Mittwoch, 22. November - N'Gaoundere

Dorftreff im Busch

Gestern war ein weniger guter Tag. Unsere Kiste hatte einen Achsenbruch und wir sind erstmals mit der Korruption der schwarzafrikanischen Polizei konfrontiert worden. Und die Freunde sind nicht gerade billig.

Nun denn: ich bin mitten in Zentralafrika, links nichts, rechts nichts, kein Handy und keine Internetverbindung. Unser Auto ist im Arsch, aber in Punkto alte Kisten zusammenbasteln sind die afrikanischen Kollegen absolut top.

Erstmal muss die Übernachtung organisiert werden. Was zwar mitten in der Pampa nicht so einfach ist, doch gibt es hier überall und selbst im muslimisch geprägten Norden katholische Missionen mit Schlafmöglichkeiten. Im Gegenteil, hier freut man sich über jeden Kunden.

Und was machst du, wenn du nicht weißt was du machen sollst? Genau, du gehst einfach ins Dorf. Denn hier steht eine Kneipe neben der anderen.

Dort ist es wie in Deutschland der 50er. Die Leute treffen sich in der Dorfkneipe und schauen Fernsehen. Während es damals bei uns aber nur ein oder zwei Programme gab, wurde das geschaut, was es gab. Hier in Afrika gibt es heutzutage hunderte von Sendern, aber nur einen Fernseher im Ort. Also wird laufend umgeschaltet, es könnte ja noch was besseres geben. Ist dann doch etwas nervig.

Was auffällt, Western, James Bond und südamerikanische Schinken sind ganz vorne auf der Liste, Filme mit schwarzen Darstellern scheinen niemanden zu interessieren. Gegen 21 Uhr ist das ohnehin egal, denn dann läuft Fußball. Egal was, Hauptsache der Ball rollt. Und so schauen alle: Brighton Hove gegen Stoke City. Da hätten die auch den TSV gegen Kaichen übertragen können, die Hütte wäre voll.

Hier im Pub findet sich alles. Die Oma mit der Enkelin, die sturzbetrunken von der Mutter des Kindes ausgelöst werden muss wie der Arbeiter, der sein Feierabendbier trinkt.

Irgendwann kommt auch noch die Kfz Innung und verkündet freudestrahlend, dass die Achse am Fahrzeug notdürftig zusammen geschweißt wurde. Pattex hätte es vermutlich auch getan. Das muss natürlich gebührend gefeiert werden. Und wenn die Afrikaner eines können, dann feiern.

Am Ende war ich mit allen möglichen Sprachen konfrontiert. Einer versuchte es sogar in Italienisch. Keiner hat keinen verstanden, aber aber die Stimmung im Kabuff war unbeschreiblich.

P. S.: Aus den Bergen habe ich eine Anregung mitgebracht. Dort gibt es den Palaver-Baum. Da treffen sich die Leute zum Diskutieren. Quasi Stadtverordnetenversammlung im Busch. Könnten wir auch mal an der alten Eiche einrichten.