Montag, 13. November 2017, Yaoundé – Ebogo

Feuchtgebiete

Wer jetzt wissen will, was in der Late Night Bar passierte, den muss ich zumindest etwas enttäuschen. In einem französisch-englischen Kauderwelsch würde ich in die Bar gelockt: There are some people who want bienvenue-ing you. Zu deutsch: Nutten, die ihre Einnahmen für den Abend sichern wollen. Und dann gleich zwei Stück davon. Ich musste quasi mein ganzes Sortiment an Ausreden aufbieten, um mit ein paar Drinks davon zu kommen. Müde, Religion, politische Gesinnung und nicht zuletzt meine Verletzungen vom Sturz vorher. Gut, die Drinks waren billig und die Damen sind jetzt auch nicht so trinkfest.

Nächster Morgen. Frisch gestärkt von einem guten Frühstück versorge ich noch meine Wunden. Im Dunklen sah das irgendwie harmloser aus. Der Vormittag ist unspektakulär, erstmal die Stadt erkunden. Yaoundé ist als Hauptstadt das politische Zentrum von Kamerun. Wie Rom ist die Stadt auf sieben Hügeln gebaut, woraus heute allerdings so zwischen 17 und 70 Hügel geworden sind. Mehr hat die Stadt ohnehin nicht von Rom, vom Verkehr vielleicht mal abgesehen.

Die Landflucht hat einen Strom von Menschen in die Stadt gespült und so ist die Einwohnerzahl mittlerweile auf 3 Millionen gestiegen. Der Ausbau der Infrastruktur kommt mit diesem Ansturm natürlich nicht mit und so sehe ich während der Stadtrundfahrt das typische Bild einer afrikanischen Metropole: ein überschaubares Zentrum mit ein paar Hochhäuschen und unendlich ausufernde Viertel mit gewöhnungsbedürftigen Flachbauten. Eigentlich nichts was der Rede wert ist, bis auf die Tatsache, dass hier keine Straßennamen existieren.

Der Groborientierung nützen die Hügel und die fahren wir auf und ab nach der Ausschau nach einem typisch afrikanischen Gottesdienst. Alle afrikanischen Länder, die ich kenne waren bis dato islamisch geprägt. Die Messe könnte man allerdings vergessen bis auf die bunt gekleideten Damen, die ihr bestes Kleid zur Schau tragen. Und natürlich diese unvergleichlichen Frisuren. Da könnte man in Deutschland ab und zu auch mal in dieser Weise Hand anlegen.Einen kurzen Fotostopp legen wir am Monument de la Réunification ein. 1960 wurde auch Kamerun unabhängig, der französische und englische Teil vereinigten sich erst 12 Jahre später.

Soweit so gut. Auf der Fahrt durch die Stadt dann zum ersten Mal etwas, was sich fast jeden Tag in ganz Kamerun abspielt. Die Schule ist aus und ein schier endloser Zug von Schülern bewegt sich heimwärts; mal gelb, mal braun, mal blau, mal zweifarbig. Kamerun ist bunt. Das zumindest ist mein erster Eindruck.

Weiter geht es rund 40 Kilometer südlich, hier beginnt unmittelbar hinter den Ausläufern der Hauptstadt der Regenwald. Es ist auch mittlerweile immer heißer und schwüler geworden. Irgendwie tröstlich zu sehen, dass auch unser Fahrer beim Verladen des Gepäcks gehörig ins Schwitzen gerät. Die Fahrt wird sicherlich unter einem guten Stern stehen. Zumindest hat der Fahrer schon das Seinige dazu getan. Zahllose Glücksbringer lassen kaum einen Blick durch die Windschutzscheibe zu und an der Fahrzeugdecke baumeln weitere Figürchen. Auch bei Weihnachtskugeln werde ich fündig.

Auf der recht guten Teerstraße kommen uns immer wieder schwerbeladene Lastwagen entgegen: Holztransporter auf dem Weg zum Hafen Douala. Bis zu sechs mächtige Mahagonistämme sind ihre Last. Da geht er dahin, der Regenwald, denke ich noch. Denn mit Konzessionen des Landes aufgestattete Holzunternehmen arbeiten sich immer tiefer in die Wälder vor. Die ganz spezielle Eigenschaft des Regenwaldes bringt es mit sich, dass dabei nicht nur die Edelhölzer, sondern noch sehr viel anderer Wald dran glauben muss. Die Folgen für die Ökosysteme sind hinreichend bekannt, aber ich will hier keine wissenschaftliche Ausarbeitung verfassen. Die erbärmlichen Waldredte sprechen für sich, in Ebogo jedoch spürt man jedoch noch den Zauber der Natur. Es regnet nicht, aber es ist feucht. Sehr feucht.

Außer dass wir ein paar Affen herum huschen sehen, war der erste Tag der Begegnung mit der Fauna Kameruns eher dürftig. Auf einem Holzstoß sonnt sich ein Agamenpärchen. Es ist das Männchen, das mit seinem blauen Körper, und dem orangenen Schwanz die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Das schlimme dabei: es ist angekettet. Tierschutz läuft hier weit unter dem Radar. Noch am Abend gründet sich ein Komitee zur Befreiung des Affen. Bis aber alles Pläne ausgetüftelt sind wird auf der Terrasse der Ovego Lodge noch viel Bier die Kehlen heruntergespült. Wenns draußen feucht ist, warum auch nicht drinnen. 33 heißt hier die Hausmarke, abgefüllt in 0,65 Liter Flaschen. Kleiner Nebeneffekt: im Regenwald ist es bekanntlich glitschig und meine Hütte ist nur über einen kleinen Steg zu erreichen. Und so lande ich an Tag zwei zum zweiten Tag kopfüber auf Händen und Knien. Dei Hausapotheke ist im Dauerstress. In Kamerun scheint sich schon ein neuer Running Gag zu etablieren.

P.S.: In Kamerun regiert die Korruption. Das geht soweit, dass selbst die Ermordung der Ehefrau gegen einen kleinen Obolus dem Nachbarn in die Schuhe geschoben werden kann. Vorausgesetzt, er verfügt über keinen größeren Obolus.