Donnerstag, 8. November - Andasibe

Lemuren-Hopping

In Madagaskar gibt es über 100 Lemurenarten vom kleinen Mausmaki bis zum Schimpansen-großen Indri, der der guten Ordnung halber gleich zweimal Indri heißt, also Indri-Indri. 

Am frühen Morgen geht es dann in den Nationalpark. Erster Eindruck: Es herrschen raue Sitten in Madagaskar, an einer Kontrollstelle zu Beginn des nördlichen Parks steht ein Hinweisschild, dass das Betreten ohne gültiges Ticket mit sechs Monaten Gefängnis bestraft wird!

Ok, ich habe ein Ticket. Und wir sind kaum 10 Minuten unterwegs, dann wird wird es schon laut.  Mit ohrenbetäubendem Lärm brüllen sie bis in drei Kilometer Entfernung und informieren sich gegenseitig über ankommende Touristen. Wir schleichen über einen Nebenpfad steil bergab über einen Bach und wieder steil bergauf. Allerdings sitzen die Lemuren nicht auf dem Präsentierteller fürs Fotoobjektiv, sondern verkriechen sich in den obersten Baumkronen. Man kann knipsen was man will, es ist immer ist ein Ast oder Zweig davor.

Also richtet sich der Blick stundenlang nach oben in die Baumkronen. Lemuren sind im Vergleich zu den Affen angeblich eher dumme Tiere, was sich am Verzehr von Bananen ablesen lässt. Der Affe schält die Bananen, der Lemur frisst die Schale mit. Sollte jemand zu Hause die Banane mit Schale essen, dann die Person niemals als Affen, immer als Lemur beschimpfen. 

Doch nach einer gewissen Zeit stellen sich erste Erfolgserlebnisse ein: wir erwischen eine Familie von braunen Lemuren beim morgendlichen Schwung durchs Geäst. Der Guide geht jetzt aufs Ganze. Niemand geringeren als den Indri Indri vermutet er in unmittelbarer Nähe. Täuschend ähnlich imitiert er immer wieder seinen Ruf um ihn anzulocken. Und dann sitzt er tatsächlich vor uns, wie auf dem Präsentierteller. Mal mit und mal ohne Nachwuchs. Denn im Oktober werden die Jungen geboren und im November sieht man daher die meisten Tiere im Doppelpack. 

Vier Stunden geht es auf glitschigen Boden weiter, der Guide möchte und offensichtlich jeden Lemur einzeln vorstellen. Graue, schwarz-weiße, rot-braune, orange-schwarze, in allen Schattierungen mit und ohne meterlangen Schwänzen drängeln sich vor das Objektiv. Wie gesagt, dank des Guides, denn im Prinzip ist im Regenwald nichts zu sehen, wenn man nicht durch ein geübtes Auge darauf aufmerksam gemacht wird.

Am Nachmittag Teil zwei, nur dass es jetzt in einen privaten Lemurenpark geht. Dieser liegt auf auf einer kleinen Insel, zu der man mit einer Pirogge übersetzen muß. Die ersten Lemuren kommen sofort angesprungen, als hätten sie auf mich gewartet. Offensichtlich hat sich meine Ankunft unter den Lemuren herumgesprochen, denn es werden immer mehr - zuerst weiß-schwarze, danach braune die sofort auf den Rücken springen, wenn man entsprechend steht. Manche haben Hauch wieder Ihre Baby-Lemürchrn dabei. Irgendwann kommen die kleinen Bambuslemuren und am anderen Ufer beobachten mich Sikafas, größere Tiere in schwarz, weiß und braun-Orange.

P.S.: Am Abend gibt es einheimischen Rum mit Vanillegeschmack. Was zu später Stunde noch lecker schmeckt, zeigt am folgenden Morgen bei der Fahrt die Serpentinen entlang doch erhebliche Nachwirkungen.