Freitag, 13. März - Juba


Escaped

Nachdem sich die Kartoffelwogen wieder geglättet haben machen wir nochmals einen letzten Besuch bei den Rindviehchern. Tagein tagaus das gleiche: um zehn Uhr geht’s zur Weide in um 18 Uhr zurück. Und wer dann noch nicht im Gehege bis bis weit nach 20
Uhr mit einem schauderhaften Topfklopfen daran erinnert. 

Wir machen uns auf den Weg nach Juba, denn ich will später über Addis Ababa nach Beirut, um von dort aus morgen Richtung Syrien weiterzufahren. Über Nacht jedoch hat Libanon jedoch alle Grenzen geschlossen, wobei ohnehin nur diejenige nach Syrien offen war. Zum Glück erhalte ich die Nachricht noch rechtzeitig, um den Trip abzublasen. Doch das nächste Problem erwartet mich am Flughafen.

Deutsche werden nicht nach Beirut mitgenommen, auch nicht nach Addis. Denn auch wenn’s zwei Flüge sind gelten diese nur zusammen, aber nie einzeln. Ausnahmen in Krisensituationen bestehen natürlich auch nicht. InnJuba gibt es kein Ticket Office, wo ich umbuchen könnte. Mein Visum läuft auch morgen ab und zwecks Verlängerung müsste ich zur deutschen Botschaft nach Kenia. Dass ich für Kenia kein Visum habe, versteht sich von selbst.

Rund eine Stunde diskutiere ich mit jemandem am Schalter und es bahnt sich eine Lösung an. Man nicht mir einen Flug direkt nach Frankfurt über Addis. Wow, was es alles gibt. Nur will er den Betrag in Dollar, von denen ich jetzt auch nicht mehr soviele habe. Obwohl ich ihm Euro im Kurs von 1 zu 1 anbiete und er dabei ein Schnäppchen von 10 Prozent gemacht hätte lehnt er ab und will mein Ticket stornieren. Gehen sie nicht über los und ziehen die auch keine 4000 DM ein würde es bei Monopoly jetzt heißen.

Also laufe ich wie Graf Koks von der Heilsarmee mit wedelnden Euroscheinen im Flughafen von Juba rum und suche Leute, die mir diese in Euro wechseln. Dass Juba nicht Frankfurt ist und die Wechselstube hier noch nie Euro gesehen hat, muss ich erst gar nicht erwähnen. Irgendwann habe ich meine Kröten zusammen und bekomme mein Ticket ausgehändigt. 

Jetzt sitze ich am Gate und schreibe diesen Blog. Auch wenn ich nicht weiß, was noch alles passiert, hier mein persönliches Fazit nach acht Tagen Südsudan.

Wer hierher will, sollte schon einiges von Afrika und dessen Mentalität kennen. Nichts funktioniert, jeder weiß alles und damit nichts und man benötigt viel Geduld. Die Hauptstadt hat selbst nichts zu bieten, und Fotografieren ist dort ohnehin verboten. Dafür sind wir keiner Korruption begegnet, was die Reisekasse dann auch trotz der unzähligen Umbuchungen bei den Flügen wieder etwas geschont hat. 

Die Tage bei den verschiedenen Stämmen sind wie im Flug vergangen und führen immer wueder vor Augen, dass ein Großteil der Menschen fernab von sauberem Wasser, Elektrizität und Handyempfang trist dahin vegetiert, um trotzdem vielleicht sogar einen Tick glücklicher zu sein als die über alles unzufrieden Protagonisten der westlichen Zivilisation. Und auch die extrem schlechten Pisten haben bei den guten Sitzpolstern keine bleibenden Schäden hinterlassen. Wer Afrika in seiner natürlichen Ursprünglichkeit abseits der Touristenpfade erleben möchte, fährt in den Südsudan. Wer nicht, der kann sich in Kenia oder Sansibar vergnügen. Da gibt es auch mehr wilde Tiere, denn die habe ich im Südsudan nicht gesehen. 

Und zu allerletzt: Postkarten habe ich keine geschrieben, es gibt hier nämlich keine. Und hätte ich welche gefunden, sie würden nie per Post ankommen. Denn auf die Frage, was denn so eine Karte nach Europa kostet, antwortet mir der Mitarbeiter der Post: nichts, die dürfe man gar nicht befördern. Sanktionen!