Donnerstag, 16. November 2017 - Maroua

Nachts sind alle Katzen grau 

Heute stand ich kurz vor meiner Abschiebung aus Kamerun. Das Militär hatte Nachts das Hotel gestürmt und das wohl alles wegen mir. Was mir aber nach wie vor nicht ganz plausibel ist. Letztlich muss ich aber gestehen: Zentralafrika ist doch eine andere Hausnummer als die gemütliche Wetterau.
 
Was war passiert? Nach westeuropäischen Maßstäben eigentlich nichts. Doch zunächst der Reihe nach. Nach einer doch lustigen Bierrunde im Hotel machte ich den Vorschlag, nochmals um die Häuser zu ziehen. Inspiriert hatten mich die einheimischen Kaschemmen letztes Jahr im Niger und in Dschibuti.
 
Auch um Maroua tanzt nachts der Bär, und das mitten auf der Straße. Es wird getrunken, gefeiert und laute Musik gehört. Erster Stopp war eine Art Disco mit Aussenbereich. Das Bier gut, kalt und günstig - auf der Straße geht es eben munter zu. Die ersten Prostituierten sind natürlich auch gleich zur Stelle, aber die wollen erst mal Bier trinken und Selfies mit exotischen Leuten machen. Und weiße Leute wurden hier auch schon lange nicht mehr gesichtet. Boko Haram lässt grüßen.
 
Wir sind dann zu den Matronen nach Hause. Eigentlich auch eine Strassenkneipe, aber das Bier noch günstiger. Mangels Sprachkenntnissen hält sich die Konversation in Grenzen , also türmen wir unverrichteter Dinge weiter. Eins, zwei Kneipen noch und irgendwann war ich dann der letzte Nachtschwärmer.
 
Eigentlich schon auf dem Rückweg treffe ich alte Bekannte. Über die Straße winken mir drei Gestalten rüber. Es waren Soldaten der Boko Haram Anti Terror Einheit, die sich hier Nachts die Kanne geben. Was bei solchen Besäufnissen dann noch an effizienter Terrorbekämpfung möglich ist, möchte ich dann gar nicht erst wissen.
 
Letztlich steigere ich mich noch in eine Diskussion über den chinesischen Kolonialismus in Afrika hinein, was einen der Militärs derart beeindruckt, dass die ganze Zeche auf seinen Deckel geht. Jetzt war ich beeindruckt, soweit mir das noch möglich war.
 
Irgendwann gegen fünf Uhr morgen setze ich mich noch auf ein Motorrad und lasse mich zum Hotel fahren. Eigentlich war's das denn und so bin ich ins Körbchen. Ich kann mich aber noch dunkel erinnern, dass im Hotel ziemlich viel Betrieb war. Allerdings sehr dunkel.
 
Als ich um 10 Uhr wach werde und zum Frühstück gehe, liegt eine geladene Stimmung in der Luft. Um 5 Uhr morgens hatte eine Polizeieinheit das Hotel gestürmt, alle Leute aus dem Schlaf gerissen und kontrolliert, ob alle da sind. Appell zum Antreten quasi. Morgens um halb sechs. Die Hotelrezeption hatte doch wirklich gemeldet, dass da einer noch nicht im Bett war.
 
Und alarmiert wurde offensichtlich nicht nur die Polizei. Auch das Militär, zumindest das was noch nüchtern war. Und zu allem Überfluss wohl auch noch der Gouverneur. Der Anlass: Tourist entführt.
 
Also bin da morgens um halb sechs durch den Innenhof stolziert, während mich die Creme de la Creme der Provinz gesucht hat. Und dann noch das halbe Hotel in Schlafanzug antreten musste. Am Morgen wurde ich dann erst mal flott gemacht. Denn es ist verboten, Nachts das Hotel zu verlassen. Was mir allerdings auch nicht bewusst war.
 
Nach der Aktion stand noch etwas Sightseeing in Maroua auf dem Programm. Eine Schule, der Markt, das Viertel der Schmiede und eine Gerberei. Hier stehen die Gerber in stinkenden Bottichen und bearbeiten Häute. Krokodile , Schlangen, Ziegen - das ganze Sortiment. Am Abend stand ich dann unter Hausarrest.
 
P.S.: Später wollte ich für Kids noch eine Spielzeugdrohne starten. Das Ding flog nicht. Kurzum: der Tag war gehalten!