Freitag,  7. Oktober - Niamey

Hippos und Schiraffen

Gestern musste ich meinen Blog aprupt beenden, da sich in der Kaschemme in Birni N'Konni die Lage etwas zuspitzte. Neben nigrischen Größe tummelten sich im Biergarten auch nigerianische Fettsäcke und irgendwie sind die aneinander geraten. Wer nicht gerade mit einer Dorfmatrone in den Büschen war zückte das Messer, um seinen Forderungen noch Nachdruck zu verleihen. Geschossen wurde wenigstens nicht und so verfolge ich das Geschehen aus sicherer Entfernung und trinke mein Bier unter den Argusaugen tausender Stechmücken aus.

Es ist ja auch schon deutlich nach Mitternacht und ich mache mich auf zum Hotel. Dort wird noch mal mein Gleichgewichtssinn auf die Probe gestellt, als ich so gegen drei Uhr über den Nachtportier steigen muss, der hinter dem Tor auf einer Decke vor sich hin grunzt und eigentlich aufpassen soll, dass hier niemand unbefugt auf das Gelände kommt. Hatte nicht das Gefühl, dass er mich bemerkt hat.

Früh morgens werde ich von einem Schwarm Heuschrecken geweckt und weiter geht's zurück nach Niamey. Um die 50 Kilometer vor der Hauptstadt noch ein kleiner Höhepunkt. Wir machen einen Stopp in einem Naturpark, der genau 453 frei lebende Giraffen beherbergt.

Wow! Wann habe ich das letzte mal eine Giraffe gesehen. Vor 40 Jahren im Frankfurter Zoo oder so. Und dann kommen auch gleich zwei vor die Linse - groß und klein, Alleinerziehende Giraffenmutter mit Kind ...Sie sind wirklich wunderschön. Und irgendwie sehen die hier anders aus. Ganz hell, wie die sandige Landschaft ein. Und die Erläuterung folgt auf dem Fuße. Diese Unterart heißt nämlich "Giraffa camelopardalis peralta", also eine Kamel-Leoparden-Giraffe. Wegen der Zerstörung ihres Lebensraums und infolge von Wilderei waren sie in den frühen 90er Jahren fast völlig ausgestorben. Wir steigen aus dem Fahrzeug. Die Giraffen scheinen an Menschen gewöhnt zu sein.

Mehr als 20 Metern sollte man ihnen aber nicht zu nahe kommen, dann hauen sie ab. Wo einer ist, da sind noch mehr, denkt sich der Guide und wir fahren noch ein Stück weiter. Dann fängt der Toyota an zu stottern. Wohl was mit dem Schwarzmarkt-Sprit nicht in Ordnung, diagnostiziere ich. Doch der Fahrer öffnet die Haube, wackelt an einem ganz bestimmten Zündkabel und schon läuft der Hobel wieder wie frisch geölt.

Dann noch eine Giraffe, noch eine und noch eine. Etwa eine halbe Stunde lassen wir uns Zeit, dann rufen wir den Fahrer wieder aus dem Land der Träume zurück.

Nun brettern wir mit einer irrwitzigen Geschwindigkeit nach Niamey. Dort verbringen wir die letzten Stunden, bevor kurz vor Mitternacht die Air France abheben soll. Ich mache noch ein paar Einkäufe, bevor noch eine letzte Überraschung auf dem Plan steht: Eine Bootsfahrt auf dem Niger-Fluss. Rund eine Stunde tuckern wir gemächlich an Wäsche waschenden Leuten und viel grünem Gestrüpp vor bei, dann traue ich meinen Augen nicht - eine ganze Herde Flusspferde. Ich sehe zwar nur dicke Hippo-Rüben aus dem Fluss ragen, aber dafür fahren wir verhältnismäßig nahe ran.

Mit den Hippos ist leider nicht zu spaßen. Wenn sie das Gefühl haben, man schneidet ihnen den Fluchtweg ab, dann greifen sie an. Vor zwei Jahren hat es eine Schulklasse auf dem Weg zum Unterricht erwischt. Und so klopfen sie Einheimischen immer wieder gegen die Bootswandung, um den Tieren ihren Standort zu signalisieren und sie nicht versehentlich zu überraschen.

Über Niamey hatte ich mich ja schon ausgelassen. Drecksnest. Punkt. Beim Gang über den kleinen Markt stinken die auf Müllhalden erbauten Slums erbärmlich. Auf dem Weg zum Flughafen tönt es später aus allen blechernen Lautsprechern Allah u akhbar! Ich frage mich, wenn Allah so groß ist, warum lässt er denn seine Anhänger auf Müllhalden dahinvegetieren.

P.S.: Was heißt Giraffe auf österreichisch? Schiraffe. Was denn das für ein Quatsch sei, frage ich. Antwort eines Österreichers: Ihr sagts ja auch "Schirokonto". Lg an H1.