Sonntag, 12. November 2017, Yaounde

Sturzflug in Yaounde

Sturzflug in Yaounde Tag eins in Kamerun. Nachdem sich Brusseles Airlines nicht nach Zentralafrika befördern wollte und mir eine Woche vor Abflug denselbigen gecancelt hat, erbarmte sich zumindest die Air France mich mitzunehmen. Nacht dass ich etwas gegen die Franzosen mit ihrer doch etwas lädierten Sicherheitsstatistik hätte. Aber Charles de Gaulle ist der absolute Horrorflughafen. Die Wege zwischen den Gates sind derart ausufernd, dass der eine oder andere die 5100 Kilometer nach Kamerun schon gelaufen sein soll. Gut, es war diesmal nicht ganz so dramatisch. Auch hatte ich alle Zeit der Welt, durch die Umbuchung saß ich 5 Stunden in Paris fest und konnte so gemütlich noch das eine oder andere im Internet erledigen.

Air France ist gemeinhin auch als Bofrost-Airline bekannt, insofern war ich während des Sechsstündigen Flugs auch ziemlich dick eingepackt. Eigentlich nicht der Rede wert, doch beim Aussteigen bei deutlich über 30 Grad ein Vergnügen pur. Dass wir uns am Rande des Tropenwaldes befinden, macht es dann auch nicht besser. Schon im Flughafengebäude habe ich das Gefühl, ich laufe gegen eine warme, feuchte Gummiwand. Natürlich wusste ich, was mich erwarten würde, doch wenn es dann soweit ist, kommt es genau so überraschend wie die Tatsache, das am 24. Dezember Heilig Abend ist.

Im Terminal bilden sich verschiedene Schlangen, Air Condition Fehlanzeige. Nur sehr schleppend geht es voran, der Schweiß trieft nur so von der Stirn.Immer häufiger fährt mein Taschentuch über die Stirn. Nach meinen Erfahrungen in Niger und Somalia mache ich mich bezüglich des Gepäcks schon mal auf das Schlimmste gefasst. Aber nein, so chaotisch geht es am Band ja gar nicht zu, aber ganze zwei Stundrn stehe ich in schweißtreibender Schwüle in der Gepäckhalle, bis mein Rucksack so als vorletztes vom Band tuckert.

Soweit die erste Schwarzafrikaerfahrung, weitere sollten noch in dieser Nacht folgen. Man hat sich ja im Laufe der Zeit auf so manches eingestellt und sollte daher in Punkto Afrika nicht allzuviel an Organisation erwarten. Wie heißt es doch so schön, die Europäer haben die Uhr erfunden, die Afrikaner die Zeit. Also richte ich mich gleich auf eine gute Portion Leidensfähigkeit, was das Ertragen klimatischer und transporttechnischer Aspekte betrifft ein.

Schon bei der Fahrt in die Innenstadt von Yaounde fallen zwei Sachen auf. Es ist Samstag Abend und an jeder Ecke sitzen Kameruner und trinken Bier aus 0,65 Liter Flaschen. Und das mit einer Lautstärke, das jedem Ordnungsamtsleiter ein dickes Strahlen ins Gesicht zaubern würde. Andererseits kommen wir kaum vorwärts, die Staus in afrikanischen Städten sind auch noch spätabends berüchtigt.

Das Hotel in der Innenstadt liegt zwar zentral, aber es ist doch ziemlich still. Also was nun? Beim Blick ins Fernsehprogramm ist die Entscheidung schnell gefallen. Ich stürze mich ins Nachtleben. Nun weiß ich allerdings nicht, wie gefährlich es Nachts in Yaounde ist, zumal eine funktionierende Nachtbeleuchtung auch eher zu den Fremdwörtern zählt. Mit um die 10 Euro bewaffnet rüste ich mich für den Nachtspaziergang. Das wird man bei einem Überfall noch so verschmerzen können.

Grundsätzlich ist ja jeder Fremde ein Verbrecher, also wechsle ich ab und zu die Straßenseite. Was allerdings auch nichts nützt, denn beim nächtlichen Publikum handelt es sich meist um Bettler, die in mir gleich den Heiligen Martin sehen. Es ist ja heute auch der 11.11. Als ich allerdings einem der Freunde ausweichen will, passiert es auch. Auf dem glitschigen Boden stolpere ich und lege einen perfekten Sturzflug hin. Irgendwie kann ich mich in der Dunkelheit auch nicht richtig abstützen. Das Ergebnis. Schürfwunden an den Händen und zwei ausgeleierte Kniescheiben.

So lädiert stolpere ich geradewegs in die nächste Bar. Die Bar ist ein schwarzes Loch, in der man kaum den Nachbarn erkennt. Was mir allerdings auch wiederum gleitest, denn ich hätte ja ohnehin niemanden erkannt. Ich konzentriere mich aufs Bier und lasse erstmal die harten Drogen weg. Leider bleibt man in afrikanischen Bars nicht lange allein. Während die Jungs eher neugierig sind und sich in schlechtem Englisch nach mir erkundigen, haben die Damen ganz konkrete Absichten. Man braucht hier gar kein Rotlichtviertel, die einschlägigen Damen haben sich auf weniger einschlägige Bars und einschlägige Herrschaften aus der Wetterau konzentriert. Doch dazu morgen mehr ...

P.S. Yaounde wurde von Deutschen gegründet. Ein Einheimischer antwortete auf die Frage, was er gerade mache. Er sagte Ya un de. Was heißt: ich esse Ernüsse. Und seit dem heißt die Erdnussbar Yaounde.