Donnerstag, 23. November - Idool

On the Road again

Zurück in der Zivilisation, wenn man das denn so nennen darf. Ngaoundéré, Ausgangspunkt für einige Erkundungen in Zentral-Kamerun. Das Positive gleich vorweg: auf 1200 Metern ist es nicht so heiß wie im Backofen der letzten Tage. Hier liegen die Königreiche Kameruns: Bamun, Bafut, Bamileke.

Die Vorsilbe „Ba“ verrät ,das es sich um ein Dorf handelt, der dann von Mun, Fut oder Mileke gegründet wurde. Im lokalen Sprachgebrauch handelt es sich um Chefferien, also ein Häuptling oder was sich natürlich besser macht, um einen König. Daneben Hube es die islamischen Würdenträger, die Lamidos. Und zu alldiesen Herrschaften mache ich mich heute auf.

Jede Chefferie umfasst die Hütten der 50 bis 300 Haupt- und Nebenfrauen, der –hochgerechnet- 300 bis 2000 Kinder, der 1000 bis 1500 Enkel. So wird man Herrscher über ein ganzes Volk. Man macht es einfach. Motto: Yes we can!

Zwar sind heute die meisten Gebäude aus Beton und Wellblech. Am schönsten sind jedoch die Lamidate mit ihren beschnitzten Holzpfosten, Bambuswänden und Strohdächern. Herrlich vor allem ist das Lamidat in Idool. Hier treffen wir den Chef persönlich. Hinter den Mauern findet sich ein kleiner Schulhof. Es handelt sich um eine Koranschule, wo die Kleinen arabische Krakel auf Papier malen. Der Lamido zeigt sich als freundlicher Mann, was allerdings nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass er alle drei Gewalten in einem vereint. Rechtsprechung, Regierung und Legislative. Demokratie sieht anders aus.

Auf der Rückfahrt fällt mir zum ersten Mal das Schild mit dem schwarzen Mann auf. Frank hat die Erklärung parat: Dieses Schild warnt Autofahrer vor Gefahr und steht meist vor gefährlichen Kurven oder wie hier am Beginn einer starken Gefällstrecke. Eigentlich nur ein Verkehrsschild, aber eben ein schwarzer Mann mitten in der Provinz. So ein bisschen wie Schießfiguren bei der Polizei.

Am Nachmittag noch ein paar Besuche in den Dörfern rundum. Die jungen Damen vor Ort zieren sich immer etwas, wenn es ums fotografieren geht, aber mit dem ganzen Charme der Wetterau gelingen immer wieder gute Fotos.

Die islamischen Peulh leben als nomadisierende Viehzüchter in mehreren Ländern vom Senegal bis nach Kamerun. Als Dank für die "Foto Session" erhält jede der Frauen ein Stück Seife. Blöd nur dass die Männer nun auch was wollen und das lautstark einfordern. Ich kann mich kaum noch retten und verschwinde im Auto.

Im folgenden Dorf sind die Männer weniger fordernd. Im Gegenteil: es gibt Maniok für mich. Das ist hier Grundnahrungsmittel. Irgendwann kommt dann auch noch die Familie des edlen Spenders. Aufgereiht wie Orgelpfeifen begutachten sieben Kinder wie ich mich am Maniok abknabbere. Ziemlich bitter das Zeugs.

Ansonsten habe ich heute noch einen Wasserfall gesehen und viel Staub eingeatmet. Der Abend findet dann auf einer waschechten Ranch satt. Umringt von Rinderherden wird das Abendbier inmitten eines doch irgendwie passenden Ponderosa-Flairs serviert.

P.S.: Unser Guide ist überzeugter Christ, der den muslimischen Lamidos so rein gar nichts abgewinnen kann. Im Gegenteil: dessen Einkommen mit Viehherden und Ackerbau ist so manchem hier suspekt, oder wie es der Giudd ausdrückt: From Lamido - you never know!