700 Jahre Dorn-Assenheim - WZ vom 15.8.2ß18         

„Die Herren kamen und gingen, der Glaube blieb“

Ökumenischer Festgottesdienst in St. Maria Magdalena zum 700. Dorfgeburtstag

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) „Beides hat seinen Platz. Die Stabilität der Kirche und die Flexibilität im Alltag, mit der Probleme angepackt werden“, resumierte Pfarrerin Angela Schwalbe beim Blick auf eine wechselvolle Dorfgeschichte. Gemeinsam mit den katholischen Geistlichen Pfarrer Markus Stabel, Pater Jacob Thanniyil und dem ehemaligen Seelsorger Pfarrer Josef Grimm zelebrierte sie den ökumenischen Festgottesdienst zum 700. Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung.  „Es ist eine Wegstrecke durch viele politische Zeiten und Epochen, Höhen und Tiefen, Freude und Leid“ ergänzte Stabel.

Zuvor hatte der Musikverein Harmonie die Feier mit dem gleichermaßen lyrischen wie fanfarenartigen Konzertstück "Musica Gloriosa" festlich eröffnet. Mit dem Gesangverein Concordia steuerten die Akteure den musikalischen Part bei, der analog dem Tenor der Predigt von Schwalbe vielschichtig arrangiert war. Hier der inspirierende Pophit You Raise Me Up, dort das melancholisch tiefsinnige Halleluja oder das poetische Schau auf die Welt.

„Mir gefällt die Polarität zwischen der in den Fels gebauten Kirche und der in die Landschaft gefasste schloggernde Brücke“ spielte Schwalbe auf die Entstehung gleich zweier Ortsnamen an. Hier das historische nach dem ersten Siedler benannte Massinheim, welches sich über die Jahrhunderte hin zu Dorn-Assenheim entwickelte. Dort das eher scherzhaft gemeinte Schloggebach, welches an eine Brücke über einen Entwässerungsgraben erinnerte, wo es dereinst beim Passieren der Pferdefuhrwerke kräftig schloggerte.

Mit den Fürsten, Lehensherren, Bistümern oder Klöstern wechselte neben den Ortsnamen auch die Konfession. Der Reformation folgte die Gegenreformation. Für Schwalbe ein Zeichen religiöser Vielfalt, die sich bis heute erhalten hat. Ihr Fazit: „Die Herren kamen und gingen, der Glaube blieb.“ Und das katholische Gotteshaus biete heute einen Hauch von Internationalität „wie der konfessionsübergreifende Einschulungsgottesdienst kürzlich unterstrich.“ Im Gegensatz zur urkundlichen Erwähnung aus dem Jahr 1318 nahm die Pfarrerin eine deutlich längere Historie an: „Es gibt Vermutungen, dass Bonifatius 722 herum diesen Ort christianisierte.“  Viele Siedlungen in dieser Region mit den Endungen „Heim“ wurden offensichtlich im 8. Jahrhundert gegründet, aber nicht dokumentiert.

Harmonie Vorsitzender Helmut Weitz sprach für die Arbeitsgemeinschaft der Ortsvereine und der Pfarrei. „Es kam immer auf die Menschen an, die das Dorf mit ihren Ideen entwickelten“, appellierte er an vielfältige Möglichkeiten einer lebendigen Gemeinschaft. “Wir können uns nicht in der Hoffnung zurücklehnen, der Staat wird‘s schon richten. Der Staat sind auch wir.“ 

Und dass ein Jubiläum nur gelingt, wenn viele anpacken, zeigte ich im Pfarrgarten.  Hier stellten Vereine und Kirchengemeinden Bänke und Tische auf, verkauften Getränke, grillten Würstchen oder schenkten Kaffee aus. Musikalischer Begleiter war die Band „Sky Flair“,  welches ein Gast prägnant kommentierte: „Prädikat groovig und facettenreich.“ 

Vertreter der beiden Konfessionen mit Pfarrer Markus Stabel (l) und Pfarrerin Angela Schwalbe und der Ortsvereine trugen die Fürbitten vor.

Der Musikverein Harmonie mit Dirigent Andreas Schmidt eröffnete den Gottesdienst konzertant  Fotos: hh.