Freiwillige Feuerwehr - WZ vom 11.03.2015   

Gelungener Generationenwechsel bei der Wehr

Bürgermeister Bischofsberger stellt Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Einsatzabteilungen – Alters- und Ehrenabteilung geplant

Reichelsheim-Dorn-Assenheim (hh.) „Ein System mit sechs Stadtteilwehren, wie wir es in Reichelsheim haben, wird über kurz oder lang nicht mehr finanzierbar sein“ stimmte Bürgermeister Bertin Bischofsberger die Hauptversammlung der Feuerwehr auf einen Paradigmenwechsel ein. Einerseits erforderten neue Vorschriften über die Ausstattung von Feuerwehrhäusern massive Investitionen, zudem seien aufwändige Sanierungsmaßnahmen zu stemmen und auch der Fuhrpark sei veraltet. Alle Fahrzeuge müssten nach und nach ersetzt werden. Sein Fazit mündete in ein Plädoyer gegen ein „manchmal anzutreffendes Kirchturmdenken“: „Nur wenn wir alle an einem Strang ziehen, ist bei abnehmenden Einsatzkräften auch künftig eine schlagkräftige Wehr gewährleist.“

Der Rathauschef lobte den gelungen Generationswechsel, Wehrführer Nicklas Pipperek habe vielen neuen Impulse gegeben. Dieser bilanzierte sieben Alarme für die 36-köpfige Einsatzabteilung und erinnerte an das Brandszenario während der Stadtgemeinschaftsübung, wo Wasserversorgung und Atemschutz koordiniert wurden und die Leistungsübung in Dorn-Assenheim. „Wir haben einen hohen Ausbildungsstand“, freute sich Pipperek, dies schlage sich in einer besseren Übungsbeteiligung und Beförderungen nieder.

Dabei avancierten Peter Sturm und Felix Mittig zu Feuerwehrmännern, Lars Kempf und Carlos Becker zu Oberfeuerwehrmännern und er selbst zum Oberlöschmeister. In Gegenwart von Stadtbrandinspektor Michael Paulencu zollte er Clemens Winkler ein Sonderlob für die Brandschutzaufklärung in Kindertagesstätte und Grundschule und stelle für 2015 die Gründung einer Alters- und Ehrenabteilung in Aussicht. Paulencu zeigte sich zufrieden über den in Eigenregie eingebauten Digitalfunk und informierte über die Unwetter-TEL (Technische Einsatzleitung Unwetter).

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, fasste Vereinsvorsitzender Marcus Jung das Erfolgsmodell bei Planung und Organisation eigener Veranstaltungen zusammen. Er sprach von „Super-Festen“ wie dem Vaddertag mit seinem immer vielfältigeren Angebot für die Kleinen und dem „Publikumsmagnet“ Oktoberfest. Für die „etwas in die Jahre gekommen Kirmes“ stellte er ein neues Konzept inklusive Zelt und einem Familientag am Kerbsonntag in Aussicht.

Einer lebendigen Truppe steht Jugendwart Marcel Kuhl vor. Schwerpunkte der sich auf 166 Stunden summierten Aktivitäten waren neben der Gemeinschaftsübung der Stadtjugendwehren die Stadtmeisterschaft und eine 24-Stunden Übung. Auch ein Eishockeyspiel beim EC Bad Nauheim sorgte für gute Laune. Die Nachwuchswerbung werde auch 2015 im Fokus stehen, ein Aktionstag in Reichelheim ist bereits fest eingeplant. Kritik äußerte er am Kultusministerium: Die zunehmende Nachmittagsbetreuung in den Schulen mache den Jugendfeuerwehren das Leben schwer.

Foto: Stadtbrandinspektor Michael Paulencu (l.) befördert Lars Kempf,Carlos Becker, Peter Sturm, Felix Mittig und Nicklas Pipperek 4.-9. Von links, neu in der Einsatzabteilung ist Joshua Scoggins (2.v.l.). Jugendwart Marcel Kuhl, 2. Wehrführer Christian Gäck und Vereinschef Marcus Jung (r.) gratulieren mit. Foto: hh.