Donnerstag,  29. September - Abalak

On the Road again

Der Tag in Taloua beginnt spät, erst um 9 Uhr sollte es los gehen. Über Abalak zum Gerewol Fest in der nigrischen Wüste. Wenn auch in diesem Land nicht allzuviel funktioniert, auf das Frühstück ist hier Verlass. Und selbst der Tütenkaffee von Nestle ist hier um Klassen besser als die Zucker versetzen Mischungen in Asien.

Gestern Abend war ich noch unterwegs um mir etwas Proviant für die Wüste zu kaufen. Da unser Hotel ziemlich außerhalb liegt, stapfe ich in stockdunkelster Nacht umher, um irgend einen Laden zu finden, wo noch Licht brennt . Das Angebot ist überschaubar, Kekse und dergleichen suche ich vergeblich. Seife gibt's hier wie Sand am Meer, jede Menge Eier und das wars dann auch schon. Mit einer Fladche lauwarmen Wassers mache ich mich auf den Rückweg. Jemand möchte mich begleiten, denn um die Uhrzeit huscht hier offensichtlich schon mal die ein oder andere zwielichtige Gestalt durch die Nacht. Die wahrscheinliche Variante: Hier wittert jemand nur das großzügige Trinkgeld eines dankbaren Touristen. Ich verzichte dankend.

Abfahrt am Hotel: Die Buscrew pennt auf ihren Gebetsteppichen vor dem Bus. Auf dem benachbarten Busbahnhof ist das Wartehäuschen nach Männlein und Weiblein getrennt, wahrscheinlich, weil es auch als Gebetshaus und Schlafplatz genutzt wird. Ich setze mich auf eine Bank und harre der Dinge, die da kommen mögen.

Der erste Stopp wird in Abalak eingelegt. Bis hierher hat eigentlich alles problemlos geklappt. Wir haben 220 Kilometer in ziemlich genau dreieinhalb Stunden auf überraschend guten Straßen zurückgelegt. Überall wie bereits auf der ganzen Strecke dominieren Lehmhütten das Geschehen. Und je größer die Stadt umso größer das Chaos. Afrika eben, das hat man dann irgendwann intus.

Ich ergattere ein paar Baguette, zwei Bananen und eine Tüte Trinkwasser von fliegenden Händlern, die sich sofort auf unsern Bus stürzen. Nur die Eierlieferanten gehen bei mir leer aus. Trinkwasser bekommt man überall in Westafrika eingeschweißt in kissenartigen Plastiktüten zu einem Festpreis von umgerechnet ein paar Cent. Meist von Frauen oder Kindern, die einen ganzen Korb davon auf ihren Köpfen balancieren. Man muss zunächst eine der vier Spitzen abbeißen und dann aus der Öffnung trinken. Die erste Ladung landet so zunächst auf meiner Hose. Die Bananen übrigens auch, da hatte ich mich dann später draufgesetzt.

Nach der Pause setzen wir unsere Fahrt in östliche Richtung fort. Doch schon nach ein paar hundert Metern hält uns die Polizei an und nimmt unseren Fahrer mit. Es steigen wieder alle aus und machen es sich im Schatten der Bäume bequem, no hurry in Africa. Eine gute halbe Stunde später kommen die zwei Polizisten mit ihren Motorrädern zurück. Unseren Fahrer haben sie nicht mitgebracht. Der kommt nochmal einige Minuten später mit einem Motorrad-Taxi. Sinn der Übung? Keine Ahnung.

Wir fahren kilometerweit durch eine eher trostlose Landschaft, überwiegend geprägt durch Strauchvegetation und kleinen knorrigen Bäumen. Das hier ist die Sahelzone, der Übergangszone zwischen der Sahara im Norden und der Savanne im Süden. Allerdings schon in den Ausläufern der Sahara. Wir flitzen über Sandpisten, bleiben im Sand stecken und kommen wieder raus. Immer das gleiche, bis ich dem Fahrer eine Wette anbiete. Jeder darf mal fünf Kilometer fahren, und wer am meisten im Sand stecken bleibt, muss am Abend ein Bier ausgeben. Hat sich aber leider keiner drauf eingelassen.

Irgendwann sind wir da, in den Gebieten der Touareg, wo in den kommenden Tagen das Gerewol Fest stattfinden soll. Maskierte Männer, heiratswillige Frauen. Der große Heiratsmarkt der Touareg hat begonnen. Doch dazu morgen mehr.

P.S.: Wenns im Niger schon mal Strom gibt, dann machts meistens nach kurzer Zeit plopp und das wars dann gewesen. Auf die Frage, wann denn der Generator wieder läuft, erhalte ich die typisch afrikanische Antwort: Any minute from now. Was heißt: gleich, in einer Stunde oder in einem Jahr. Lg an H1.