Dienstag, 14. November 2017, Garoua

Free the Monkey

Kommen wir zur Affenschande. Wie Bereitung gestrigen Blog erwähnt, erwartete uns am Eingang einer ziemlich heruntergekommenen Lodge ein, um einmal Bernhard Grzimek zu zitieren, "ein possierliches Tierchen. Genauer gesagt ein Affe. Der Haken dabei. Der kleine war angekettet und hatte eine Auslaufzone von rund 30 Zentimetern.

Bereits am Vorabend wurden unterschiedlichste Pläne für eine Befreiungsaktion geschmiedet. Allerdings muss so eine Kette erstmal durchtrennt werden. Am folgenden morgen war es dann so weit. Während alles mit der Abrechnung der vornächtlichen Biere beschäftigt war, schritt der Chef der Truppe höchstpersönlich selbst zur Tat.

Im Handumdrehen war der Affe frei, türmte ins Fahrzeug und hatte buchstäblich vor Angst in die Hosen, sprich ins Auto geschissen. Es muss wohl wohl fürchterlich gerochen haben, den zum Glück saß ich nicht drinnen. Bei der nächsten Kontrolle kam dann auch ein Polizist Marke afrikanischer Fettsack frohgemut angeschossen um den Wagen zu filzen.

Mangels Französchkenntnissen bekomme ich die Konversation nur zur am Rande mit. Eins aber war mir sofort klar: Auch ein schwarzafrikanischer Kontrolleur hat ein Riechorgan, aber keinen Kombinationssinn: Als ich nach der Antwort des Polizisten frage, heißt es lapidar. Er hat geflucht: "Was für ein scheiss Parfüm."

Der Affe ist dann im Urwald verschwunden, bei unserem nächsten Stopp wäre er besser aufgehoben gewesen. Im Nationalpark Mefou. Hier werden Affen-Waisen großgezogen. In Kamerun dürfen Affen inzwischen offiziell nicht mehr gejagt werden. Elternlose Schimpansen und Gorillas leben hier auf einem Territorium von 850 Hektar in Sicherheit. Ich habe ja noch nie einen Gorilla in Natura gesehen. Aber schon der erste Meister soll unbeschreibliche 230 Kilo wiegen. Gelangweilt liegt er im Gehege, von King Kong Allüren keine Spur. Sieht eher aus wie Siesta. Gorillas fressen üblicherweise nur Pflanzen. Also mein Rasen würde da nicht ausreichen, der Freund entblättert dich in einer Woche das gesamte Ossenheimer Wäldchen.

Vor der Abreise in den Norden noch ein letzter Stopp in Ebogo. Der Ort liegt idyllisch am Fluss und besteht neben vereinzelten Hütten schnuckligen Ferien-Appartements. Chef der Anlage ist ein Genosse, der sich selbst das letzte Krokodil nennt. Vor Jahren hat ihn eine Entourage des Präsidenten besucht und ihn keines Blickes gewürdigt . Sein Kommentar: Bin ich ein Krokodil, oder warum redet ihr nicht mit mir.

Egal. Es gibt eine ziemlich langweilige Kanufahrt flussauf- oder-abwärts. Unser Ziel ist der angeblich älteste Baum der Welt… oder vielleicht auch der höchste… wie auch immer, der Weg ist jedenfalls viel mehr das Ziel als das Ziel selbst. Der Baum ist zwar beeindruckend groß und dick, der Weg dahin aber führt durch einen dicken und großen Amesenhaufen, in dem ich im absoluten Sumpfgebiet hineintappe. Ich glaube, bis jeder werde ich noch von den Plagegeistern gepiesackt.

Der Trip nach Garoua verläuft unspektakulär. Am Abend schreibe ich meine Blogs und das war's.

P.S.: Rechtswesen in Zentralafrika. Der Gouverneur kann die Art der Höchstsstrafe selbst bestimmen und den zu Tode Verurteilten die Vollstreckungsmethode dann auswählen lassen. Gliedmaßen nacheinander abtrennen, Zement schlucken oder einen Reifen um den Hals tragen - der dann angezündet wird.