Mittwoch, 15. November 2017, Pouss - Maroua

Pouss an Fluss 

Sorry für den etwas sperrigen Bericht zur Affenbefreiung. Aber man glaubt gar nicht wen man in Zeiten der globalen Vernetzung so alles mit einem Blog in die Bredouille bringen kann.

Der Trip in den äußersten Norden ist keine Kaffeefahrt. Was schon daran liegt, dass hier zwischen dem Tschad und Nigeria Boko Haram zumindest in der Vergangenheit aktiv war. Heute hat sich die Truppe in das Gebiet um den Tschad See zurückgezogen was aber das Auswärtige Amt nicht daran hindert, für den Norden Kameruns eine Reisewarnung auszusprechen. Aber was verboten ist, reizt bekanntlich ja am meisten.

Gelobt sei, was hart macht! Die Straßen sind eigentlich in einem Guten Zustand aber ist gibt natürlich auch mit Schlaglöchern übersäte Schotterpisten. Eigentlich nichts berichtenswertes, hätte nicht in der Mitte auf dem Rücksitz und damit auf dem Gurtstecker gesessen. Die Fahrer sind es gewohnt wie ein Slalomläufer die Schlaglöcher zu umkurven und ich hopse von einer Pobacke auf die andere, bis gar nichts mehr geht. That's Africa...

Am Nachmittag wollen wir an die Grenze Tschads. Rund 120 Kilometer ostwärts auf einer üblen Schotterpiste. Wie gesagt, hier oben im Norden operiert Boko Haram und der letzte Tourist soll so vor 5 Jahren gesichtet worden sein. Soweit man dem Tourismusbeauftragten glauben darf. Der freut sich wie ein kleines Kind, dass er zum ersten Mal seit vielen Jahren mal wieder was zu tun hat und bestellt mich gleich in den Gouvaneurssitz ein.

Nicht nur das. Im Gebäude tagt die Stadtverordnetenversammlung. Zwei Drittel davon sind grimmig drein schauende Militärs. Ich ergattere mir gleich einen freien Sitz und höre wie der Tourismusbeauftragte erklärt, dass nicht nur er selbst mitfährt, sondern gleich ein ganzer Trupp einer Terrorabwehreinheit. Genau 16 Personen  auf zwei Militärfahrzeugen stehen uns zur Verfügung. Oder dem Tourismuskasper, der gleich noch seine Mätresse im Schlepptau hat. Dicke schwarzafrikanische Militärs sind doch schon furchteinflössend.

Durch eine monotone Landschaft geht es am Maga-See entlang. Doch sieht man erst etwas, wenn man auf eine kilometerlange Böschung hinaufsteigt. Das ist dann die Staumauer, die wenn man sie erklommen hat irgendwas vom Bergwerksee hat. Viel Wasser aber sonst auch eben nichts.Das ist hier jetzt das Siedlungsgebiet der Mousgoumi. Nichts besonderes, aber die Herrschaften sind doch etwas größer als der Durchschnittsafrikaner. Besonders die Damen haben hier ellenlange Beine, was bei den In Sand staksenden High Heels dann allerdings auch nicht mehr so zur Geltung kommt.

Lustig sind deren Häuschen, deren Form von den Einheimischen auch als Granate bezeichnet wird. Sie sind ein Wunder der Statik, denn es gibt keine abstützende Innenarchitektur. Der Markt in Pouss ist schon sagenhaft. Es gibt dort eigentlich alles zu kaufen. Bis auf Tiere, was mir natürlich nicht ganz so entgegen kommt. Von den Angebot bekomme ich allerdings nichts mit. Die Attraktion sind die farbenprächtig gekleideten Ladies aus Kamerun oder auch aus dem Tschad. Alleine diese Eindrücke sind die Reise schon wert.

Warum auch immer wird mir von der Kampfeinheit ein Begleiter zugewiesen. Der hält sich zwar im Hintergrund, ist dennoch lästig. Doch um Marktgewusel kann ich ihn ziemlich schnell abschütteln.

Danach noch eine Mutprobe. Pouss liegt am Grenzfluss zum Tschad. Hier gibt es einen beachtlichen Warenhandel mit dem Boot. Und dabei spielen die Boote Pingpong. Tschad- Kamerun und zurück. Natürlich habe ich kein Visum für den Tschad, aber einmal kurz rüber, das wäre es doch gewesen. Ich muss mich schon sehr in die Ecke verkrümeln, um überhaupt jemanden zu finden der das macht. Eigentlich war ich schon am erfolgreichen Verhandeln, doch standen da immer noch die sechzehn Kampfsoldaten tun. Und die findet es vermutlich weniger lustig, wenn da ein Touri mal illegal über die Grenze verschwindet.

Nach dieser Aktion gibt es dann aber ein Leckerli als Belohnung beim Abendessen. Uns wird ein Gourmet-Essen vorgesetzt, wie es auch einem Sternelokal in Deutschland gut steht. Die Erklärung für dieses "Wunder" ist schnell gefunden: Die Betreiber des Hotels Porte Mayo kommt aus Köln. Warum es ihn ausgerechnet in den Nordrn von Kamerun verschlagen hat, finde ich nicht ganz raus. Aber es ist hier sehr angenehm.

P.S.: Der Tourismusminister hat es vorgezogen, uns auf der kompletten Route an wirklich jedem Rathaus vorbei und einen Antrittsbesuch beim Rathauschef zu machen. Ich habe dann das Zeichen zum Meutern gegeben. Keiner geht hier mehr rein. Gestern der Affe, heute Meterei, es bleibt spannend.