Montag, 19. November - Antsirabe

Tour de Madagascar

Nochmals ein Tag in Antsirabe, bevor es morgen via Tana zurück nach Frankfurt geht. Gestern hatte ich mich nochmals als Nachtschwärmer geoutet und bin auf Tour gegangen. Erstmal ne Karaokebar, die hier ja allgegenwärtig sind, wo aber in den seltensten Fällen überhaupt Karaoke stattfindet. Gut, in dem Fall wird man auch nicht eingeladen, eine lustige Nummer mitzusingen.
 
Drei Häuser weiter ist schon mehr los. Hier spielt die Dorfjugend Billard. Gesehen hatte ich bisher Tischkicker an jeder Straßenecke. Billard war bis dato nicht zu beobachten. Doch die Kneipe war war auf stylisch getrimmt und zwischen Flatscreen und futuristischen Barhockern war der Billardtisch schon fast aus der Zeit gefallen. Nun ja, die Jungs zocken mich ab und die erste Runde geht auf mich. Was angesichts von 75 Cent für die 0.65 Liter-Pulle jetzt auch kein Drama ist. 
 
Die Bewährungsprobe am nächsten Morgen war ungleich schwieriger. Mit dem Fahrrad sollte es nach Betafo zu zwei Kraterseen gehen. Was auf dem Papier nichts nennenswertes scheint, wird beim Tritt in die Pedale zur Mutprobe. Der Verkehr in Antsirabe ist chaotisch, Pkws, LKWs, Buschtaxen und Radfahrer schießen aus jeder Ecke und kämpfen Meter um Meter um die Vorherrschaft auf der Straße. Für den an deutsche Verkehrsteilnehmer gewöhnte Radler der reine Horror. Besonders dann, wenn stinkende LKW dich im Millimeterabstand überholen.
 
Egal. Weiter gehts zum Tatamarina See. Einmal drum rum fahren und dann hat es sich auch schon mit dem vormals als Badesee des Königs genutzten Vulkankraters. Der Rundweg ist zwar nicht der allerbeste, aber wenn ich das Hin- und Her um den Bergwerksee sehe - hier kann man was machen, ohne dass einem die Satzung einen Strich durch die Rechnung macht. Und wenn’s nur Wäsche waschen ist, was zugegebenermaßen der Hauptzweck des Sees zu sein scheint. Auf der Rundfahrt treffe ich eine Dorfbewohnerin, die mich über, in Form von Reisterassen angelegte Felder, zu einem Wasserfall führt. So wurde aus der Radrundfahrt plötzlich noch eine Querfeldeintour durch Dreck und Matsch und Schlaglochpisten.
 
Vorbei an Bauern, die ihre Terrassen bearbeiteten, Rinnen, an deren Ende Goldschürfer ihr Glück suchen und Arbeitern die Ziegel brennen. Ein Goldschürfer erhält für ein Gramm Gold rund 3 Euro, während  ein Feldarbeiter pro Tag gerade mal einen Euro verdient. Finde den Fehler, wenn da überhaupt Gold gefunden wird. Gesehen habe ich keins. 
 
Nach weiteren zehn Kilometern erreicht man den Tritriva-See und eine Heerschar von Schülern, die alles mögliche von Steinen bis zu Alufiguren verkaufen wollen. Da nützt es auch nichts, dass der See heilig ist, die Plagegeister lassen mich nicht mehr los. Da störte es auch nicht, dass ich eigentlich gar kein Geld dabei hatte. Soll ich mir irgendwo etwas leihen, empfiehlt mir die 10 oder 12-jährige in besten Englisch. Früh übt sich, was eine Geschäftsfrau werden will.
Die Rückfahrt kombiniere ich mit einem Stadtspaziergang, der von einem heftigen Regenschauer unterbrochen wird. War das Fahrrad und der Fahrer wenigstens auch wieder sauber. Übrigens: wies der Zufall so wollte, hatte ich am vorletzten Tag nur noch ein sauberes T-Shirt, ein gelbes. Und so radle ich wie einst Eddy Mercks im gelben Trikot auf den Champs Elyssee ein. Nur dass die Tour de Madagaskar nicht in Paris, sondern in Antsirabe endet.
P.S.: Im Fernsehen läuft das Spiel Deutschland-Holland. In der 85. Minute wird der Gebetator abgestellt. Da führte unsere Elf 2-0. Als ich morgens wach werde, stand es 2-2. Hätten mal den Generator ins Stadion stellen sollen.