Dienstag,  7. Juni - Hargeisa / Somalia

Blöken, rülpsen - Prost! 

Auf dem Rückweg nach Hargeisa halten wir bei einer Afar-Familie, einem typisch ostafrikanischen Stamm, in Hütten wohnend, einsam in der weitläufigen Gegend verteilt. Alles, was zum Leben benötigt wird, ist in und um die Hütte, die von einem Zaun aus Dornengestrüpp geschützt wird – für alle ist Platz im Garten rund um die Hütte – Esel, Schafe, Kochstelle …

Rundherum wie überall im dünn besiedelten Land eine einzige große Mülldeponie. Irgendwie sehen die Strssenränder wie bunt geschmückt aus – denn all der Plastikmüll bleibt an den Strüchern und Bäumen links und rechts der Straße hängen … und wenn der Schmuck dichter wird, ist das nächste Dorf oder die nächste Bus-Haltestelle nicht weit.

Zurück in Hargeisa – die Hauptstadt gleicht einer Ansammlung von Hütten, verfallenen Häusern, jeder Menge Straßenhändlern und ein lärmendes Menschengewirr, dazu lautstark predigende und nicht-endend-wollende Muezzine. Die Straßen sind staubig, meist ohnehin nur Sandpisten … eine Stadt, die eigentlich keine ist.

Ich gehe nochmals auf den Markt von dem ich je bereits berichtete. Nichts aufregendes bis auf die Mehlsäcke von Geldbündeln, die hier den Zahlungsverkehr regeln. In einer Wechselstube will ich meine äthiopischen Kröten los werden. Zwar ich kein Geldwechsler weit und breit zu sehen, dafür sehe ich in welcher Währung hier wirklich der Schwarzmarkt blüht. Jeder hier im Raum hat ein oder mehrere dicke Bündel von 100 Dollar Scheinen. Bis auf mich, der jetzt auf seinen angegriffenen Birr sitzen bleibt.

Viel interessanter ist der Tiermarkt. Die Rufe der Treiber gellen über den Markt, die Geräusche, die die Kamele von sich geben, klingen, als würden sie gleichzeitig gurgeln, blöken und rülpsen. Hier ist Vorsicht angesagt. Da hebt sich der Schwanz und mit dem Druck eines C-Rohr Strahls entledigt sich das Tier seiner Geschäfte. Lustig ist das bei Selfies. Man steht vor dem Kamelhintern, und fotografiert die Motive dahinter. Sehenden Auges blickt man - oder gerade nicht - in sein stinkendes Unglück. Nein - passiert ist nichts. Vermutlich hätten die mich dann nicht mehr ins Flugzeug gelassen.

Bei den Kamelen ist heute allerdings nicht sehr viel los. Die Ziegen machen eindeutig das Rennen. Wobei auffällt. Den Kamelhandel dominieren die Herren, für Ziegen sind die Damen zuständig. Mit viel Waschweiber-Tam-Tam wechseln Ziegen den Besitzer. Was dort hingeblättert wird, weiß ich nicht, aber für ein Kamel muss man schon mit 1000 Euro rechnen. Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Am einfachsten erwirbt man ein Kamel in Begleitung einer jüngeren blonden Damen mit guten Zähnen. Die kann man auf einen Schlag gegen zehn Kamele eintauschen. Kamele sind zudem auch einfacher und günstiger in der Haushaltung. Sollte die mitgebrachte Blondine allerdings ein schlechteres Gebiss als ein Durchschnittskamel haben, sinkt die Frau-Kamel-Tauschquote doch rapide.

Reden wir über Musik. Ein ganz schwieriges Thema hier. Laufe ich durch die Straßen, dann ist so einiges zu hören. Menschen palavern, Händler preisen ihre Waren an; Esel blöken, Autofahrer hupen und die Muezzine grölen zur Gebetszeit von den Minaretten. So viel höre ich – nur keine Musik. Kein Radio, kein nix. So ziemlich alles verbietet der Islam in der Öffentlichkeit: Tanzen, Musik, Alkohol.

Zwei Aspekte in diesem Land sollten sich an diesem Tage noch rapide ändern:

Musik: Da sitze ich in einem Restaurant und höre Musik. Auf einmal ein wildes Gefuchtel einiger Herren. Hatte den Kopfhörer nicht richtig eingepluggt und so den ganzen Raum unterhalten. Ob mein Gedudel zum hier erlaubten Surengedudel passt - die Frage kann getrost mit Nein beantwortet werden.

Alkohol: Da ich fast jeden Tag eine neue Unterkunft aufsuche, ist das mit dem Packen so eine Sache. Vor der Rückreise räume ich aber in meinem Rucksack nochmals auf. Plötzlich schepperts. Finde ich doch das Dosenbier, was ich bei der Einreise über die Grenze schmuggelte. Da Alkohol hier aber bei Prügelstrafe mittels Peitschenhieben verboten ist: nichts wie weg mit dem Zeugs und Dosen unauffällig entsorgen!

P.S.: Nicht vorzustellen ich wäre am Flughafen gefilzt worden. Bei 80 Peitschenhieben hätte mein Rücken bestimmt einen entspannten Rückflug nach Frankfurt gehabt.