Mittwoch, 7. November - Andasibe

Lemuren-Spotting

Raus aus Tana, rein ins malegassische Landleben. Nach einem Stopp am alten Königspalast der Erkenntnis, dass die drei madagassischen Königinnen des 19. Jahrhunderts sogar noch einen Schuss blutrünstiger waren als ihre vergleichbaren absolut herrschenden Kollegen in Europa geht es Richtung Osten die Nationalsstraße R7 entlang. Sie führt durch Berge und grünste Täler sowie Dörfer, in denen sich das volle Leben am Straßenrand abspielt. 

Ich gönne mir öfter mal ein Päuschen für kleinere Dorfspaziergänge. Die Dörfer bestehen aus überwiegend gemauerten  Häusern und einige Holzhütten und sind so ganz anders wir die archaischen Hüttenansammlungen in West- oder Zentralafrika. Dazu wird das Objektiv meiner Kamera von Solaranlagen angezogen, die scheinbar zum Betrieb von Bahnschranken errichtet wurden. Die Schranken sind noch da, nur fährt da seit ca. 10 Jahren kein Zug. Egal, das Geld kam bestimmt irgendwie angeflogen und da hat man es halt verbaut.
An einer weiteren Kurve halten wir an, um die zweistöckige Bauweise der Bauernhäuser anzuschauen, werden aber plötzlich auf ein Chamäleon aufmerksam gemacht. Danach sehen wir selbst noch mehrere. Das zeigt schon, dass man im Grunde einen Guide benötigt, der mit offenen Augen uns Blinden die Dinge zeigt. In den Parks sind sie eh obligatorisch, der Staat schafft so ein paar allerdings auch sinnvolle Arbeitsplätze.
Ein Stop noch beim Reisstrohdreschen, dann  ein eigentlich bekannter Schock. Kurz hinter dem Abzweig fällt eine Komplettrodung des Waldes auf, direkt vor Ort wird die Holzkohleproduktion aufgenommen. Die Regenwaldvernichtung hat auch in Madagaskar schon längst bedrohliche Züge angenommen. Mehr als 80 (!!!) Prozent des Waldes sind bereits vernichtet mit unübersehbaren Problemen für Ökologie und Tierwelt.
Doch dann bin ich da - im Andasibe-Nationalpatk. Im Dickicht des Regenwalds suchen ich jetzt zwei Tage nach Madagaskars berühmtesten Einwohnern: den Lemuren.
Als erste Einstimmung für die Lemuren-Action ist am Abend eine Nachtwanderung angesagt. Mit Taschenlampen leuchten wir von der Straße in den Wald und suchen nachtaktive Tiere. Alle paar Minuten springen wir in den Graben, da ein Auto oder LKW entgegenkommt. Ich frage mich, wer hier eigentlich wen beobachtet. Dennoch finden wir daumengroße Frösche auf Blättern, Chamäleons und sogar einen Mauslemur. Tolle Fotos mache ich aber nicht. Und so schaue ich mir auf dem Display der anderen Teilnehmer später an, was ich gesehen hätte, wenn ich was gesehen hätte. 
 
Rund eineinhalb Stunden traben wir so herum und sehen zumindest einen Lemur. Lediglich am Schluss gelingt einer Teilnehmerin ein sagenhafter Schnappschuss, den ich mir gleich kopiere. Insofern ein guter Abschluss eines langen Tages, der wieder mit den berühmten Three Horses endet, dem sagenhaft guten madagassischen Bier für 1,25 in der Zweidrittel-Liter-Flasche. Da würde selbst das Frankfurter Wasserhäuschen in der Kaiserstrasse vor Neid erblassen.Und auf dem Speiseplan steht Zebu-Steak. 
 
P.S.: In Madagaskar bedeutet, so erfahre ich heute die Bezeichnung blau Schönheit. Vielleicht hat die Polizei in Antananarivo was ganz anderes gemeint, als sie sagte ich wäre blau.