DIENSTAG, 21. NOVEMBER 2017 - ALANTIKA BERGE

Katalonien in Kamerun

Tag zwei in den Alantika Bergen. Die Einheimischen nennen das Bergland übrigens Allah N´Tika, was so viel bedeutet wie "von Gott verlassenes Land". Man könnte meinen, sie haben Recht. Gut, die Erntedankkirmes von gestern hatte auch nicht gerade wenig dazu beigetragen, dass ich heute meinen Rhythmus finde.

Zu später Nacht wurde noch als Ingwer Tee getarnter Whisky aufgetischt. Meine Frage an einen der lokalen Guides, warum er so gut englisch spreche folgte eine einfache Antwort: er kommt aus dem englischsprachigen Teil im Westen des Landes. Und hier spielt sich etwas ab, was Europa unter allerdings ganz Voraussetzungen derzeit in Katalonien erlebt - Separatismus. Der englischsprachige Landesteil will weg von der französischen Mehrheit und Martin - so sein Name - auch.

Der Hintergrund: In den 60ern wurden die französische Republik Kamerun und das englische Südkamerun zur Vereinigten Republik Kamerun. Und die englischsprachigen West-Kameruner sehen sich praktisch seit der Unabhängigkeit von der französischsprachigen Zentralregierung diskriminiert. Ambazonien soll das ganze heißen und auch Martin ist Separatist.

Kamerun wird von einem 83-jährigen Autokraten regiert und nach dem Sturz von Mugabe in Zimbabwe hat man Lunte gerochen. Der Autokrat muss weg. In einer Woche bin ich selbst in der Krisenregion und kann bestimmt mit einigen revolutionären Tipps aushelfen. Nur haben die Lumpen der Zentralregierung das Internet flach gelegt. Schauen wir also mal, ob dann wenigstens die Blogs noch ins Netz gestellt werden können. Facebook ist schon mal tabu. Martin und ich verstehen und bestens, was auch an den Unmengen Whisky gelegen haben könnte.

Die Wanderung zurück habe ich einfach abgelaufen. Was dann auch nicht so einfach was, denn als Schlusslicht musste ich an Kreuzwegen erst mal die richtige Spur finden. Bei den Pfadfindern war ich ja nie.

n Erinnerung ist mir nur noch ein Markt. Hier wurde alles verkauft, was man sich vorstellen kann. Fahrräder und Ersatzteile, Kochtöpfe, Stoffe, Kleidung aus europäischen Kleidersammlungen. Ein Stück weiter gab es Fleisch und Fisch, aber auch Hirsebier und Kolanüsse. Und was machen die anderen: Während mir bei 40 Grad plus der Schweiß trieft, sitzt der Kollege aus Kamerun in einem Trockenflussbett und ruht sich aus. Kleiner Trick: wenn man ein Loch gräbt, stößt man auf frisches Wasser.

Der Horrorpiste auf dem Rückweg zollte schließlich noch das Fahrzeug Tribut. Irgendwann gab es einen großen Knall und die Vorderachse war hinüber. Kein Empfang, Auto im Arsch und dann mitten in der Pampa. Willkommen in Kamerun.

Für den Abend habe ich mir nur eins vorgenommen. Auf in den Dorfkrug.

P.S. Apropos Dorfkrug. Das Bier der Biere heißt hier schlicht 33. Als Werbegag stehen 33 Kilometer vor jeder größeren Stadt große Werbetafeln. Es sind jedenfalls die einzigen Entfernungsschilder, die ich bisher gesehen habe. Könnte Licher auch mal machen.