Mittwoch, 11. März - Mundari


Schlammschlacht bei Banditen

Es ist 18.30 Uhr und ich bin seit knapp 10 Stunden auf der Ost-West-Achse über die Hauptstadt Juba in den Westen unterwegs. Der gestrige Abend brachte mal wieder ein vernünftiges Hotel zu Tage. Sogar mit VIP Room, was aber nichts anderes als die Bar war. Immerhin keine dicken Zentralafrikaner a la Idi Amin, dafür jede Menge junge Geschäftsleute, die mir auf die Sprünge bei der Lösung eines Rätsels helfen.

Warum sehe ich hier einerseits nur ugandische und kenianische Laster, andererseits aber jede Menge Gastarbeiter. Ist das ein Zeichen für eine schlechte oder prosperierende Ökonomie? Das Rätsel ist einfach Zu lösen und in etwa mit der DR nach 1989 zu vergleichen. Die Nachbarn machen hier nicht nur die Geschäfte, sie bringen die Arbeitskräfte gleich mit. Inwieweit die Einheimischen von diesem System profitieren, ist differenziert zu betrachten. Einerseits wird investiert, andererseits wandert das Geld dann auch wieder ins Ausland. 

Interessant auch, dass manche Geschäftszweige weiter entwickelt sind als in der westlichen Welt. Geld wird hier mit wenigen Klicks über das Handy verschickt. Was für die Stämme auf dem Land keine Relevanz besitzt, ist für den Handel in der Stadt und dem benachbarten Ausland unerlässlich. Die ohnehin bürokratischen Banken werden hinfällig und das Wirtschaftssystem digitalisiert. Und dazu braucht man auch kein teures Smartphone.

Heute ist Zahltag. Zumindest bei der Polizei. Während es bisher an den obligatorischen Checkpoints außer einem Hi und Bye keine Aufenthalte gab, wird heute auf allen Straßen abkassiert. Aussteigen, Papiere zeigen, irgendetwas für einen lukrativen Nebenverdienst findet sich hier immer, zumal die aktuelle Gesetzeslage ohnehin nicht bekannt ist und der Tourist gefügiges Beute- oder Beuteltier ist. Mit rund 10 Euro ist man bei den Banditen in Uniform im Schnitt dabei, was im Vergleich zu den westafrikanischen Nachbarn fast schon ein Schnäppchen ist. Hier allerdings wird nicht per Handy bezahlt, bei der Polizei ist immer noch das Bare das Wahre. 

Das Dumme ist weniger das Abkassieren, sondern die Tatsache, dass Durch die fortwährenden Verzögerungen die Uhr tickt. Ab 19 Uhr wird es dunkel und bei den hiesigen Strassenverhältnissen fährt da niemand freiwillig. Zumal wir heute bereits einen geplatzten Reifen hatten und einem Achsbruch gerade noch so entkommen sind.  

Zu allem Unglück fängt es jetzt noch an Sintflutartig zu regnen. Wo im Osten noch 40-45 Grad bei absoluter Trockenheit herrschten, sind es nur 200 Kilometer weiter westlich zwanzig Grad weniger und offensichtlich beginnt hier gerade die Regenzeit. Zwar leisten die Scheibenwischer Akkordarbeit, doch die Fahrt wird bei metertiefen Lachen und glitschiger Fahrbahn ohne nennenswerte Sicht zum Tanz auf der Rasierklinge.

Es kam wie es kommen musste. Wir krachen mit Mann und Maus in ein Kraterähnliches Nichts. Rauskommen unmöglich. Es gießt in Strömen und selbst hier ist die Staatsmacht anwesend. Aber nicht um zu helfen, sondern .... die Pässe zu kontrollieren. Während die Herrschaften in der Stadt wenigstens Uniformen tragen, weiß man außerhalb erst recht nicht, mit welchen zwielichtigen Gestalten man es zu tun hat. Immerhin konnte ich zu dem Herrn unterwürfig hochschauen, denn ich parkte mit meinem Landrover ja einen Stock tiefer. Eine halbe Stunde verharren wir so in der Prärie, bis der Polizist verschwindet und wir mit Hilfe vorbeikommender Autofahrer und Passanten die Karre sprichwörtlich aus dem Dreck ziehen. Wie ich nach der Schlammschlacht aussah, muss ich hier wohl nicht näher beschreiben. 

Um 22 Uhr erreichen wir das Camp und müssen in strömendem Regen die Zelte aufschlagen. 16-17 Uhr war angedacht, natürlich bei Sonnenschein...

P.S.:  Bisher wurde ich bei jeder Ankunft in einem Stammesgebiet von einer Horde jubelnder Kinder begrüßt. Bei den Mundari ist das anders. Hier stehen lediglich drei Rindviecher mit riesigen Hörnern herum und wundern sich, von welchem Planeten die Schlamm-triefenden Herrschaften gerade gelandet sind.