserie ist der Wagen einzigartig. Ganze 180 PS machen eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h möglich. Der Grund: „Das ist kein Tuning, sondern eine Turbo May Aufladung.“

Gegenüber finden sich auch einige Nobelkarossen aus den 30ern wie eine MG Cabriolet oder schicke Opel und Mercedes Modelle. Und als eine waschechte „Knutschkugeln“ der Marke BMW Isetta einfährt applaudiert sogar das Publikum. Tiptop in Schuss ist der bunte 26 PS-Flitzer wie auch das benachbarte Glas Goggomobil Coupe mit gerade mal 13 PS, aber stolzen 3900 DM Neupreis im Jahr 1967.

Blickfang und Faszination zugleich waren die Feuerwehrautos. „Das ist so stabil, da kann man drauf rumtanzen“, klopft Dönges auf das vereinseigene Großtanklöschfahrzeug. Denn wer einen Oldtimer auf Vordermann bringt, achtet auf nachhaltige Qualität. Wie auch Benny Strebert, der einen LF8-Typ der ostdeutschen VEB Robur-Werke Zittau mitbringt. „Das war ein Glücktreffer auf E-Bay“, erzählt der Weckesheimer Feuerwehrmann. Mit dem Fahrzeug hat er großes vor: „Das wird original bestückt, kann im Notfall Wasser aus dem Keller pumpen“ und lacht „oder mit Wasserwerfer am See eine Fontaine spritzen.“

Rot, grün, blau – Traktormarken erkennt der geschulte Blick an der Herstellerfarbe und viele bleiben beim massiv gebauten Hürlimann oder gewienerten Zettelmayer statt. Der 9-jährige Christian Ewald weiß: „Der fährt mit einem Deutz-Motor, die haben keine eigenen.“ Er selbst sitz auf einem ebensolchen und verrät: „Den Schlüssel hat mein Vater konfisziert.“, worauf sein etwa gleichaltriger Freund ergänzt: „Kann man aber einfach mit einem Schraubenzieher knacken.“

Fotos:

Spritztour mit deiner Halbketten-Zugmaschine: Bürgermeister Bertin Bischofsberger genießt die Fahrt

Dieter Kunze (l.) und Friedel Liedtke erklären den Besuchern Motorräder aus den 20er und 30er Jahren

Knutschkugel aus Friedberg trifft Großtanklöschfahrzeug aus Dorn-Assenheim

Fotos: hh.

Fotos: folgen