Biogasanlage - WZ vom 16.4.2015   

Widerstand gegen Biogasanlage formiert sich neu

Interessensgemeinschaft will Regionalversammlung sensibilisieren - "Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier"

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Die an der Gemarkungsgrenze zu Dorn-Assenheim erneut ins Spiel gebrachte Biogasanlage stößt weiterhin auf Widerstand. Mitglieder der 2014 gegen das Vorhaben der juwi Energieprojekte GmbH formierten Interessengemeinschaft diskutierten nun die kürzlich bekannt gewordenen Absichten der Schwandorfer Betreiberfirma Schmack Biogas GmbH.

Die Position der Interessengemeinschaft ist eindeutig. „Die geplante Biogasanlage ist nicht akzeptabel. Sie wird nicht wirtschaftlich arbeiten und bringt hohe Belastungen für die Bevölkerung,“ prognostiziert Mitinitiatorin Dr. Kathrin Schmidt. Ihr Ziel: Präventionsarbeit zu leisten, die Regionalversammlung Südhessen frühzeitig zu sensibilisieren. Das Zielabweichungsverfahren zur Regionalplanung laufe grundsätzlich ohne Bürgerbeteiligung ab, erst im Bauleitplanverfahren könnten Bedenken eingebracht werden. Der Initiative ist das zu spät.

„Seit Schmack Biogas Interesse an dem Vorhaben gezeigt hat, laufen die Bürger Sturm“, schildert Schmidt. Das Unternehmen prüft derzeit eine Biomethan- Anlage inklusive Gaseinspeisung ins Netz mit einer Leistung von sieben Megawatt. Damit sollen 5000 Haushalte mit Strom und 2000 Haushalte mit Wärme versorgt werden. Das Gas wird vorrangig aus Zuckerrüben (50%) gewonnen, hinzukommen Pferdemist und weitere Substrate.

Neben 30.000 Tonnen Zuckerrüben sollen nun 20 – 30.000 Tonnen andere Stoffe wie Pferdemist zu Methan vergoren werden, kritisiert Schmidt und prognostiziert eine drastische Zunahme des Schwerlastverkehrs für Dorn-Assenheim, Heuchelheim und Weckesheim. Das Verkehrsproblem sei nicht lösbar und daher der Standort der Anlage untauglich. Dazu erwarte er Dreck und Gestank durch An- und Abtransport von Rohstoffen und Düngemitteln. Sein Fazit: Eine Umweltverträglichkeit ist nicht gegeben.“

Angesichts der engen Ortsdurchfahrten hätten viele Bürger Angst um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder. „Wir erwarten vom Betreiber volle Transparenz, auf Halbwahrheiten und Täuschungsmanöver sollen die Verantwortlichen verzichten.“, beugt Schmidt einer möglichen erneuten Argumentation der Nutzung des lokalen Feldwegenetzes vor. “Das ist Humbug, die teils maroden und engen Feldwege sind für den Schwerlastverkehr ungeeignet.“

Zudem rechnet die Interessengemeinschaft mit überregionalem Schwerverkehr durch die Anlieferung von Pferdemist. Sie ärgert die Aussage des Schmack-Projektleiters auf dem Wetterauer Zuckerrübentag, die Rüben würden ohnehin hier auf den Straßen transportiert. Dies sei absurd und dreist, denn jeder wisse, dass nicht alle Wetterauer Zuckerrüben durch die Reichelsheimer Kommunen gekarrt werden.

In der Kritik steht nicht nur der Verkehr. Das Verbringen der Gärreste auf die umliegenden Felder berge enorme Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier. Zudem sei die Verwendung von Nahrungsmitteln zur industriellen Energiegewinnung ethisch nicht vertretbar. Dies habe der Gesetzgeber nicht zuletzt durch die EEG-Reform bekräftigt, indem er die Förderung auf Anlagen beschränkt, die eben keine Nahrungsmittel vergären

Wie das Planungs- und Genehmigungsverfahren um die Biomethanlage weitergeht, ist derzeit offenbar völlig offen. Bürgermeister Bertin Bischofsberger hatte kürzlich auf eine Anfrage der CDU-Fraktion erklärt, Schmack Biogas habe noch kein verwertbares Präsentationsformat verfügbar. Schmidts Folgerung: „Wir den die nächsten Schritte sorgfältig beobachten und uns bei Bedarf breiter aufstellen.“ Oder wie es ein Sitzungsteilnehmer plakativ formulierte: „Wir sind zum Widerstand bereit.“

Foto von der Versammlung am 8.5.2014 / hh.