Freitag, 6. März - Juba 


That's Africa 

Ist es der Coronavirus oder die Unzulänglichkeit des afrikanischen Kontinents. Der Tag heute war das absolute Chaos oder wie es hier bei jeder Entschuldigung heißt: thats Africa. Und in Afrika bin ich ja nun mal. Dazu noch mittendrin, denn der Südsudan ist neben dem Kongo und der Zentralafrikanischen Republik das Herz des schwarzen Kontinents.

Ums kurz zu machen. Da Egypt alle Flüge gecancelt oder auf alles andere als Kundenfreundliche Zeiten änderte, musste ich kurzfristig  umbuchen. So hatte ich ganze vier Flüge mit Stops in München, Cairo und Addis Abeba, bevor dann ein kleines Propellerflugzeug seine Aufwartung in der Hauptstadt Juba machte. Die Unterbrechungen waren mit minimal einer und maximal zwei Stunden zudem äußerst knapp bemessen. Als ich dann alle Hindernisse gemeistert hatte und in Juba bei schweisstreibenden 40 Grad ankam war ich da, mein Gepäck aber nicht. Und dann zeigt sich Afrika wie es leibt und lebt. Jeder hat zu allem was zu sagen, aber keiner weiß wirklich etwas. Eine digitale Gepäckerfasssung gibt es nicht, überhaupt regiert hier das Formularwesen wie einst bei Asterix und Obelix und der Suche nach dem Formular 38a. 

Es geht überhaupt nur alles auf gut Glück, hotlines sind garnicht oder nur spärlich zu erreichen und spätestens beim zweiten Abruf streicht man die Segel. Denn da erfährt man das genaue Gegenteil von dem, was zuvor als die einzig wahre Info verbreitet wurde. Das Ergebnis, und das kann ich getrost vorwegnehmen, hat dann mit allen Zwischeninfos rein gar nichts zu tun. Jedenfalls hat sich mein Gepäck heute selbstständig gemacht und ganz andere Winkel des Kontinents erkundet. That’s Africa!

Der Flughafen in Juba, oder sollte man besser Flugplatz sagen, ist das personifizierte Chaos, aber im Schneckentempo. Alles musste erstmal zur Toilette.  Es gab aber keine ...  Dann der Immigrationschalter, davon einer für Einheimische die natürlich nicht reisen und weshalb dort überhaupt nichts los war,  einer für Visa on arrival mit einer unendlichen Schlange und 2 normalen, an denen sich aber jede Menge wichtige Leute tummelten. Wartezeit pro Nase etwa 15 Minuten und das Vordrängeln der hiesigen Lokalprominenz inbegriffen, verbringe ich 90 Minuten in der Schlange, die ich als Nummer drei betrat. Dann gab es keine Hinweise, wie es mit dem Gepäck funktioniert, so dass zunächst einmal alle raus liefen, das Gepäckband suchten, aber nicht fanden weil es keins gibt. Was mir auch letztendlich nichts genutzt hätte, da meins ja eh noch in Cairo urlaubte. 

Das schlimmste ist dann der Zoll, der nicht nur alle Taschen durchsuchte,  sondern auch den Inhalt kommentierte. Wäre etwas wenig für den Südsudan. Der Depp wusste genau, dass mein eigentliches Gepäck nicht angekommen war. Egal, auch ohne Gepäck kann man Juba erkunden, auch wenn es am Nachmittag hier unerträglich heiß ist. 

Juba ist echt hart. Es ist halt ein ganz neues und damit armes und auch fremdbestimmtes Land. Während man aus Europa und USA nur NGO´s sieht - die ganz wichtig mit 5 Mann 6 Monate lang eine Konferenz über stabilen Hausbau vorbereiten - bauen die Chinesen Krankenhäuser und Brücken. Das ist wohl die neue Form von Kolonialismus. Und die Mormonen missionieren hier auch bereits, wie bei uns mit schwarzer Hose, weißem Hemd, Schlips und dem schwarzen Namensschild.

Viel zu sehen gibt's in Juba nix. Außer viel Verkehr begleitet von absolut verdreckter Luft. Teilweise sind ganze Straßen vor lauter Plastikmüll nicht zu sehen. Und stinken tuts vom Feinsten. Wenn man als Provinznest über Nacht zur Hauptstadt wird. Wie Bonn, aber eben in Afrika. 

P.S.: Morgen gibt’s einen Buschflug nach Kapoeta. Wie lange der Flug dauert frage ich. Die Antwort: das hängt immer von der Kondition des Piloten ab. Alkohol, Eheprobleme und die Kids rauchen Pfeifchen. Dann stelle ich mich mal auf ein neues Abenteuer ein. Denn wie heißt es so schön: Thats Africa.