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CDU - Verasntaltung zum Bergwerksee -  WZ vom 1. September 2012

 

 


Vertrackte Situation rund um den Bergwerksee  (Quelle WZ-Online 01.09.2012 / von Ines Dauernheim)

Reichelsheim (kai). Der Bergwerksee in Reichelsheim erhitzt die Gemüter. Was soll aus dem Areal werden, das der Stadt seit 35 Jahren gehört? Mehr Freizeit oder mehr Natur? Für Donnerstagabend hatte die CDU zu einer Podiumsdiskussion geladen. Auch zwei Betreiber anderer Seen waren gekommen, um ihr Konzept vorzustellen.

Mit der Ruhe um den Bergwerksee ist es vorbei. Ist’s warm, tummeln sich die Badegäste. Ist’s windig, ist er ein Mekka für Wassersportler. Parkplätze gibt es keine. Rund ums 70-Hektar-Areal stehen in den Feldwegen entlang der Straßen jede Menge Autos – das erzürnt die Anwohner. Obendrein ist jegliche Nutzung der Wasseroberfläche verboten – das ignorieren die Freizeitsportler. Müllberge sammeln sich, Vandalismus zieht ein.

Seit vier Jahren gehört das ehemalige Tagebaurestloch der Stadt. Mehr und mehr nähert sich der See seiner berechneten Größe von 30 Hektar. In fünf bis acht Jahren ist die Bergbauhinterlassenschaft, in der bis 1991 Braunkohle gefördert worden war, vollgelaufen. Mehrmals haben sich die Politiker damit beschäftigt, wie der See entwickelt wird. Schon vor 25 Jahren fassten sie einen Grundsatzbeschluss: Flächen für Naturschutz und Freizeit sollen entstehen.

Seit Herbst liegen drei Nutzungskonzepte vor. Nun suchen die Politiker nach Wegen, was gewollt wird. Eine Seeinitiative hat sich gegründet. Fragebogenaktionen der SPD, besagter Bürgerinitiative und der CDU machen die Runde. »Wir möchten die Bürger einbeziehen, wenn wir eine Basis für die künftige Nutzung schaffen«, sagte CDU-Stadtverbandsvorsitzender Holger Hachenburger.

Seiner Partei gelang, was es bisher noch nicht gab: Die Union organisierte für Donnerstag in der Sport- und Festhalle eine Podiumsdiskussion. Über 100 Gäste kamen, unter ihnen Vertreter aller im Parlament vertretenen Fraktionen, der Seeinitiative, viele Anwohner, aber auch Menschen, die ihre Freizeit am und auf dem See verbringen. Zudem stellten zwei Seebetreiber ihre Seen vor.

Bürgermeister Bertin Bischofsberger erklärte die vertrackte Situation: Es gibt keinerlei Infrastruktur, kein Kanal, kein Wasser, kein Abwasser, kein Strom. Ein Bebauungsplan existiere nicht. Ehe nicht beschlossen sei, wie sich der See entwickle, mache es keinen Sinn, diesen Plan zu erstellen. Folge: Es sei bis dahin unmöglich, Parkplätze zu schaffen. Lediglich die von Vandalen zerstörten Bänke würden Dank einer Spende wieder aufgestellt. Die Polizei habe vermehrte Kontrollen versprochen. Eine Nutzung des Sees bleibe verboten. Freizeitaktivitäten müssten sich langfristig entwickeln, das könne nicht von heute auf morgen geschehen. Ehe der Bergwerksee seine endgültige Höhe hat, müsse festgelegt werden, was gewollt ist.

»Nichts tun kostet noch mehr Geld« 

Der Bergwerksee ist Teil der Wetterauer Seenplatte. Radwege, die die Gewässer verbinden, würden in Kürze ausgeschildert. »Über mehr Tourismus kann Geld generiert werden«, erklärte Bischofsberger und schob sofort nach: »Wie finanzieren wir den Freizeitbereich oder will man das überhaupt?« Er warnte: »Nichts tun kostet noch mehr Geld.« Eines funktioniere nicht: den See nur für Reichelsheimer zur Verfügung zu stellen.

Die beiden anderen Podiumsteilnehmer betonten, dass es schwierig sei, mit Freizeitseen Geld zu verdienen. Egal, ob sie in öffentlicher Hand seien, wie in Langenselbold, oder im privaten Besitz, wie in Nieder-Weimar. »Wir verdienen unser Geld aus einem sportlichen Angebotsmix«, sagte Lucien Gerkau, der gemeinsam mit seiner Familie den Seepark in Nieder-Weimar betreibt. Von der Wasserskianlage bis zur Flugschule reicht das Angebot des Sportunternehmers. Langenselbold schieße jährlich mal mehr, mal weniger zum Badebetrieb hinzu. Vor zwei Jahren rund 100 000, im vergangenen Jahr 30 000 Euro. 2004 wurde eine Plane in den Kinzigsee eingezogen, damit wieder gebadet werden kann, da dies über Jahre wegen der Wasserqualität verboten war. Seither wird in dem Badesektor das Wasser chemisch behandelt, damit sich im Sommer Erholungssuchende am See tummeln können.

»Das ist politisch gewollt«, erklärt Alexander Kempski von der Stadtverwaltung Langenselbold. Rettungsschwimmer, Sicherheitsdienst müssten finanziert werden. Große Parkplatzflächen sind an beiden Seen vorhanden. Trotzdem genügten diese im Hochsommer nicht. Badeunfälle blieben nicht aus. Erst kürzlich sei im Nieder-Weimarer See ein Schwimmer ertrunken. Vor drei Jahrzehnten, als die ehemalige Kiesgrube von seinen Eltern als Badesee übernommen wurde, habe es ähnliche Probleme wie derzeit am Bergwerksee gegeben. Sein Tipp: »Handeln Sie schnell.« Beide Seen sind umzäunt. Gaststätten sind angesiedelt. Kempski und Gerkau sind sich einig, dass der Bergwerksee Entwicklungspotential hat. Kempski: »Schaffen Sie Parkplätze, stellen Sie Toiletten auf, organisieren Sie einen Sicherheitsdienst, sonst herrscht bei Ihnen Chaos.«

Was die Reichelsheimer sich für den See wünschen, ist am Montag in der WZ zu lesen.


Diskutieren über die Zukunft des Bergwerksees: (v. l.) Bürgermeister Bertin Bischofsberger, Stadtverbandsvorsitzender Holger Hachenburger, Alexander Kempski von der Liegenschaftsverwaltung der Stadt Langenselbold und Lucien Gerkau, Betreiber des Seeparks in Nieder-Weimar. (Foto: kai)