700 Jahre Dorn-Assenheim - WZ vom 15.8.2018         

„So entsteht ein kleines Geschichtsbuch“

Abschluss zur 700 Jahrfeier: Helmut Weitz belebt die Tradition der alten Hausnamen

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) „Zu meiner Kindheit war es gang und gäbe, dass jedes Haus seinen eigenen Namen hat“, erinnert sich Helmut Weitz. Der Vorsitzende des Musikvereins Harmonie leitet damit zu einer letzten Initiative über, die er im vergangenen Jahr anläßlich der Feiern zum 700-jährigen Dorfjubiläum startete. Nämlich die alten Hausnamen lebendig zu halten. Denn wer dieser Tage im alten Ortskern unterwegs ist, entdeckt an vielen Häusern blaue Emailleschilder mit jeder Menge Historie.

„Wir haben eine Idee aus Melbach aufgegriffen und dort entsprechend nachgehakt“ brachte Weitz seine Anregung ins Spiel. Auch ein Hersteller war schnell gefunden, nachdem sich in der Bevölkerung ein reges Interesse herauskristallisierte. In der Untergasse aufgewachsen erinnerte er sich an seine Nachbarschaft. „Die Leute hat man gar nicht anders gekannt. Da wohnten Linde, Schorsche und Gugggls. Sein Vater war der Petersch Ernst. Den offensichtlichen Namensgeber kennt er selbst nicht.

Dann machte er sich auf Spurensuche, ging mit Ilona Böhm und Christa Hobler Straßen und Häuser akribisch durch. So kamen rund hundert Namen zusammen, die er nach dem Festgottesdienst zur 700-Jahr-Feier an eine Wand pinnte. Viele Bürger brachten sich ein, Weitz erhielt Änderungsvorschläge, weitere Namen kamen hinzu. Letzendlich wurden 60 Schilder zu einem Obolus von je 5 Euro gefertigt, die Mehrkosten steuerte die Stadt aus dem Jubiläumsbudget bei.

Hausnamen entstanden zu einer Zeit, als Straßennamen oder Hausnummern noch nicht bekannt waren. Nur so war das Anwesen eindeutig zu kennzeichen. Ein anderer Ansatz lautet: Im 18 Jh. wurden die Familien größer, die nächsten Generationen bauten neue Häuser. Es entstanden Hausnamen, um die jeweiligen Personen zur Familie oder dem Hof zuzuordnen. So ist es auch zu erklären, dass viele der Namen auf eine Historie von lediglich zwei bis fünf Generationen zurückblicken.

Dabei sind die Ursprünge die gleichen, es sind meist Vor- und Familiennamen, Berufe, Eigenschaften oder die Herkunft. Der Kurdebauer beispielsweise hat seine Wurzeln „zwar nicht im wilden Kurdistan“, scherzt Gerhand Rack, wohl aber in Kohden bei Nidda. Auch wurde lange Zeit einer Person der Hausname dem Rufnamen vorangestellt und somit quasi zum zweiten Familiennamen.  

Dass man die alten Namen jetzt wieder sichtbar macht, freut Weitz: „Die Häuser treten aus ihrer Anonymität heraus. Es entsteht ein keines Geschichtsbuch.“ Viele Personen kannten die Bezeichnungen überhaupt nicht. Und so mancher Neubürger bestellte die historischen Blickfänge, obwohl kein familiiärer Bezug besteht.

Viele Schilder lassen auch Schlüsse auf die einstige Infrastruktur im Dorfkern zu. Da trafen sich die Bewohner bei Rasiererschs - dem Dorfbabier - oder beim Eckschuster. Und noch vor wenigen Jahren trank man seinen Schoppen nicht im Gasthaus Zur Krone, sondern ging zu Ausdiens. Vermutlich hieß einer der Vorfahren August, während bis vor über 100 Jahren auch das Lokal Zur Rose zum Verweilen einlud. Denn hinter der Theke standen die Ruse-wirts. Und vis a vis verbindet ein Name Generationen von Schafzüchtern: Der Schofess.

Das letzte Schild in seinem Fundus bringt Helmut Weitz in die Obergasse. Hier ist die Dichte der historischen Namen besonders groß. Adams, Kallse, Lissas, Mierdes und Ruppe weisen noch heute auf eine illustre Runde hin: Nämlich Adam, Karl, Elisabeth, Matthias und der alte Herr Rupp.

Den letzten Hausnamen bringt Helmut Weitz in der Obergasse an. Bei Lebolds, wo einst ein Leopold Klein der Hausherr war. Foto hh.