Samstag, 3. November - Antananarivo

Wir fliegen nach Madagaskar

Wir lagen vor Madagaskar... Wer kennt ihn nicht, den alten Gassenhauer der auch heute noch bei allerlei Kirmesrundfahrten und sonstigen Anlässen gesungen wird. Heute lag ich nicht vor Madagaskar, sondern war im Anflug darauf. 

Nach zehneinhalb Stunden landet die Air France   aus Paris kommend in Antananarivo. Es war seit dem Nonstop Flug nach Los Angeles vor über 20 Jahren der wohl längste Aufenthalt in einem Flieger. Aber ich saß die Zeit brav ab, das Unterhaltungs- und Gastronomieprogramm der Air France ist zwar überschaubar, aber dafür muss man auch nicht auf die Toilette. Überhaupt laufen Flüge nach Afrika für mich immer nach dem gleichen Schema ab. Ein 6 Uhr Flieger nach Paris und am Gate L steht die ganze Armada von Boing und Airbus bereit, um zwischen 10 und 12 Uhr vormittags ganz Afrika zu erobern. Nach Niamey, Yaounde und Bamako der vierte Trip auf diese Weise, auch die größten Abenteuer werden irgendwann zur Gewohnheit.

Der Landung gegen Mitternacht folgt eine Invasion. Über 500 Passagiere stürmen aus der 777 in das kleine Flughafengebäude. Und hier geht es mit preußischer Disziplin zu, keine Spur von afrikanischer Gemütlichkeit. Erste Station Gesundheitscheck, Pest und andere Seuchen sind hier noch allgegenwärtig. Kein Wunder, dass in der Schlange auch jede Menge Ärzte und Krankenschwestern mit Namen und Berufsbezeichnung auf dem Poloshirt stehen. Dann zahlt man für das Visum, um am dritten Stop die Einreisepaiere zu erhalten. Wie gesagt, alles sehr diszipliniert, nur am Zoll ein Chaos ohne Ende. 

Um meinen Rucksack überhaupt durch den letzten Check zu bekommen, wird von mir unverhohlen ein Bakschisch gefordert. Allerdings weist das System Lücken auf, denn Geld kann man erst nach der Zollkontrolle wechseln. 

Im Gegensatz zu jedem vorherigen Flug nach Afrika fiel mir doch die hohe Anzahl an Europäern oder schlichtweg Weißen auf. NGOs und doch auch jede Menge Touristen. In der Empfangshalle stehen unzählige Touranbieter und begrüßen ihre Gäste mit einem Schild. Auf mich wartet keiner, denn ich habe weder einen Tour noch einen Transfer zum Hotel gebucht. Das soll nämlich ein Urlaub werden, bei dem Route und alles weitere vor Ort entschieden wird. Die Seeleute von früher, genau - die mit der Pest an Bord - hatten auch keinen Touroperator und auf diesen Spuren will ich mich die kommenden zweieinhalb Wochen bewegen. 

Ich schnappe mir ein Taxi und fahre in die Innenstadt. Madagaskar ist arm und die Kriminalität nicht zu unterschätzen. Dennoch wage ich mich um halb zwei Uhr nachts aus dem Hotel, ein Bier auf Madagaskar muss noch drin sein.

Jedes Land, ein neues kühles Blondes. Hier heißt das Licher nämlich THB und hat drei Pferde auf dem Logo: „Three Horses Beer - Brasseries Madagascar“ steht auf den Glas. Zumindest der zweite Teil lässt darauf schließen, dass es demnächst noch einiges an Verständigungsproblemen geben wird. Denn die Madegassen sprechen kein Englisch, hier ist die Landessprache Madegasy oder eben Französisch angesagt - und von beidem habe ich nicht den geringsten Plan.

P.S.: Trotz französischer Sprache und englisch sprachigen Bier fällt mir ein Plakat sofort ins Auge. Oktoberfest in Antananarivo. Was die Bayern können, können die Madegassen scheinbar auch. Ich bin gespannt auf die nächsten Tage...