Freitag, 24. November - Douala

Rundflug für lau

Schon mal vom Scorpion gebissen worden? Nichts verpasst. Heute erst mal ein Aufschrei, als mir so ein Ding seine Scheren in den Fuß gebohrt hat. Und ein zweiter, als ich versuchte, ihn wegzuschicken. Der Scherenschleifer hatte sich derart festgekrallt, dass das Blut nur so spritzte.

Egal. Bevor es heute in den englischsprachigen Westen ging, hatte ich mich gestern nochmal ins Nachtleben von Ngoundere gestürzt. Ähnlich wie in Maroua steppt hier nachts der Bär. Pentagone hiess der erste Kabuff, der nach lokalen Kriterien wahlweise als Disco oder Lounge firmiert.

Hier trifft sich die Jugend der Stadt, zumindest die, die es sich leisten kann. Laute Musik und ein Discjockey, der hinter einem Fahrkartenschalter am Equipment fummelt. Outfit wie ein Rapper auf einem Selbstfindungstrip. Doch die Leute sind alle in Ordnung, auch wenn man bei jedem Gang zur Toilette das Gefühl hat, gleich eins mit einem Baseballschläger übergebraten zu bekommen.

Im Gegenteil: die Jungs und Mädels gieren geradezu nach Selfies mit der Wetterauer Landbevölkerung- und zwar in allen Varianten. Während unsereins in vergleichbaren Etablissements in Deutschland noch höflich gefragt wird, ob man den Club möglicherweise mit dem Weg zum Seniorenstift verwechselt hat, ist man hierzulande so interessant wie ein Elefant mit zwei Rüsseln. Die meisten haben eben noch nie einen Weißen gesehen.

Viel mehr ist aber auch nicht passiert. Bis auf eine kleine Überraschung. Als ich um Hotel ankomme, läuft da gerade eine Aufzeichnung aus der Euroleague. Köln schlägt Arsenal. Putzig.

Die nächste Überraschung ist dann eigentlich keine mehr. Weil das Drama schon vor vier Wochen. Die 700 Kilometer nach Douala wollte ich mir mit dem Auto ersparen. Auch wenn die Infrastruktur besser als im Norden ist, den zwei Tagen auf der Straße ziehe ich einen 60 Minuten Flug vor. So jedenfalls der Plan.

Stattdessen bekomme ich für 70 Euro einen Rundflug über Zentralafrika geboten. Als die erste Mail a la "Ihr Flugplan hat sich geändert" kam, hatte ich das gar nicht registriert. Meist verändern sich die Flugzeiten um ein paar Minuten, weshalb man dann alle Nase lang mit Mails beglückt wird und diese dann geflissentlich ignoriert.

Irgendwann realisierte ich dann doch, dass aus meinem 60 Minuten Flug ein Dreieinhalb Stunden Trip geworden war. Nicht dass der Flieger jetzt drei Stunden über Douala kreist. Nein - wir fliegen erstmal 600 Kilometer in die entgegengesetzte Richtung in den Tschad, um in Ndjamena noch ein paar Leute mitzunehmen. Als dann die nächste Mail mit einer Flugplanänderung kam, sollte ich nicht enttäuscht werden. Jetzt fliegen wir noch zwei Stunden mehr, weil in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik auch noch jemand abgeholt werden muss.

Ich weiß nicht was ein Rundflug über Reichelsheim kostet, Helikopterflüge über Frankfurt sind jedenfalls so um die 300 Euro zu haben. Aber für 70 Euro an einem Tag ohne Visum von Kamerun über den Tschad und die Zentralafrikanische Republik wieder nach Kamerun zu fliegen - das gibt es nur in Afrika. Und nicht zu vergessen, dass wir über Ndjamena, wo sonst den Tag über gar nichts los ist, in der Tat noch Ehrenrunden drehen mussten.

Abends Ankunft in Douala. 4 Millionen Stadt in Afrika. Das sagt eigentlich schon alles. Dazu noch eine horrende Luftfeuchtigkeit, die die Schweißporen zu Höchstleistungen animiert. Was auffällt: die Damen sind westlicher, schicker und Frisöre müssen hier ein Vermögen verdienen.

P.S.: Übernachten werde ich im von einem Hamburger Missionspfarrer geführten Seemannsheim. Hoffentlich haben die auch Astra.