Freitag, 11. Mai - Kezenoy An / Machatschkala 

Rumbeldibumbel

Rumbeldibumbel - weg war der Kumpel. An diese Weisheit unbekannten Autors musste ich mich erinnern. Denn es sollte nach einem 5 Uhr Morgen-Hike vom See Kezenoy An nach Machatschkala am Kaspischen Meer gehen. Nach einen Drittel der Strecke und mitten in Dagestan werde ich von einem ziemlich unangenehmen Geräusch aus dem Halbschlaf gerissen. In nur geringer Distsnz stürzt vor unserem Bus eine Fels- und Gerölllawine den Hang hinab über die enge Straße weiter hinunter ins Tal.

Ein Weilchen früher und die Lawine hätte wohl unserem Kleinbus eine Abkürzung verschafft und das Gefährt samt Inhalt gleich mit ins Tal katapultiert. Zugegebenermaßen waren wir alle erstmal geschockt. Das wesentlich dümmere aber dabei war, dass die Geröllmassen eben nicht hinter, sondern vor uns herunterprasselten. Noch 15 Minuten später rieselte es den Gang hinunter, was nichts anderes hieß, dass die Straße auch nicht ansatzweise passierbar war. 

Was nun?, hätte jetzt nicht nur Zeus gesprochen. Von der Logistik her war es das schlimmste, was passieren konnte und vor allen Dingen: wie und wann sollte es weitergehen. Zurück nach Grozny und dann einen riesigen Umweg fahren? Oder warten, bis die Straße freigegeben wird. Mitten in der Pampa verfolge ich ungläubig das Geschehen. Zudem wird mir schon schnell klar, dass heute womöglich gar nichts mehr passiert. Es ist Freitag und Dagestan ist muslimisch.

Zwischenzeitlich bilden sich auf beiden Seiten kleine Staus und Gott und die Welt scheint mit Gott und der Welt zu diskutieren. Und dass noch nicht mal in Russisch, denn das wird hier von den wenigsten überhaupt gesprochen. In einer solchen Situation gibt es nur eine Option: Abwarten und Cola Zero trinken. Und es passierte was, zumindest was die öffentlichen Verkehrsmittel betrifft. Denn wenn ein Bus nicht von A nach B kommt, kommt der andere nicht von B nach A. Warum also tauschen die Leute nicht in beiden Bussen und jeder fährt mit dem jeweils andern Bus weiter.

Das einzige Problem war dann noch über das Geröllfeld zu kommen. Doch der Kaukasier kennt keinen Schmerz, packt seine sieben Sachen und stapft durch den auf der Straße befindlichen Schotterberg. Doch während die Einheimischen gemütlich den Weg passieren, sehe ich zu, so schnell wie möglich auf die andere Seite zu kommen. Mit stundenlang Verspätung sollte es weiter gehen.

Ansonsten gibt es über den Tag nicht viel zu erzählen. Das Etappenziel gestern war der See Kezenoy An an der Grenze zwischen Tschetschenien und Dagestan. Wunderschöne Landschaften, für deren Erwandern viel zu wenig Zeit eingeplant war. Und interessante Dörfer, in denen man auch noch ein paar Tage länger hätte bleiben können. 

In Erinnerung bleibt auch noch der Besuch in Argun in der Herz-der-Mutter-Moschee, die an einen goldenen Brummkreisel mit vier Minaretten erinnert. Im inneren ein LKW-großer Kronleuchter, aber weit und breit kein Gläubiger oder Personal zu sehen. Es soll die Geschichte geben, dass hier mal ein Wärter einen für Moscheen ungewöhnlichen Handy-Klingelton hatte: 7 Fässer Wein. Vermutlich wurde er deshalb gefeuert und kann die Fässer nun alleine austrinken. 

Doch soweit, so gut. Am späten Abend erreiche ich Machatschkala, die Hauptstadt von Dagestan am Kaspischen Meer. Dagestan soll ja als Keimzelle des Terrorismus in Russland gelten. Wäre es anders, würden sich hier deutlich mehr Touristen tummeln. Denn Dagestan hat einiges zu bieten. Doch heute gehe ich erst mal einen trinken. Quasi den Schreck von heute Vormittag mit etwas Wodka herunterspülen. Nasdarowje!

P.S.: Beim Wandern im Kaukasus wollte ich eine Abkürzung nehmen. Was mir verboten wird. Da drüben seien Usbeken, die schießen auf alles. Oder wie es im Kaukasus heißt: Shoot first, apologize later!