Dienstag, 28. November - Limbe, Douala

Fischmarkt

Nach einer Nacht mit allerlei Getier im Zimmer startet heute der letzte Tag. Es müssen noch Briefmarken und Postkarten besorgt werden. Was nicht ganz einfach ist. Mit dem Versenden von Briefen hat man es hier nicht so, so dass mich die Dame am Schalter derart verblüfft anschaut, als hätte ich ihr gerade ein unmoralisches Angebot gemacht. Und mit der Postkartenauswahl habe ich gar kein Problem. Es gibt mangels Touristen nur ein hässliches, vergilbtes Motiv, was wohl im Laufe der Jahre übrig geblieben ist. Dafür bietet der Laden, das Prescraft Handwerkskunst zum fairen Preis ohne das nervige Feilschen wie auf den Kunsthandwerksmärkten, den so genannten Artisanaten.

Ein ruhiges Plätzchen zum Karten schreiben finde ich im Hafen des Ortes, an dem täglich Fischmarkt abgehalten wird. Der Hafen ist ein langgezogener, schwarzsandiger Strand, auf dem einige Boote liegen, aus denen heraus die Fischer ihren Fang direkt verkaufen. Nach und nach kommen weitere Boote herein und das Fischsortiment wird unüberschaubar. An allen Ecken wird gebrutzelt und kühles Bier serviert. Was liegt da näher, als am letzten Tag am sauberen Strand vor einer romantisch vor sich hin rostenden Landungsbrücke noch eine kleine Beachparty hinzulegen. Quasi St. Pauli und Goldstrand zusammen.

Es ist Mittagszeit und horrend schwül. Vom Duft von gegrilltem Fisch lasse ich mich dann auch weniger inspirieren als von den erfrischenden Produkten hiesiger Brauereien mit teils deutscher Vergangenheit wie Mützig oder Isenbeck. Doch der Renner ist hier ein Exportbier mit dem einprägsamen Namen "33".

Während ich an meiner 33 in der kundengerechten 0,65 Liter Flasche nuckle, fällt der Blick auf eine einige hundert Meter vor der Küste stehende mächtige Bohrinsel, die ihre langen stählernen Beine gen Himmel reckt und damit das Strandbild schön verunstaltet. Kamerun ist wenn auch in bescheidenem Maße ein Ölexport-Land.Wann da nach Konzessionsverträgen mit China noch was übrig bleibt. Es ist aber schon ein kurioser Anblick, wie da draußen die Einbäume der gegen die Wellen paddelnden Fischer an diesem Stahlmonster vorbeigleiten. Hier prallen Jahrhunderte aufeinander.

So plätschert die Zeit dahin. Es ist ein völlig neues Urlaubsgefühl, war ich doch nunmehr 14 Tage von frühmorgens bis in den Abend hinein rund um die Uhr auf Achse. Auch lassen Hitze und 33er Kinsum ihre Spuren, so dass die Rückfahrt nach Douala eher nach dem Motto verläuft: Eine Busfahrt, die ist lustig ...

Die auf dem Weg befindlichen Kautschuk- und Ölpalmenplantagen werden zum Ärger des Fahrers, der uns noch was zu beidem mitteilen wollte ignoriert. Die letzten Kilometer durch Industrieviertel erweisen sich dann nochmals als "Africa at its worst". Wollte man annehmen, dass die Straßen besser würden, je mehr man sich dem Wirtschaftszentrum des Landes nähert, so erweist sich die Realität als das Gegenteil dessen. Wie schadhaft das breite Asphaltband ist, über das sich eine ungeheure Zahl von PKWs, LKWs und Motorrädern quält, ist nicht in Worte zu fassen. Dazu Stau, Stau, Stau und das alles mit Tonnenweise Abgasen garniert.

Wie friedlich, geradezu paradiesisch ist es dagegen in der der deutschen Seemannsmission. Da der Flug nach Paris erst kurz vor Mitternacht geht, nochmal eine letzte Oase zum relaxen. Hier treffe ich auch den Missionspfarrer, den es nun schon 14 Jahre aus dem beschaulichen St.Pauli in den Moloch Douala verschlagen hat. Ob die rote Nase noch ein Relikt aus Hamburger Zeiten oder lokalen Getränkespezialitäten zu verdanken ist, erfahre ich nicht mehr.

P.S. Am Strand von Limbe treffe ich erstmals seit dem Aufenthalt im Norden wieder einen Uniformierten der Antiterroreinheit mit dem Namen B.I.R. Ich revanchiere mich für die Sause in Marua mit einem Bier. Oder wie das hier jetzt heißt: Frei-B.I.R.