Dienstag, 6. November - Nachts in Tana

Lösegeld

Wer hätt’s gedacht, kaum hatte ich meinen letzten Blog im Kasten, hätte ich bereits einen neuen schreiben können. Von korrupten Polizisten und Lösegeldverhandlungen auf der Strassentreppe.

Was war passiert? Rund 500 Meter vom Hotel hatte ich meine Stammkneipe etabliert. Genau - das mit dem Fleischfresser. Zu Fleisch und tollen Cocktails gab’s zudem noch eine 1A live Übertragung aus der Champions League. Nachdem ich mir die Pleite des FC Liverpool in Belgrad ansehen musste, harrte ich der Dinge aus Sevilla. Dort verlor der BVB ebenso ruhmreich und ich packte meine Siebensachen. 

Die Straße runter, zweimal links, und ich bin im Hotel. Soweit die Theorie, die Praxis sah freilich anders aus. Als ich zwei Polizisten die Straße entlang patrouillieren sah, wechsle ich die Seite. Die Polizei zufälligerweise auch. Ich hätte wissen sollen, dass Touristen um diese Zeit ein gehaltsaufbesserndes Freiwild sind. In für mich unverständlichem Französisch werde ich zurechtgewiesen. Und eins ist klar. Beim Test Nummer eins, wo ist mein Pass, bin ich schon mal durchgefallen. 

Mein Hinweis, doch noch die hundert Meter zum Hotel zu gehen und den Reisepass zu checken wird ignoriert. Und vor allem, nachts (wann immer hier die Definition von nachts greift) hat ein Tourist nichts auf der Straße zu suchen. Minutenlang versucht mir einer der Beiden mit Blick auf seine Uhr klar zu machen, dass sich so was nicht gehört. Und mein Tippen auf meine nicht vorhandene Uhr, dass es doch noch gar nicht so spät sei, trägt zur Eskalation auch nicht bei. 

Gebetsmühlenhaft erkläre ich, doch einfach zum Hotel zu gehen. Und ergreife selbst die Initiative, in dem ich einfach los gehe. So schnell waren noch nie zwei Maschinengewehre simultan auf mich gerichtet. Angesichts der Waffenungleichheit drehe ich um, um gleich mit einem weiteren Vorwurf konfrontiert zu werden. Ich sei betrunken und das ist ja gleich gar nicht erlaubt. Da wir mangels Pass und sprachlichen Kommunikationsproblemen in einer Sackgasse gelandet sind, kommt einer der Freunde zum Thema. Man könne zum Kommissariat, sprich Polizeidirektion gehen oder der Einfachheit halber einen Obolus doch an Ort und Stelle entrichten. Das Problem dabei, ich hatte nicht nur keinen Pass dabei, meine Kröten hatte ich komplett in der Kneipe ausgegeben. 

Unter diesen Umständen werden die Polizisten massivst ungemütlich, denn sie gehen davon aus, dass ich sie für dumm verkaufen will. Mit gezückter MG vor der Nase verhandeln wir mittlerweile auf einer stockdunklen öffentlichen Treppe. Mein Credo: Pass im Hotel, Cash im Hotel, lets go. Ihr seid doch die Polizei. Die Taktik wirkt und ich fühle mich beim Betreten des Hotels erstmal sicher. 

Der Rest fällt unter die Rubrik Comedy. Draußen die Korruption in Form der Polizei, die alles unterlassen haben, das Hotel zu betreten. Drinnen ich und der Nachtportier. Der wird zu seinem Leidwesen unverhofft zu meinem Verhandlungsbevollmächtigten. 80.000 Kröten soll ich berappen, richtet mir der Nachtportier von draußen zurückkommend aus. Und nachdem er mehrmals zwischen mir und dem malegassischen Inkasso hin und her gependelt ist, einigen wir uns auf 50.000 Kröten. Mit der erfolgten Lösegeldzahlung von umgerechnet 12.50 Euro wird mir um vier Uhr morgens ausgerichtet: You can go sleep!

P.S.: Irgendwie hatte ich den Eindruck, die beiden Polizisten spielen Good Cop und Bad Cop mit mir. Und ich? Blöd Kopp

P.S.: