Sonntag, 18. November - Antsirabe

Mada sucht den Superstar

Der Tag heute ist eigentlich nicht der Rede wert. Rund 570 Kilometer per Bus von Morondava zurück ins Hochland nach Antsirabe. Oder um es in Grad Celsius auszudrücken, von 35 auf unter 20 Grad. Claude - der Koch von gestern - so höre ich, hat sich jetzt sein zweites Zebu gekauft. Denn das braucht er, um bei seiner Angebeteten, oder besser gesagt, deren Eltern landen zu können. 

In Madagaskar beginnt auch jetzt die Regenzeit und man sieht überall Leute, die ihre Hütten wasserfest machen. Was das ganze angesichts der zu erwartenden Wassermassen bringt, will ich erst gar nicht spekulieren. Einen Vorgeschmack bekomme ich mit einem heftigen Gewitter bereits jetzt. Zwar sitze ich im Trockenen, aber die Straßenverhältnisse haben sich deutlich verschlechtert.

Egal. Eins bin ich noch schuldig. Und zwar die Auflösung von MSDS - Madagaskar sucht den Superstar. Denn wenn man schon mal auf der Insel der Lemuren ist, dann muss natürlich auch der ultimative Song des Landes originalgetreu zum besten geben werden: Wir lagen vor Madagaskar.

Im Idealfall hätten sich die Einheimischen flankiert von zwei Lemuren in Schale geworfen und mich mit Gitarre und Schifferklavier kräftig unterstützt. Und das ganze muss natürlich innerhalb der 48 Stunden geschehen, die ich am Golf von Mosambik verbringe. Nun gibt es einerseits in dieser Gegend keine Lemuren, andererseits spricht hier auch kein Mensch deutsch. Und ein Crash Kurs in zwei Tagen ist hier auch nichts, womit ich die Leute begeistern kann.

Mein erster Versuch, am Stadtstrand ein Paar herumstreunende Jungs zu motivieren, scheitert kläglich. Nicht das die mit Kofferradio ausgestattete Boygroup keine Lust hätte, die verstanden auch nicht ansatzweise, was ich wollte. Und so musste vor authentischer Seemannskulisse eben selbst singen. Auch der Dreh der zweiten Zeile, für die ich mir eine rustikale Strandkneipe ausgewählt hatte, scheitert. Mit Meer und Haifischbar-Theke im Hintergrund hatte ich die originalgetreue Atmosphäre vor der Linse, allerdings ist das Publikum hier vordergründig zum Saufen als zum Dreh Deutscher Videos zu gebrauchen. Und die anwesenden Damen hätten besser zu einer Ritter-Sport Werbung gepasst. Quadratisch, praktisch, gut.

Was mir jetzt fehlte, war ein Mann (Ahoi Kameraden) und eine Frau (Leb wohl kleines Madel). Als ersten akquiriere ich Gilbert, der zwar kein Deutsch spricht, aber in Englisch mein Anliegen versteht. Nicht dass er begeistert wäre, aber im Selfiemodus lässt er sich zu einem Ahoi hinreißen. In Bob Marleys Pfeifchen-Bar sind in der Nacht auch die Dorfdamen versammelt, die ja schon von Berufswegen äußerst kontaktfreudig sind. Den Text schreibe ich auf einen Zettel und flugs wird auswendig gelernt. Also war auch die Nummer im Kasten.

Kulisse für den Refrain sollte ein zum Restaurant umgebautes Schiff am Strand sein. Trotz bester Beschreibung habe ich dergleichen nicht gefunden, sondern mich kurz vor Einbruch der Dunkelheit noch fürchterlich in der Pampa verlaufen. Kurz vor der Verzweiflung dann meine Rettung: Vor einem Haus steht eine Figur mit einem Schifferklavier und beim Herumirren komme ich in ein Dorf, wo sich in Kürze die komplette Dorfjugend um mich schart. Und wer hätt’s gedacht, einer der Jungs klimpert auf einer Schuhschachtel-großen selbst gebastelten Gitarre herum. Tja - wer diese Chance nicht nutzt ... 

Das Video habe ich ohne große Adjustierungen dann auch gleich in Facebook gestellt. Danke an Gilbert, Ivy und die Boygroup aus dem Dorf, dessen Namen wohl auf keiner handelsüblichen Landkarte zu finden ist.

P.S.: Wer in Madagaskar heiraten will, muss den Schwiegereltern mindestens zwei Zebus vorweisen können. Will also jemand die Heirat verhindern, muss er nur das Zebu klauen. Oder wie der Volksmund sagt: Bei Euch spannt man dem Nachbarn die Freundin aus, in Madagaskar das Zebu.