Sonntag, 26. November - Buea

Der versteckte Riese

Heute geht's nach Ambazonien. Das ist nicht etwa ein Nebenfluss des Amazonas, sondern der separatistische Begriff für das englischsprachige Kamerun. Die Hauptstadt dieses Landesteils ist Buea.

Zwischendurch gab es sogar Phasen, wo der Fahrer relativ gesittet fuhr – und zwar dann, wenn ihm ein entgegenkommender Fahrer signalisiert hatte, dass Radarkontrollen auf der Strecke waren. Lange hielt das aber nie an und bald schon rasten wir wieder mit 130 Sachen durch den Regenwald, egal, ob da ein Tempolimit war oder nicht.

Die Strecke ist sehenswert, zu beiden Seiten Regenwald und jede Menge Plantagen. Bananen, Kakao, Kaffee, Kautschuks und was weiß ich noch alles. Dazu dudelt im Radio afrikanische Musik – was will man mehr an einem Sonntag morgen. Und natürlich wieder zahlreiche Straßenverkäufer, die bei jedem Stopp ihre Waren anbieten: Softdrinks, Erdnüsse, Bananen, Maniok, etc. Für Verpflegung ist also bestens gesorgt unterwegs.

Am Vormittag sind wir dann im quirligen Buea. Es ist Sonntag und das ganze Leben spielt sich in Kirchen und beim Picknick ab. Aus allen Winkeln tönen Gospels als wäre man mitten in Harlem. Zweifellos ist der Sonntag hier der Tag der Gemeinschaft. Es wird überall gegrillt und getrunken, gefeiert und palavert. Irgendwann kommt dann der Minibus oder das Buschtaxi und fährt die von weiter her Kommenden wieder nach Hause. Da finden sich dann auch mal 18 Leute im 9-Sitzer.

Allerdings ist man auch lieber unter sich. Außer von Kindern werde ich gar nicht wahrgenommen. Das war der Unterschied zu Harlem, wo ich beim morgendlichen Gottesdienstbesuch gleich als neues Mitglied der Gemeinde vorgestellt wurde. So kann man in Ruhe das große Happening beobachten, dessen Farbenpracht allein schon durch die einheitlichen Kostüme der Damen zur gGeltung kommt. Das müsste man sich mal zu Hause vorstellen. Jeden Sonntag kommt die komplette Gemeinde in Einheitskluft.

Nach Buea kommen die meisten allerdings nur wegen des Trekkings zum Mount Kamerun. Den Berg selbst hat vermutlich noch nie jemand gesehen, ist er doch auch heute wie das ganze Jahr über in dicken Nebel gehüllt.

Natürlich läuft auch hier nichts ohne Guide, zumal eigentlich nur die kleine Runde geplant war. Zu mehr hatte ich bei der immer noch hohen Luftfeuchtigkeit auch keine Lust und von der Stadt wollte ich ja auch noch etwas sehen. So bin ich letztlich heute über 20 Kilometer gelaufen, die wenigsten davon aber auf dem Berg.

Und so schlendern wir an ehemaligen deutschen Siedlungen vorbei den so genannten Guinness Trail durch den Bergregenwald zur ersten Hütte hinauf. Den hätte ich auch alleine gefunden. Aber das Übelste daran war: Dieser Weg führte im Gegensatz zu den Versprechen des Guides schliesslich bergauf, und das sehr, sehr steil … Irgendwann habe ich mich des Bergregenwalds satt gesehen und bin das ständige Bergaufschnaufen müde. Ich drehe um. Vom Berg selbst war ohnehin den ganzen Tag nichts zu sehen. Wird ihn doch keiner geklaut haben?

Beim Gang durch die Stadt komme ich am Unabhängigkeitsdenkmal vorbei. Fotomotiv für so mancherlei Hochzeitsgesellschaft. Hier wirft sich der Kameruner so richtig in sSchale, wobei die Brautjungfern deutlich mehr hergeben als die Bräute selbst. Und das Brautauto? Ein dicker Mercedes, klar.

Der Abend klingt trotz Ausgangssperre ab 20 Uhr bei ein paar kühlen Bierchen und resoluten Bedienungen aus. Wer da angetrunken herumkrakelt, bekommt es mit der Chefin zu tun. Und die zögert keinen Moment, um mit der Rohrstange zuzuschlagen.

P.S. Richtige Restaurants gibt es in Buea nicht. Aber es wird an allen Ecken was gebrutzelt. Man merkt sofort: die Engländer waren hier!