Montag, 27. November - Kumba, Limbe

Beach ohne Party 

Heute düst unser Buschtaxi weiter nach Kumbo. Ein schon vollbeladenes Vehikel steht zur Abfahrt bereit, doch wie sich herausstellt sind schon alle Plätze vergeben. Da es sich um keine vielbefahrene Strecke handelt und ich nicht weiss, wann die nächste Fahrmöglichkeit besteht wird die Karre einfach genommen. Die Alternative wäre eine Transportmöglichkeit in einem mit 50 kg Getreidesäcken vollbeladenen Gefährt gewesen. Da hätte ich mich sicherlich nicht mehr dazwischen gequetscht.

Erstes Ziel war ein Kratersee Nähe Kumba. Man fährt bis es nicht mehr weiter geht, läuft so zwei Kilometer und steht dann erstmal dumm herum. Am Ufer sitzt ein Ruderer in seinem Einbaum und wartet, darauf Güter oder Personen die Diagonale von rund 2,5 Kilometer über den See zu transportieren.

Und wenn man angekommen ist, ist man dort, wo man auch schon war. Irgendwo im Nirgendwo. Nur halt in einem anderen Nirgendwo. Dafür gibt es in den Ausläufern des Regenwaldes doch so einiges an Flora und Fauna zu sehen. Bunte Geckos, dicke Tausendfüßler und Fische bis zum Abwinken.

Nach wenigen Metern erreiche ich bereits das Dorf und wie hier so üblich mache ich erstmal Bekanntschaft mit dem Bürgermeister. Das ist hier so und egal, was die Flitzpiepe taugt, man lädt den Herren erstmal zum Bier ein. Und so schaufele ich bereits um halb zwölf Uhr mittags die erste Flasche Kameruner Export in mich hinein. Ist ja nur eine 0,65 Liter Flasche bei 40 Grad im Schatten.

Allzuviel passiert im Dorf ohnehin nicht. Die Leite ernten Kakaobohnen, die - wenn man reinbeißt- so gar nicht nach Kakaopulver schmecken. Und dann gibt es Leute, die besitzen jede Menge Schlüssel. Zurück zur Anlegestelle in Kumba kam ich erst gar nicht, da mein Boot an ein anderes gekettet war und niemand wusste, wer den Schlüssel hat. Also musste mein Ruderer wieder ins Dorf, um von Haus zu Haus rennend den Schlüssel zu finden. Optional knackt man hier Schlösser auch mit einer Machete, aber soweit kommt es dann doch nicht.

Über riesige Teeplantagen geht es an die Atlantikküste nach Limbe. Hier ist alles grün und die Stimmung ist relaxt. Am Strand werden Getränke verkauft und man kann sich frisch gefangenen Fisch über dem Feuer zubereiten lassen. Strandleben in Afrika eben. Hier befindet sich auch einer der grössten Märkte Kameruns, mit vielen Gebrauchsgütern aus Nigeria. Aber meine einzige Errungenschaft an diesem Nachmittag ist ein Baguette beim Bäcker.

Jedenfalls sehe ich so noch etwas vom Strand, denn über die Straße, oder das, was von ihr übrig geblieben ist, bekomme ich vom Atlantik nichts mit. Ziel ist eine traumhafte schöne Bucht mit herrlich feinem Sandstrand, Beachparty und unzähligen bunt bemalten Fischerbooten. Quasi Ballermann pur, nur in Kamerun. Soweit die Theorie.

Als ich im Hotel ankomme, ist es erstens Dunkel, zweitens gibt's kein Internet und drittens haben die nur eine Flasche kaltes Bier. Meinen letzten Abend mit Strandparty, Cocktails und anderen Annehmlichkeiten habe ich mir wirklich anders vorgestellt. Als ich ins Zimmer komme, ist es eiskalt. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren und weit und breit keine Fernbedienung, das Gerät auszuschalten. So sitze ich um Iglu, während draußen die Natur gerade von 40 Grad herunterkommt. Dafür steht ein Herr an Stechmücken in Reih und Glied, um meine letzten unberührten Stellen mit ihrem Stachel zu drangsalieren.

P.S. Nach wie vor bin ich in der Separatistenregion Ambazonien. Und die Regierung blockiert das komplette Netz. Urlaub wie früher ...