Bergwerksee - WZ vom 28.02.2015 / Quelle: Alexander Hitz   


Geologe: Wasser steigt nicht mehr

Parlament soll über weiteres Gutachten zum Bergwerksee entscheiden - Bußgeldkatalog erstellt

(kai). Dilemma am Bergwerksee: Das Wasser steigt nicht mehr. Das hat ein Geologe im Auftrag der Stadt festgestellt. Die Berme, die modellierte etwa fünf Meter breite Flachwasserzone rund um den See, wird vermutlich nie überflutet. Welche Folgen das für die Zukunft des Sees hat, soll ein weiteres Gutachten klären, das die Reichelsheimer Stadtverordneten in ihrer nächsten Sitzung beauftragen sollen.

»In den vergangenen sechs Jahren hat sich der Wasserspiegel nicht nennenswert verändert«, berichtet Bürgermeister Bertin Bischofsberger. Momentan hat der See zwischen Dorn-Assenheim und Weckesheim eine Höhe von 124,5 Metern. Vor 24 Jahren, als der Bergbau aufgegeben wurde, seien Experten davon ausgegangen, dass sich das Ufer auf einer Höhe von 132,5 Meter einpendeln werde. 30 bis 50 Jahre seien nötig, diese Höhe zu erreichen, prognostizierte die PreussenElektra damals. Lediglich zwischen 1988 und 1991 wurde Braunkohle auf dem heutigen Bergwerkseeareal abgebaut. Grund- und Regenwasser sollten den See füllen.

30 neue Verbotsschilder

In der aktuellen Expertise heißt es, dass ein flächenhaftes Fluten mit Grundwasser nicht eingetreten sei. Ein Grund, warum der Pegel konstant bleibt: Mit zunehmender Wasseroberfläche steige die Verdunstung. »Wir können nicht beurteilen, wie sich der niedrigere Wasserstand auf den gesamten See auswirkt«, erklärt André Grumbach von der Bauverwaltung. Daher sei die Stadt aktiv geworden, informierte sich beim Landesamt für Geologie, beim hessischen Städte- und Gemeindebund, beim Regierungspräsidium. »So lange wir nicht wissen, was passiert, müssen wir Maßnahmen ergreifen«, sagt Bischofsberger. Die Stadtverwaltung hat 30 neue Verbotsschilder angeschafft, die in den nächsten Wochen rund um den See aufgestellt werden. »Das Betreten der Wasseroberfläche ist und bleibt verboten. Wir müssen strikt dagegen vorgehen, dass der See genutzt wird«, sagt Bischofsberger.

Größere und kleinere Erdabbrüche seien immer wieder zu beobachten. Es wurde eine Satzung erarbeitet. Sie regelt, wie hoch Bußgelder für Schwimmer, Surfer, Angler und Taucher sein sollen. Das Regelwerk wird Bischofsberger den Stadtverordneten präsentieren. »Wer einmal zahlen musste, wird nicht wiederkommen«, hofft der Rathauschef. Wie die Verbote kontrolliert werden sollen, kläre er derzeit ab. Möglicherweise über den gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirk oder über einen privaten Sicherheitsdienst.»Besonders wichtig ist, das Gutachten zu erstellen, es ist unverzichtbar für die spätere Nutzung«, sagt Grumbach. Es ermittele die Grundlagen, was auf dem Gelände machbar sei. Bereits vor fast vier Jahren wurde ein Nutzungskonzept vorgestellt, das die Möglichkeiten aufzeigte, wie sich das Gelände um und am See entwickeln könnte.

»Die jetzigen Erkenntnisse werfen uns nicht zurück, sie helfen dabei, die langfristige Nutzung des Sees zu planen«, sagt Bischofsberger. »Ein solches Projekt hat von uns noch nie zuvor jemand geplant, ohne konkrete, fachliche Konzepte steht alles in den Sternen«, ergänzt Grumbach. Alles rund um den Bergwerksee brauche Zeit. »Es geht darum, dass das, was später geplant und realisiert wird, sicher ist«, sagt Bischofsberger. Utopisch sei, dass in absehbarer Zeit Baden, Tauchen oder Surfen auf dem See legalisiert werde. Deshalb stellte er den Kauf eines Rettungsbootes für die Feuerwehren, das am See eingesetzt werden sollte, zurück.

»So lange die Ufer nicht sicher sind, die Böschungen abbrechen, so lange kann der See nicht genutzt werden. Das Schlimmste wäre, wenn jemand zu Schaden käme«, sagt Bischofsberger. Und: »Wenn wir den See entwickeln, dann muss alles Hand und Fuß haben.«

Bürgermeister Bertin Bischofsberger (rechts) und André Grumbach präsentieren die neuen Warnschilder.  Foto: WZ