Mittwoch, 14. November - Tsingy

Gipfelstürmer

Zwei Nächte in Bekopaka. Der kleine Ort heißt übersetzt großer Kampf, wer immer auf diese tollkühne Idee gekommen ist. Denn hier sieht es nach allem aus, nur nicht nach Kampf. Und den einzigen Kampf, den es hier gab, war der meine mit den großen Tsingys. 

Und ohne Witz, heute habe ich meine Prüfung im alpinen Bergsteigen gemacht. Und so geht es mir denn auch. Eine Höhle und bisschen Wandern, das war angesagt. Tatsächlich aber mussten rund fünf Stunden lang Berge und sonstige Lustigkeiten erklommen werden. Denn gleich zu Beginn packte unser Guide zu meiner Überraschung jede Menge Sicherungsmaterialien aus wie ich sie zum Beispiel mit den in Deutschlands Kletterwäldern genutzten Karabinern gesehen habe. So langsam dämmert es mir, dass es vielleicht mehr als nur ein bisschen Wandern ist.

Bis zum Beginn der eigentlich Tour sitzt man aber erst nochmal 1,5 Stunden im Fahrzeug.
An einigen Stellen setzte der Jeep auf, so dass man aussteigen musste, um die Hindernisse zu überqueren. Eines der Fahrzeuge musste sogar  vor der Strecke kapitulieren.

Nur wenige der vielen Flussbetten führten Wasser. Die Fahrt ist jedenfalls nervtötend, die Piste in einem erbarmungswürdigen Zustand. Und das zur Trockenzeit, in der Regenperiode kommt hier keiner durch. 

Nach einem Warm-Up durch die Savanne ging es zügig in Richtung merkwürdiger Felslandschaften. Wer Höhenangst hat, für den ist die Tour nix. An Karabinern befestigt wird nun geklettert und ich kann mir in etwa vorstellen, dass ein Sturz auf diese scharfkantigen Spitzen eher nicht so glimpflich ausgehen dürfte.

Auf dem "Gipfel“ wartet dann aber eine einzigartige Mondlandschaft und die Erklärung, dass Tsingy soviel wie Fußspitzen bedeutet. Nicht nur oben und im Tageslicht ist die Tour beeindruckend. Eine Höhlentour ist tatsächlich mal eine Höhlentour. Dunkelheit, kriechen, klettern, quetschen. Alles ist irgendwie dabei und am Ende sind die 6 km anstrengender als gedacht, zumal es auch keinen Point of No Return gibt. Wer einmal mitten im Geschehen steckt, der will nur noch nach vorn, aber garantiert nicht das gleiche zurück. 

Nach der Kühle in den Höhlen erschlägt einen die Hitze draußen mal kurz. In der Sonne ist es jetzt eine beinahe unerträglich und so bin ich extremst platt, als die Tour zu Ende ist. Einer der Höhepunkte ist übrigens die Überquerung der Felsspalten auf einer klappernden Hängebrücke. Während sich selbst erfahrene Bergwanderer vor der Brücke zieren, ist das für für mich der angenehme Teil, endlich mal nicht an der Wand herumzuklettern und ins Gewirr der in sich verheddernden Karabiner zu geraten. 

Doch während in jedem Park dieser Welt auf den erschöpften Wanderer ein kühles Getränk gewartet hätte, gab es hier absolut nichts dergleichen. Nochmal über eine Stunde ausgelaugt und verdurstend bis zum Hotel und dann? Genau! Ein großes THB!

P.S.: Nach 100 Kilometern Buckelpiste folgen 100 Meter asphaltierte Strecke. Erste Maßnahme der Verkehrsbehörden: Eine Schwelle zur Geschwindigkeitsreduzierung!