Montag,  26. September - Niamey

Der Impfausweis 

Nach rund 8 Stunden Flug von Frankfurt über Paris nach Niamey freue ich mich, die Air France zu verlassen. Hinter mir liegt ein langweiliger Flug und ein On Board Entertainment, was selbst hyperaktive Zeitgenossen in den absoluten Tiefschlaf versetzt.Nun bin ich also da - in Niamey, der Hauptstadt des Niger. Eigentlich ein weitläufiges Kaff, aber immerhin am mächtigen Fluss Niger gelegen.

Ich bleibe einen Augenblick auf der Flugzeugtreppe stehen, sauge die 37-40 Grad heiße und staubige Luft auf und frage mich: Wo bist du hier gelandet? Während andere Leute viele Abende auf der heimischen Terrasse sitzen und mit pathologischer Präzision jedes Detail einer Westafrika-Tour planen, habe ich mich mit meiner Tour keine zehn Minuten beschäftigt. Und jetzt sitze ich hier!

Ja ich sitze und zwar in der Eingangshalle des Flughafens. In Niger gehört ein amtlicher Impfausweis zu den Einreisedokumenten und der liegt zu Hause. Ja, ich bin geimpft, gegen Pest und Cholera, gegen Linkspartei und AfD. Auch gegen Gelbfieber. Aber mündliche Bekundungen interessieren hier niemanden. Zurück schicken? Mir wird schon ganz schummrig? Zum Glück steht auf dem Flughafen weit und breit kein Flieger, der mich irgendwie unfreiwillig in die Zivilisation zurück bringen würde. Ein paar Flugzeuge, an denen sich Bruchpiloten ausgetobt hatten.

Ok - aber meine Air France war schon wieder über alle Berge und die nächsten 24 Stunden landet hier niemand. Was also tun? Auf Zeit spielen? Gegen vier Uhr wird hier so einiges nervös, denn der Feierabend steht bevor. Und so kam es, wie ich es fast erwartet habe. Um Punkt 16 Uhr dreht die Gelbfieberkontrolleuse auf dem Absatz kehrt Richtung Feierabend und ich habe meinen ersten Test bestanden: Einreise im Niger ohne Impfausweis.

Wie ich denn ohne Französischkenntnisse klar kommen wolle, fragte mein Sitznachbar im Flieger. Eine berechtigte Frage, ist doch mein Französisch mehr so auf Bonjour und Une grande bière, s'il vous plaît beschränkt. Irgendwie wird's gehen und so habe ich auch keine Probleme, mich mit einem Fahrer auf einen Preis zum Hotel zu einigen. Eine kleine Bude mit einer hervorragenden Bierbar. Es gibt zwar keine Reiseführer im Niger, aber lustige Kaschemmen findet man auch so.Niamey fällt irgendwie aus dem Rahmen.

Afrikanisch? Ja aber weitaus weniger chaotisch, als ich mir das vorgestellt habe. Was einem sofort ins Auge sticht sind die vielen Motorräder. Alle haben eines, auch Frauen. Manche fahren mit Kopftuch, oft auch mit einem Baby auf dem Rücken. Auch allerhand Zeug wird mit dem Motorrad transportiert. Kisten, Kanister... auch lebende Tiere oder Autoersatzteile. Einer transportiert eine Pkw Frontscheibe, ein anderer ein blökendes Schaf.

Ich lasse den Fahrer vor einer Bank halten. Mit den Geldautomaten oder Wechselstuben ist das hier so eine Sache, es gibt kaum welche. Um wenn, dann spuckt der große Scheine aus, mit denen ich nichts kaufen kann. Bares ist hier rares und wahres, nur bekomme ich nichts gewechselt. Niger hat auch gar keine eigene Währung. Hier gilt der Westafrikanische Franc (CFA), eine Gemeinschaftswährung der frankophonen Staaten, die in der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion organisiert sind.

Im Hotel nebenangibt's einen gemütlichen Hof mit Bar und Restaurant. Ich nutze diese Gelegenheit gleich, um das heimische Bier zu testen: das Niger Bier, serviert in gigantischen 65-Zentiliter-Flaschen. Es sind fast nur Weiße hier. Das ändert sich dann allerdings schlagartig, sobald man vor das Eingangstor tritt. Irgendwie kann ich alles noch nicht zuordnen. Niger ist eines der ärmsten Länder der Welt, aber ich finde eine geordnete Struktur an kleinen Geschäften vor. Ich stürze mich nun noch etwas ins Nachtleben, was das bedeutet - wir werden es erleben.

P.S. Nach langem Suchen habe ich den Ort gefunden, der es in Punkto Internet mit der Wetterau aufnehmen kann. Es ist der Niger - das Land der weiten Wüsten und des kurzen Breitbands. Lg an H1.