Donnerstag ,  6. Oktober - Birni N'konni

Holger, Ziege, Hirsebrei 

Für die Rückfahrt nach Niamey hatte ich einen Tag länger als üblich eingeplant. Nicht dass es nun mehr zu sehen gab als auf dem Trip nach Agadez, aber heute fahren wir abseits der Nationalstraßen einige Dörfer an. Die Menschen leben hauptsächlich von der Viehwirtschaft und bauen insbesondere Zwiebeln an. Ihre Rinder hatten wie schon desöfteren gesehen gewaltige meterlange Hörner und ich staune immer noch wie ruhig die Viecher hier durch die Gegend traben. Ein Stierkampf ist bei dieser Rasse vollkommen undenkbar.

Da passen die Rindviecher natürlich zur Bevölkerung. Keep cool ist hier in jedem Dorf das Motto. Man sieht in erster Linie Frauen und Kinder, was die Männerwelt so treibt ist nicht ersichtlich. Die Gegend ist archaisch und arm. Sprit wird hier nicht an der Tankstelle, sondern in alten Whiskyflaschen verkauft. Ich frage mich nur, wer vorher den ganzen Red Label gesoffen hat.

Egal wo ich hingehe, ich bin die Attraktion des Tages. Vor allem für die Kinder, aber auch für drei im Gesicht tätowierte junge Frauen, die mich unbedingt in ihre Hütte einladen wollten. Nun ist eine Einladung ja was schönes, allerdings ohne Kommunikation auch nicht sonderlich ergiebig. Es gibt Tee und einen fürchterlichen Hirsebrei. Ich weiß, Gastfreundschaft sollte in dieser Gegend auch vom europäischen Eindringling akzeptiert werden. Aber erbrochener nigrischer Hirsebrei auf dem einzigen Hausinventar, einer alten Wohnzimmermatte ist jetzt ja auch nicht das gelbe vom Ei.

So steht mein Entschluss fest, die Hirse über die hauseigene Ziege zu entsorgen. Dies funktioniert in etwa so: der Tee wird in Minigläsern serviert, insofern ist die Dame des Hauses immer am Laufen. Zwischenzeitlich muss die Ziege beglückt werden. Das ganze funktioniert dann genau so lange, bis es der Ziege schlecht wird und diese dann die Wohnzimmermatte in Mitleidenschaft zieht. Ich bin dann ziemlich schnell von dannen gezogen.

Nur die Kinder können lachen. In Scharen kommen Sie an und fordern ein Give me Five. Händeschütteln ohne Ende. Natürlich hatte ich auch was mitgebracht. Irgendwann müssen nicht nur die ganzen Kulis von der Kommunalwahl, sondern vor allem die kistenweise im Keller lagernden BBB-Luftballons vom Bürgermeisterwahlkampf von vor zwei Jahren entsorgt werden. Seit heute hat die kleine Dorfschule jedenfalls einen ziemlich orangenen Touch.

Weiter gings nach Birni N'Konni, einer Grenzstadt nur wenige hundert Meter von Nigeria entfernt. Es war bereits dunkel, als wir dort ankamen. Und das heißt im Niger: Hier flogen Steine von teils beträchtlicher Größe nur so in Richtung Windschutzscheibe. Ständig kreuzten Nutztiere, denen die Vorderbeine zusammengebunden oder denen ein Vorderbein am Knie nach oben gebunden war, die Fahrbahn. Oft vor Schreck auch noch in die falsche Richtung humpelnd. Kurz gesagt, die Fahrt bei solchen Verhältnissen ist Abenteuer pur und es braucht auch kein Mensch.

In Birnin Konni findet man jeden Plunder, meist über die nigerianische Grenze geschmuggelt. Trotz Boko Haram im Süden geht hier alles gemächlich friedlich zu. Selbst einen Biergarten finde ich gegenüber dem Hotel, dessen muslimische Geschäftsführer leider keinen Bierverkauf zulassen. Im Biergarten selbst werden zur vorgerückter Stunde die Gäste immer dubioser. Nicht das zugekiffte Publikum wie in Agadez. Hier haut dich die Prominenz einen in die Rübe. Polizeichefs, Politiker - das Korruptionsbarometer dürfte hier unerkannte Höhen erreichen. Nur ich sitze mittendrin und werden von tausend Mücken zerstochen.

Jeder der Herren hält sich offensichtlich eine Matrone, die noch für spätere Stunden gebraucht wird. Interessanterweise sind die einheimischen Nutten nicht gut genug, für das Vergnügen sorgen hier Girls aus Ghana (oder war's der Senegal???). Neugierig geselle ich mich hinzu. Ein Spiel mit dem Feuer, aber dazu morgen mehr.

P.S.: Wie werden in Österreich Stechmücken bezeichnet? Das sind dort Gelsen. Und wie heißt folglich die Hauptstadt der Moskitos? Genau!!! Gelsenkirchen. Lg an H1.