Konzert -  WZ vom 20.12.2019 

Tränen kullern bei den Schürzenjägern

Kuirzweiliges Adventskonzert von Concordia und Harmonie in St. Maria Magdalena

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) „Dieses Konzert spannt für mich den Beogen vom Alltag in die Weihnachtswoche“, gesteht ein Besucher beim Glühweinplausch. Denn mit iher betont vielschichtigen Literaturauswahl gelang es dem Gesangverein Concordia und dem Musikverein Harmonie einmal mehr, das Publikum zu verwöhnen. Dabei paarten die Akteure popluläre Arrangements mit festlicher Chor- und Instrumentalmusik zu einem bunten Mosaik. Mit seinem Gespür für die Klangfarben einer Orgel bereicherte Kantor Dr. Ralf Schäfer den Nachmittag. Melodiös inszenierte er das Cantabile for you, um dann mit Valse fesselnde dreiviertel Takte aus Böhmen über die Tasten schweben zu lassen.

Hoch motiviert interpretierte die Concordia zunächst die besondere Atmosphäre der Heiligen Nacht. Hier eine stilsicher vorgetragene A-Capella Variante, dann unter Klavierbegleitung der Hymnus I see a Star mit seinen berührenden Harmonien. „Das alpenländische ist bei uns sehr beliebt“, verriet Dirigent Tobias Lipka und machte kurzerhand einen Zwischenstopp bei den Kastelruther Spatzen und in einer weihnachtlich duftenden Stube bei den Schürzenjägern. Das romantische Weihnacht wie’s früher war war nicht nur dem dem Chor mir seiner fein abgestimmten Satztechnik auf den Leib geschneidert, es berührte auch das Publikum:: „Meiner Oma kullerten bei dem Lied die Tränen.

Erfrischend erklang dann die Titelmelodie aus dem Kultfilm Drei Nüsse für Aschenbrödel. Märchenhaft reiht der Chor die schönsten Motive der Komposition zu einem aussergewöhnlichen Hörgenuss aneinander. „Schön, wie sich die einzelnen Stimmen auffächern und einen homogenen Klang bilden“, freute sich Lipka um auf einen weiteren Höhepunkt zuzusteuern: Ein lebendiger Spiritual,der einst auf Galeeren die Freiheit beschwor. Eigentlich kein Song für den Advent, doch Lipka textete kurzerhand eine Strophe hinzu: „Hab ein Herz zur Weihnachtszeit.“

Dabei profitiert der Chor auch von seinen talentierten Solisten. Antonia Finkeldey brillierte mit ihrem lupenreinen Sopran jazzige wie swingende Melodien, Lipkas Lob folgte prompt: „Gefühlvoll und ausdrucksstark.“ Zudem steuerten Thessa Nebel (Mandoline) und Renate Dieth (Gitarre) mit ihren Instrumenten belebende Effekte bei.

Nun packte die Harmonie das traditionelle Es ist ein Ros entsprungen in ein neues Gewand. Das Flügelhorn als signalartige Gegenstimme verkörperte Weihnachtsstimmung pur. Im Kontrast hierzu der „Little Drummer Boy". Dabei zeigten Holzregister und Schagzeug Soloqualitäten und gestalteten das mit synfonsichen Passagen und ungewohnten Modulationen gespickte Arrangemnt zu einer schönen Fantasie. Es folgte Gänsehaut pur. Bei Highland Cathedral entführten die Musiker das Publikum in getragenem Andante mit mystischen Klangfarben in das schottische Moorland. Die von wachsender Dynamik bestimmte Melodie mit ihren ineinandergreifenden Soli mündete dabei in einen strahlenden G-Dur-Schlussakkord.

Danach dominierten hämmernde Töne in einer modernen Rhythmik die Ballade My Dream. Das besondere dabei: die abwechselnd von Flügelhorm und Gesamtorchester übernommene Führung mit ihren vielschichtigen Jazz- und Rockelementen. „Das habe ich auf Youtube gefunden und war sofort begeistert,“ verrät Dirigent Andreas Schmidt, um zugleich Weihnachten einen swingenden Anstrich vor untergehender Sonne im Spiel der Wellen zu geben: „La Mer, auch das gehört für mich zu den Facetten solch eines Konzerts.“

Virtuos setzen Harmonie und Concordia einen gemeinsamen Schlusspunkt in einer Sythese von Chor, Orchester und Textrezitativen. Im Schulterschluss mit dem Publikum erklang der Zyklus Winterrose, der traditionelle Literatur zu einer spannenden Geschichte mit beeindruckenden Klangvariationen formt. Das Fazit daraus: Die christliche Botschaft ist heute aktueller denn je.

Fotos: Dirigenten in Aktion: Tobias Lipka beleitete die Concordia-Sänger am Klavier, Andras Schmidt von der Harmonie brillierte als Flügelhornsolist bei der Balladie „My Dream“