Freitag, 16. November - Morondava

Big MJ

Ein Tag Badeurlaub in Morondava. Und was macht man da? Erst mal wieder weg vom Meer und die Baobabs bei Tag zu bestaunen. Tagsüber sind hier weniger Touris, dafür gesellen sich umso mehr Malegassen der angrenzenden Dörfer zu mir. Insbesondere Kinder, die dressierte Chamäleons für Bonbons und Stylos performen lassen. Allerdings sind Chamäleons eher nachtaktiv und bewegen sich am frühen Morgen dafür nur durch gutes Zureden. Wenn überhaupt.

Morondava ist ein quirliges Städtchen mit einem Strand und Hafen, das wie in diesen Gegenden üblich einen Hauch von Verruchtheit mit sich bringt. In Ostafrika kommen dann noch diverse andere Hauche hinzu. Eine umtriebige, aber entspannende  Atmosphäre. Denn die Leute sind eher zurückhaltend und gemütlich und selbst die Aufdringlichkeit der Pousse-Pousse-Fahrer hält sich in Grenzen. Dafür fegt eine wirklich steife Brise durch die Stadt und belegt alles mit einer Sandschicht.
Ruhig wird es hingegen an der Strandpromenade, die innerhalb der Stadt auch eher streunende Kinder, Fischer und Segler mit selbst gebastelten Gefährten anlockt. In den wenigen Strandbars kündigen große Plakaten den Event des Monats an: Big MJ. Nie gehört, aber bei den Madegassen wohl der absolute Brüller. Für knapp einen Euro ergattere ich ein Ticket. 

Das Ticket kaufen ist aber noch der einfachere Part. Doch die Straßenkinder, die ich mir dabei gleich mit einfange, heften sich im Gegensatz zum bisherigen Eindruck wie Kletten an mich. Selbst ein Polizist muss einschreiten, aber wir sind ja auch nicht so. Die obligatorischen Bonbons habe ich nicht dabei und so löst sich die Holger & Kids Ansammlung auch schon wieder auf.

Und das Konzert? Zunächst mal finden solche Events nicht am Abend statt sondern beginnen am späten Nachmittag. Hinzu kommt noch, dass die Menge von der Vorband weniger angetan ist, ungläubig verharrt und sich lieber was zu trinken holt. Dafür wird es umso lauter und die Stimmung beginnt wirklich zu brodeln, als der liebe Big MJ auf die Bühne kommt. Afro Hip Hop ist sein Metier und damit nicht unbedingt das meine. Allerdings sorgen gerade die afrikanischen Elemente dafür, dass mein Euro doch keine komplette Fehlinvestition. Außerdem hat der Afrikaner bekanntlich Rhythmus im Blut und alleine do einen Event zu beobachten, ist die ganze Sache schon wert. Nach einer Stunde habe ich genug gehört und teste lieber das beginnende Nachtleben aus.

Morondava hat drei Arten von Kneipen. Die klassischen Restaurants in Bambushütten am Strand, dunkle Löcher, wo sich die Einheimischen treffen und wo es das mit Abstand kühlste Bier gibt und dann die Bars in Gärten, wo sich Backpacker, Prostituierte, zwielichtige Gestalten oder ich treffe. Genau in dieser Reihenfolge sollte der geübte Nachtschwärmer auch vorgehen, denn in genau dieser Reihenfolge schließen die Kaschemmen auch. Dabei ist es von Vorteil, am Rand der Promenade zu beginnen und sich ins Zentrum vorzuarbeiten. Denn bei aller Freundlichkeit sind auch in Madagaskar genügend Schurken am Werk, für die der deutsche Tourist das richtige Opfer ist. Und bekanntlich werden hierzulande Streitigkeiten eher mit der Machete als mit guten Worten erledigt.

Von Kneipenbummel schreibe ich dann auch morgen mehr, denn heute war ich nich kn ganz anderer Mission unterwegs. Wer kennt nicht das Lied der Seeleute, die einst vor Madagaskar lagen und die Pest an Bord hatten. Gut, es war nicht die Pest, sondern Typhus. Aber das reimt sich nicht so gut. Also nix wie ins Getümmel und nach Motiven und vor allem stimmesfrohe Sänger gesucht. Ein hoffnungsloses Unterfangen, aber bis auf den Refrain habe ich mit freundlicher Unterstützung der hiesigen Bewohner schon das Meiste zusammen. Und einen Tag bin ich ja noch vor Ort.

P.S.: Das Madagaskar-Lied ist übrigens aus dem russisch-japanischen Krieg um 1905 entstanden. Was auch immer der Hintergrund hierfür ist, aber das ist nicht viel anderes, als wenn ich zwecks Lösung häuslicher Streitigkeiten zum Duell in die Südsee bitte.