Donnerstag, 15. November - Baobab Allee

Baobab mit Kater

Heute nur zwei Themen: Baobabs und Muskelkater. Zu ersterem kommen wir später zu letzterem jetzt. Klettertouren sind ums mal freundlich zu formulieren eher ungewöhnlich für mich. Doch während ich am Abend wieder quicklebendig war, sollte die Rache der Tsingys am folgenden Morgen unerbittlich sein. Muskelkater links, Muskelkater rechts, Muskelkater überall. Ich wusste gar nicht, dass ich soviel Muskeln habe.
 
Dabei ist die Katze doch ein flinkes Tier, während der Muskelkater jegliche Bewegung schmerzlich ad absurdum führt. Und die dann insgesamt 12-Stündige Fahrt nach Morondava trägt auch nicht zur Besserung der Lage bei. Über die letzten bergigen Regionen geht es auf typischer, aber nervtötender Buckelpiste gen Süden. Entspannt man sich allerdings ein paar Augenblicke zu sehr oder droht gar einzuschlafen, kann das schnell mit blauen Flecken bestraft werden. Vorbei an kleinen Dörfern, in denen wieder deutlich zu erkennen ist, dass die Menschen nichts besitzen außer den Kleidern, die sie am Leib tragen. 
 
Zwischenstation: Kirindy Forest. Hier gibt es die einmalige Chance einen der Fossa zu beobachten, welche von der Parkverwaltung fast als Haustiere gehalten werden. Diese niedlich aussehenden Tiere, eine Mischung aus Katze, Hund und Lemur neigen allerdings zu aggressivem Verhalten, weshalb vor einem Streichelversuch ausdrücklich gewarnt wird. Auch wenn mein Exemplar faul im Schatten herumliegt und wirkt, als würden ihm die mittlerweile exotischen Temperaturen ordentlich auf den Pelz schlagen.
 
Und so holpern wir weiter zur Baobab-Allee. Die beeindruckenden Riesen stehen stramm und mächtig überall in der Gegend, konzentrieren sich aber dann entlang der Straße zu einer rund 200 Meter langen Allee. Morgens ist es hier verlassen mystisch, zum Sonnenuntergang wie heute tummeln sich jedoch rund 50 herumirrende Touris - alle auf der Suche nach dem Foto ihres Lebens.
 
Am Straßenrand werden kleine Baobab-Miniaturen aus Palisanderholz verkauft, daneben Affenbrotbaumnüsse und theoretisch auch den daraus gewonnenen Saft. Denn der Baobab dient auch als Nahrung für die Lemuren und heißt daher Affenbrotbaum. Obwohl Lemuren gar keine Affen sind. Saft war leider nicht im Angebot. Schade. Man kann eben nicht alles haben. No Sunset, no Juice...Allerdings ist der Zauber auch schon fünf Minuten nach Sonnenuntergang wieder vorbei. Denn der Weg nach Morondava ist noch weit und im Dunklen zu fahren macht in Afrika keinen Spaß und gibt nur blaue Flecken. Besonders für die unbeleuchteten Zweiradfahrer, wenn sie von einem Allrad-angetriebenen Jeep umgenietet werden.
 
Die Strecke führt übrigens auch noch an zwei Sonderexemplaren vorbei. Den eng umschlungenen Liebenden Baobabs und dem ältesten Baum der Region, dem heiligen Baobab. Umwickelt von Tüchern steht der Baum auf einem Gelände, dessen Betreten strengstens verboten ist. Allerdings sind die Strafen hier drakonischer als die Hinweisschilder und so werde ich Wüst zurückgepfiffen, als ich das Grundstück quasi auf leisen Sohlen betrat. Klingelbeutelspende inbegriffen. 
 
Mit der Ankunft in Morondava erreiche ich schließlich das Meer, den Golf von Mosambik. Kein Badeparadies im klassischen Sinne, aber gleich ein erster Stopp, um die Füße in das warme Wasser und den wahnsinnigen Sandstrand zu stecken. Kleine Bars, lustige Leute und merkwürdige selbst gebastelte kleine Segler bestimmen das Ambiente. Es ist Zeit, wieder einmal auf eine Kneipenbummel-Entdeckungstour zu gehen. Erdtmals sehe ich Katzen im Land. Wissen die etwa, dass ich einen Kater namens Muskel dabei habe? 
 
P.S.: Am Baum der Liebenden Baobabs mal wieder ein Klassiker. Warum pflanzt man neue Bäume? Weil die Alten keine Jungen kriegen...