Sonntag, 19. November 2017, Wangai

Einmal Satzenbrau

Heute war mehr oder weniger Autofahren angesagt. Zurück gings über Maroua nach Wangai. Das liegt zwar ebenfalls im Grenzgebiet zu Nigeria. Aber man muss erst mal aus den nördlichen Gebieten raus, und dann eine große Kurve fahren, um in die südlichen zu kommen. Es gibt auch eine kürzere Verbindung, ab die haben uns die Militärs nicht fahren lassen. Entweder operiert hier noch Boko Haram oder die Jungs wollten keinen roten Hintern vom Ritt auf der Donnerpiste riskieren.

Zum Schluss machen wir noch einen Stopp in der Kaserne mit allen Ehren empfangen. Fotoshootings und ein zackiges Herzlich Willkommen. Die deutsche Kolonialzeit hat doch ihre Spuren hinterlassen. Allerdings ist das Soldatenleben eher trist. Einer der unteren Ränge erzählt mir, dass er seit vier Jahren nicht befördert wurde und rund 90 Euro im Monat verdient. Als ich frage, was er denn angestellt habe, bekomme ich eine treffende Antwort - auch beim Militär geht's nur mit Beziehungen.

Die Straße nach Wangai ist wieder die übliche Donnerpiste und führt durch ein Reservat voller Löwen, Büffel und Antilopen. Soweit die Theorie, die Praxis sah dann anders aus. Lediglich ein Pavianpärchen zeigt mir seinen roten Hintern und das war's.

Hinter einem Fluss gerät unser Fahrzeug schließlich noch in eine Falle und kracht in ein Loch - Weiterfahrt unmöglich. Hier zeigt sich Afrika. Man glaubt mitten im Busch zu sein und auf einmal steht die komplette Dorfjugend bei Fuß und zieht die Karre sprichwörtlich aus dem Dreck.

Die Landschaft ist trotz allem abwechslungsreich und fruchtbar. Damit meine ich nicht, dass das ihr Kinderlein kommet hier hinter jeder Hüttentür praktiziert wird, sondern die Tatsache, dass hier sehr viel angebaut wird und viel wächst. Kartoffeln, Hirse, Baumwolle, Papayas und was weiß ich noch.

Bier wächst hier allerdings nicht auf den Bäumen und so muss man es organisieren. Am besten man fängt in Orten an, wo es eine Katholische Mission gibt. In muslimischen Vierteln ist das eher schwieriger. In Poli gibt es eine solche mit entsprechender Bierbar. Dumm nur, dass der Wirt nicht mit Besuch gerechnet hat und sich auf dem Marktplatz herumtrieb. Also musste die lokale Gastronomie erst mal aktiviert werden, die Weiterfahrt verschob sich beträchtlich.

Was auch ganz gut war, denn Wangai ist trocken. Was nun. Seit mein armenischer Freund Onkel Sersch dereinst im Iran ein Taxi flott machte, das aus der Türkei kistenweise Schnaps über die Grenze zur gedeckten Abendtafel schmuggelte, kenne ich kein Pardon mehr.

Also wird ein Moped aktiviert, das über die Grenze nach Nigeria brettert und dort das kühle Nass besorgt. Nach rund 45 Minuten steht eine Kiste auf dem Tresen: Satzenbrau Premium Pilsener! Na denn Prost...

P.S.: In Wangai schlagen wir ein Zelt auf, da das gebuchte Hotel nicht existiert. Oder noch nicht fertig ist. Flughafen Berlin a la Kamerun.